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Homeoffice: Was strenge Regeln mit dem Ego zu tun haben

Technologie

Büro: Was Homeoffice-Regeln mit dem Ego zu tun haben

Mercedes und die Bahn wollen wieder mehr Mitarbeiter im Büro sehen. Eine Studie deutet an: Die Homeoffice-Abneigung mancher Chefs hat eine wenig schmeichelhafte Ursache.

Irgendwann, irgendwie, irgendwo: In den wenigsten Unternehmen sind immer alle im Büro. Foto: IMAGO/Westend61

Mercedes-Benz und die Deutsche Bahn fordern mehr Präsenz im Büro und wollen die erlaubten Homeoffice-Tage kürzen.

Mercedes setzt auf vier Präsenztage pro Woche, die Deutsche Bahn begrenzt das mobile Arbeiten auf zwei Tage. Beide Unternehmen betonen den Nutzen von Präsenz für Zusammenarbeit und Teamgeist.

Eine Studie der University of Pennsylvania zeigt, dass narzisstische Führungskräfte eher gegen Homeoffice sind, weil sie um ihre Macht fürchten. Die Forscher fanden diesen Zusammenhang durch mehrere Untersuchungen heraus.

Die Universität Konstanz weist darauf hin, dass strengere Präsenzregelungen auch als Instrument zur Personalreduktion genutzt werden können.

Die Zusammenfassung wurde mithilfe von KI erstellt und redaktionell geprüft.

Eigentlich war der Streit doch beigelegt. Nach jahrelangen Diskussionen um das mobile Arbeiten schienen sich die meisten Unternehmen – und ihre Mitarbeiter – mit den intern beschlossenen Regeln arrangiert zu haben. Drei Viertel der Industrie- und IT-Firmen wollen an der Zahl der erlaubten Homeoffice-Tage erst einmal nichts verändern, zeigte im vergangenen Jahr eine repräsentative Umfrage des ZEW Mannheim.

Doch dann sorgten binnen weniger Tage gleich zwei große Arbeitgeber für Schlagzeilen: Mercedes-Benz will eine neue Homeoffice-Regelung durchsetzen – und hat die bislang bestehende Betriebsvereinbarung vorsorglich gekündigt. Vier Präsenztage pro Woche sollen wieder zum Standard werden. Das geht aus einem Brief an die deutsche Mercedes-Belegschaft hervor, welcher der WirtschaftsWoche vorliegt.

Auch die Deutsche Bahn fordert von ihren Angestellten wieder mehr Präsenz ein. Mobiles Arbeiten soll nur noch an zwei Tagen in der Woche möglich sein, so der Tenor eines Schreibens des Konzernvorstands, der im Intranet veröffentlicht wurde und dem Handelsblatt vorliegt.

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Die Argumente ähneln sich: Bei Mercedes soll die neue Regelung „persönliche Zusammenarbeit, direkten Austausch und Teamgeist“ wieder stärker in den Mittelpunkt stellen, schreiben die Manager um CEO Ola Källenius. Und der Bahn-Vorstand stellt klar: „Präsenz stärkt Zusammenarbeit und Zusammenhalt“. Allerdings glaubt nicht jeder an diese Begründungen. Bei der Bahn etwa vermuten manche Mitarbeiter laut Handelsblatt einen Zusammenhang zum geplanten Stellenabbau.

Damit geht der Streit um die Deutungshoheit beim Homeoffice in eine neue Runde. Sorgt mehr Präsenz tatsächlich für mehr Zusammenhalt, mehr Austausch, mehr Produktivität? Oder geht es den Arbeitgebern in Wahrheit um etwas anderes?

