Hohe Spritpreise: So verändern sie das alltägliche Leben in SH
Stand: 20.08.2026 05:00 Uhr Die hohen Kraftstoffpreise sorgen nicht nur für Frust beim Blick auf die Tankuhr. Sie belasten das Portemonnaie gleich mehrfach - vom Handwerker bis zum Einkauf im Supermarkt wird der Alltag im Land teurer. von Hauke von Hallern Früher Morgen auf dem Pendlerparkplatz Wasbek bei Neumünster: Antonia Schnittger wartet auf ihre Kollegin. Gemeinsam wollen sie für einen Termin nach Lüneburg fahren. "Normalerweise muss ich alleine zur Arbeit pendeln - jetzt gibt es aber ausnahmsweise mal die Möglichkeit, mit einer Fahrgemeinschaft Sprit zu sparen", erzählt sie. Für die etwa 120 Kilometer lange Fahrt nutzen sie das E-Auto von Kollegin Bettina Trilk. "Das haben wir uns jetzt gerade wegen der hohen Spritpreise angeschafft", berichtet Trilk. Es mache schon Freude, günstiger unterwegs zu sein. "Allerdings ist man mit E-Auto auch immer der, der fährt", erzählt sie. Schnittger versucht, im Alltag so viel es geht, auf das Auto zu verzichten. "Es gibt ja auch die Möglichkeit, das Fahrrad zu nehmen." Schleswig-Holstein treffen die hohen Spritpreise besonders hart Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel geht davon aus, dass sich die Belastung durch hohe Kraftstoffpreise in Schleswig-Holstein besonders stark auswirkt. Denn rund 78 Prozent der Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner leben im ländlichen Raum. Dort seien Wege häufig länger und das Auto lasse sich im Alltag oft schwieriger ersetzen als in dicht besiedelten Regionen. Das bedeute zwar nicht zwangsläufig, dass die gemessene Inflationsrate in Schleswig-Holstein entsprechend stärker steige, wohl aber, dass höhere Kraftstoffpreise für viele Haushalte einen größeren Anteil ihrer laufenden Ausgaben betreffen könnten, heißt es von einer Sprecherin des Instituts. Spritpreise treiben Inflation Für das Jahr 2026 prognostiziert das Institut für Weltwirtschaft eine Inflation von etwa 2,8 Prozent. Für 0,56 Prozentpunkte davon seien allein die hohen Kraftstoffpreise verantwortlich. Diese treffen vor allem die Logistikbranche in Schleswig-Holstein, sagt Thomas Rackow, Geschäftsführer des Unternehmensverbandes Logistik. Der Verband vertritt 500 Unternehmen im Land. Gerade kleine und mittlere Unternehmen in Schleswig-Holstein hätten zu kämpfen, weil sie mit den Großen preislich nicht mehr mithalten können, so Rackow. Betroffen seien rund 80 Prozent der Logistikunternehmen im Land. Mehrkosten von einigen Hundert Euro pro Lkw-Tankfüllung Sie haben eher wenig Fahrzeuge und Mitarbeiter, die Gewinnmargen sind laut Logistikverband geringer als bei großen Logistik-Konzernen in anderen Ländern. Einmal einen Lastwagen volltanken, könne aktuell bis zu 1.500 Euro kosten - es ergeben sich Mehrkosten von einigen Hundert Euro. 30 Prozent der Gesamtkosten sind laut Rackow Spritkosten. Insgesamt schätzt der Logistikverband in Schleswig-Holstein, dass Transporte durch die hohen Kraftstoffpreise um zehn Prozent teurer werden. Logistik als Preistreiber Und die Kettenreaktion geht weiter. Nach Angaben des Unternehmensverbandes Nord wirken sich die steigenden Logistikpreise auf zahlreiche Branchen aus. Geschäftsführer Sebastian Schulze rechnet mit kurzfristigen Preissteigerungen, zum Beispiel nachdem Unternehmen die monatliche Logistikkostenabrechnung gemacht haben. "Klar ist: Die höheren Spritkosten schlagen durch die ganze Lieferkette, von der Rohstofflieferung bis zur Fahrt zum Kunden. Wo es geht, werden die höheren Kosten eins zu eins an den Kunden weitergereicht", meint Schulze. Am Ende zahle der Kunde die Zeche. Lebensmittel werden teurer Besonders zu spüren ist das laut Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie vor allem beim Einkauf im Supermarkt. "Die seit der Sperrung der Straße von Hormus anhaltend hohen Spritpreise belasten die Hersteller von Lebensmitteln und Getränken in hohem Maße. Agrarrohstoffe vom Feld sowie verarbeitete Lebensmittel werden in die regionalen Supermärkte vor allem auf der Straße transportiert", erklärt Geschäftsführer Olivier Kölsch. Viele Kundinnen und Kunden eines Supermarktes in Neumünster berichten in einer NDR Umfrage auf dem Parkplatz, dass sie beim Einkauf sparen. "Ich achte vielmehr auf Angebote, als ich es früher getan habe", erzählt eine Kundin. Besonders auf Süßigkeiten und Schokolade verzichte sie, um zu sparen. Diese hätten sich ihrer Meinung nach besonders verteuert. Höhere Spritpreise belasten auch andere Branchen Ein weiterer Kunde hat für den Wocheneinkauf gerade rund 170 Euro ausgegeben. "Früher war das billiger", meint er. Sparen wolle er bei den Lebensmitteln aber nicht. Er gehe dafür weniger auswärts essen, verzichte zum Beispiel hin und wieder auf einen Döner. Und so könnten sich die hohen Spritpreise wiederum auf weitere Branchen auswirken.