Houthi-Miliz intensiviert Angriffe auf Saudi-Arabien
Startseite Politik Neue Front im Iran-Krieg: Huthi-Miliz intensiviert Angriffe auf Saudi-Arabien Von: Bedrettin Bölükbasi Uns auf Google folgen Die Huthi greifen erstmals seit Jahren wieder Saudi-Arabiens Ölindustrie an. Die Angriffe verschärfen die Spannungen im Nahen Osten – mit Folgen für den Ölmarkt. Sana – Die Lage im Nahen Osten spitzt sich weiter zu. Nun eskaliert die Situation an einer weiteren Front: Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen haben erstmals seit 2022 wieder Angriffe auf saudi-arabische Ölanlagen für sich reklamiert. Nach eigenen Angaben feuerten sie ballistische Raketen und Drohnen auf Einrichtungen des staatlichen Ölkonzerns Aramco in Yanbu und Jazan am Roten Meer ab. Die Attacken könnten den Druck auf die ohnehin angespannten Energiemärkte weiter erhöhen. Huthis werden wieder aktiv gegen Saudi-Arabien: Angriffe auf Aramco-Anlagen Huthi-Militärsprecher Yahya Saree erklärte in einer Videobotschaft, die Angriffe seien eine Reaktion auf saudische Luftschläge gegen die von den Huthi kontrollierte Hafenstadt Hodeida. Bereits in der vergangenen Woche hatte Huthi-Anführer Abdul Malik al-Huthi angekündigt, saudi-arabische Ölanlagen ins Visier zu nehmen, sollte sich Riad stärker in den regionalen Konflikt einmischen. Die saudi-arabischen Behörden bestätigten die Angriffe zunächst nicht offiziell. Der Zivilschutz rief die Bevölkerung in Yanbu und Jazan jedoch vorsorglich dazu auf, ihre Häuser nicht zu verlassen, bis die Gefahr vorüber sei. Wenig später wurde Entwarnung gegeben. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters fing ein von griechischen Soldaten in Saudi-Arabien betriebenes Patriot-Luftabwehrsystem zwei aus dem Jemen abgefeuerte ballistische Raketen ab. Das System schützt seit 2021 im Rahmen eines bilateralen Verteidigungsabkommens wichtige Energieanlagen des Königreichs. Unklar blieb zunächst, wie groß die Schäden an den Anlagen tatsächlich sind. Das NASA-Überwachungssystem FIRMS registrierte allerdings mehrere Hitzequellen im Bereich der Raffinerie von Jazan. Die Anlage kann nach Unternehmensangaben bis zu 400.000 Barrel Öl pro Tag verarbeiten. Antwort auf Aramco-Angriffe: Eskalation nach saudischen Luftangriffen Die Angriffe erfolgen nur einen Tag nach saudischen Luftschlägen auf Hodeida. Das Huthi-Außenministerium erklärte daraufhin, Saudi-Arabien habe mit seinem Vorgehen eine neue Phase der Eskalation eingeläutet. Die saudisch geführte Militärkoalition wiederum wirft den Huthi vor, mit Angriffen auf die Schifffahrt im Roten Meer die Lage weiter zu verschärfen. Bereits Anfang der Woche hatten die Huthi ein Embargo gegen die saudische Schifffahrt angekündigt und erklärt, den Bab al-Mandab – einen der wichtigsten Seewege zwischen Asien, Afrika und Europa – für saudische Schiffe zu blockieren. Zuvor hatten sie bereits Angriffe auf Öltanker im Roten Meer gemeldet. Huthis und Saudis greifen sich gegenseitig an: Sorge um Versorgung und Ölpreise Besonders brisant ist der Zeitpunkt der Angriffe. Der Hafen von Yanbu gilt als wichtigster Endpunkt einer Pipeline, mit der Saudi-Arabien Öl exportieren kann, ohne die Straße von Hormus nutzen zu müssen. Diese Meerenge wird derzeit durch den Konflikt mit dem Iran massiv beeinträchtigt. Experten warnen deshalb vor zusätzlichen Belastungen für den internationalen Energiemarkt. Der Nahost-Experte Toby Matthiesen von der Universität Bristol sagte der Washington Post, die jüngste Eskalation schaffe eine weitere Unsicherheit für die weltweite Ölversorgung. Zwar liege eine weitere Eskalation weder im Interesse Saudi-Arabiens noch der Huthi, Konflikte könnten jedoch schnell außer Kontrolle geraten und Saudi-Arabiens wirtschaftliche Entwicklungspläne gefährden. USA könnten sich einschalten: Trump droht Iran und den Houthis Die Angriffe verschärfen zugleich die Spannungen zwischen den USA und dem Iran. Nachdem die Huthi zuletzt saudische Schiffe und nun auch Ölanlagen angegriffen hatten, kündigte US-Präsident Donald Trump eine harte Reaktion an. Trump erklärte, die Vereinigten Staaten würden den Iran für die Aktionen seiner Huthi-Verbündeten verantwortlich machen. Sowohl Teheran als auch die Huthi müssten schon bald mit einer „massiven militärischen Bestrafung“ rechnen. Die Drohung unterstreicht die Sorge, dass sich der Konflikt zu einem noch größeren regionalen Krieg ausweiten könnte. Ein Huthi-naher politischer Kommentator warnte seinerseits gegenüber der Washington Post, die Rebellen würden ihre Angriffe weiter ausweiten, falls die USA militärisch eingreifen. In diesem Fall könnten nach seinen Worten auch amerikanische Handels- und Kriegsschiffe blockiert werden. Erster Angriff seit der Waffenruhe Die jetzigen Angriffe sind die ersten direkten Attacken auf saudi-arabische Ölziele seit 2022. Damals hatten die Huthi wiederholt Anlagen der Ölindustrie und staatliche Infrastruktur angegriffen. Bereits 2019 sorgte ein groß angelegter Drohnenangriff auf Aramco-Anlagen dafür, dass die saudische Ölproduktion zeitweise um rund die Hälfte einbrach. Zwischen Saudi-Arabien und den Huthi hatte seit 2022 eine informelle Waffenruhe bestanden. Nach Angaben der Rebellen endete diese Deeskalationsphase jedoch zuletzt. Beobachter befürchten nun, dass sich neben dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran ein weiterer Kriegsschauplatz auf der Arabischen Halbinsel entwickelt. Da die Straße von Hormus bereits erheblich beeinträchtigt ist und nun auch die Schifffahrt im Roten Meer zunehmend unter Druck gerät, könnten sich die Folgen weit über die Region hinaus auf den Welthandel und die globale Energieversorgung auswirken. (Quellen: Washington Post, Reuters, France24, eigene Recherche) (bb)