Narzissten gegen Homeoffice

Eine kürzlich erschienene Studie eines dreiköpfigen Forscherteams der University of Pennsylvania dürfte Wasser auf die Mühlen derjenigen sein, die Chefs unlautere Motive für ihre Forderung nach mehr Präsenz unterstellen. Demnach hängt die Abneigung von Führungskräften gegenüber dem Homeoffice auch mit einem wenig schmeichelhaften Persönlichkeitsmerkmal zusammen: Narzissmus. So sprechen sich Chefs, die narzisstische Züge aufweisen, stärker gegen mobiles Arbeiten aus – offenbar, weil sie um ihre Macht fürchten.

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Die Studie der drei Organisations- und Verhaltensforscher stützt sich auf drei Untersuchungen mit insgesamt rund 1200 Führungskräften, darunter mehr als 200 CEOs großer US-Unternehmen. Eine Untersuchung basierte auf Befragungen von Führungskräften aus unterschiedlichen Ebenen und Branchen. Wer zum Narzissmus neigte, lehnte mobiles Arbeiten tendenziell eher ab. Dabei meint der Narzissmus-Begriff in der Studie keine klinische Diagnose – sondern einfach eine Eigenschaft, die bei manchen Menschen schwächer, bei anderen stärker ausgeprägt ist. Gemessen wird das anhand der Zustimmung zu Aussagen wie „Ich weiß, dass ich etwas Besonderes bin, weil mir das alle immer wieder sagen“.

In der Studie berücksichtigten die Forscher mögliche verzerrende Faktoren wie etwa das Alter oder die Dienstzugehörigkeit der Manager. Anschließend überprüften sie das Ergebnis durch ein Experiment, mit dem sie gezielt narzisstische Denkmuster hervorriefen. Dafür teilten sie mehr als 500 Führungskräfte in zwei Gruppen ein: Die eine musste zunächst einen kurzen Text lesen, der Narzissmus als Stärke erfolgreicher Unternehmenslenker darstellte. Bei der anschließenden Befragung äußerte sich diese Gruppe messbar kritischer gegenüber dem mobilen Arbeiten als die Kontrollgruppe, die den Text nicht gelesen hatte.

In einer früheren Untersuchung hatten die Forscher öffentliche Äußerungen und Geschäftsberichte von Unternehmenschefs ausgewertet, die zu Homeoffice Stellung bezogen hatten. Die Narzissmus-Neigung machten sie dabei an verschiedenen Faktoren fest, etwa an der Größe des Porträtfotos im Geschäftsbericht, der Größe der Unterschrift und dem Verhältnis der eigenen Vergütung zu der des zweitbestbezahlten Managers im selben Unternehmen. Auch hier lautete der Befund: Je ausgeprägter diese Merkmale waren, desto stärker lehnten die Chefs das Arbeiten von zu Hause ab.

Machtstreben als Ursache

Die Studienautoren erklären die Ergebnisse zum Teil mit dem Machtstreben, das bei narzisstisch veranlagten Menschen besonders ausgeprägt ist. Wenn Mitarbeiter zu Hause arbeiten, fehlen Gelegenheiten, direkte Anweisungen zu geben oder die Anerkennung zu erfahren, nach der sie sich sehnen. Hinzu kommt, dass Beschäftigte mehr Freiheit hinsichtlich ihrer Arbeitsweisen und -zeiten gewinnen, was manche Führungskräfte als Eingriff in ihre Autorität erleben.

Die in der Studie nachgewiesenen Effekte sind statistisch robust – aber eher klein. Ob sich der Streit ums Homeoffice wieder ausweitet, wird also nicht in erster Linie vom Narzissmus der Chefs abhängen. Sondern möglicherweise eher von der wirtschaftlichen Lage. Die Homeoffice-Studie der Universität Konstanz zeigte im vergangenen Jahr: Beschäftigte mit Angst um ihren Job berichten häufiger von einer verschärften Präsenzpflicht. „Dies legt die Vermutung nahe, dass manche Unternehmen eine striktere Präsenzpolitik gezielt als Instrument zur indirekten Personalreduktion nutzen“, schreiben die Forscher.

Lesen Sie auch: Wenn Führungskräfte das Homeoffice streichen

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