Holocaust-Überlebende Irene Butter in den USA verstorben
Die Holocaust-Überlebende Irene Butter ist am Freitag im Kreise ihrer Familie und Freunde in den USA gestorben. Das bestätigte ihre Agentin Mary Bisbee-Beek gegenüber dem NDR. Jahrzehntelang klärte die Wirtschaftswissenschaftlerin über ihre Erfahrungen als Jüdin unter den Nazis auf.
Butter wurde 1930 als Irene Hasenberg in Berlin geboren. 1937 floh ihre Familie vor den Nazis nach Amsterdam - in das gleiche Viertel, in dem auch Anne Frank mit ihrer Familie lebte.
Deportation nach Bergen-Belsen, Ausreise in die USA
Nach dem Einmarsch der Deutschen in die Niederlande wurde die Familie Hasenberg deportiert und kam 1943 nach Westerbork in ein sogenanntes Durchgangslager. Dort sei eines Tages ein Paket angekommen, erinnerte sich Butter später. Ihr Vater hatte zuvor ecuadorianische Pässe bestellt, mit dem Plan, als ausländische Juden von den Nazis gegen im Ausland gefangen gehaltene deutsche Staatsbürger eingetauscht zu werden.
Zunächst kam die Familie in das Konzentrationslager Bergen-Belsen. Auch Anne Frank traf Irene dort noch einmal wieder - sie sahen einander durch einen Stacheldraht getrennt, denn die sogenannten Austauschjuden waren in einem anderen Teil des Lagers untergebracht. Anne Frank starb in Bergen-Belsen.
Nach knapp einem Jahr kam es dann zu einem Austausch - Butters durch Zwangsarbeit und die menschenunwürdigen Bedingungen im KZ geschwächter Vater starb jedoch zuvor. Ihre Mutter und ihr Bruder kamen in ein Krankenhaus, so dass Irene alleine ausreisen musste: über die Schweiz und Frankreich zunächst nach Algerien, dann in die USA.
Dort studierte sie schließlich Wirtschaftswissenschaften und wurde Professorin an der Universität von Michigan.
Engagement und Auszeichnung
Jahrzehntelang sprach Irene Butter nicht über ihre Vergangenheit - bis sie während einer Gesprächsrunde über Anne Frank ihre Meinung änderte. Dort habe sie ihre "Verantwortung erkannt und angefangen zu reden", erklärte Butter später.
Vor allem Schülerinnen und Schülern in den USA und in Deutschland erzählte sie ihre Geschichte. Dieses Engagement zeichnete der Bundespräsident im Jahr 2024 mit dem Bundesverdienstkreuz aus.
"Beeindruckende Stimme der Erinnerung"
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer würdigte Butters Verdienste. "Mit Irene Butter verlieren wir eine beeindruckende Stimme der Erinnerung und eine unermüdliche Kämpferin für den Frieden", erklärte Weimer. Sie habe sich jahrzehntelang für Aufklärung, Frieden und Verständigung eingesetzt. "Ihr Mut, ihre Stimme zu erheben und ihre persönliche Geschichte als Jüdin zu erzählen, ist von unschätzbarem Wert."