HSV feiert das größte Freundschaftsspiel Europas
TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen
An diesem Sonntag stand das Stadion der Freundschaft nicht in Cottbus, sondern eindeutig in Hamburg. 55.067 Zuschauer erlebten einen Tag komplett im Zeichen der engen Verbindung zwischen dem HSV und Dänemarks Top-Klub FC Kopenhagen. Das Ergebnis (2:0) interessierte am Ende kaum einen. „Das war von der Stimmung her wie ein Liga-Spiel“, sagt HSV-Stürmer und Däne Yussuf Poulsen (32): „So habe ich das in meiner langen Karriere noch nicht gesehen. Chapeau an beide Klubs.“
HSV gegen Kopenhagen: Das größte Freundschaftsspiel Europas
Eine kleine Auswahl der Freundschaftsbekundungen: eine XXL-Choreographie über drei Tribünen, inklusive beider Klub-Logos. Eigens angebaute Vorsängerpodeste am reservierten Gäste-Fanblock auf der Südtribüne. Ständige Wechselgesänge sowie Anfeuerungen der gegnerischen Mannschaft.
„Das ist unfassbar für ein Testspiel, das wir sonst auf unserem Trainingsplatz 6 austragen“, sagt Trainer Merlin Polzin (35) und findet: „Darum beneiden uns andere Mannschaften in ihrem Pflichtspielbetrieb.“ Und die Beteiligten sind sich einig: Ein solches Freundschaftsspiel gibt es nirgendwo in Europa.
Kopenhagen-Trainer Bo Svensson (47): „Ich habe schon viel erwartet, aber wie viel Gas alle gegeben haben, wie viel Mühe sich alle gegeben haben – so etwas kenne ich nicht und von so etwas habe ich noch nie gehört. Das war extrem geil.“ Gäste-Keeper Diant Ramaj (25): „Es freut uns als Spieler, dass es so eine Fan-Freundschaft gibt.“
Der emotionale Höhepunkt entstand dann aus traurigem Anlass: Nach Abpfiff gingen beide Teams auf eine gemeinsame Ehrenrunde. Vor dem Kopenhagen-Block zeigten sie gemeinsam die großen Banner für den verstorbenen Kopenhagen-Fan Mathias . Der kam vergangene Woche bei einem Auto-Unfall ums Leben. Seine Freundin, Fanbeauftragte beim Frauenteam des Klubs, kämpft im Krankenhaus noch um ihr Leben.
Schon beim Auflaufen trugen alle Spieler ein Solidaritätsshirt. Kurz vor der Gedenkminute bekam sogar Kopenhagens Capo das Stadionmikro, richtete mit stockender Stimme und unter Tränen emotionale Worte an die eigenen Leute.
Mathias war einer der führenden Köpfe hinter dem immer enger werdenden Verhältnis der Fans und organisierte viel rund um das aktuelle und das „Hinspiel“ vor einem Jahr in Dänemark (1:0 für Kopenhagen) und reiste auch zu HSV-Auswärtsspielen.
Die Teams beider Klubs, deren Fans seit den UEFA‑Cup-Playoffs 2005 so eng befreundet sind, wurden vor Anpfiff über den Todesfall informiert. HSV -Verteidiger Miro Muheim (28): „Das war eine heftige Stimmung, als ich von dem tragischen Unfall erfahren habe. Das macht einen traurig.“ Kopenhagens Coach Svensson: „Das ist sehr tragisch. Aber das ist auch das, was Fußball kann. Er bringt die Leute zusammen.“
Bezeichnend: Ohne die Freundschaft der Vereine hätten die Kopenhagener aufgrund vieler Ausfälle und Länderspielfahrer möglicherweise abgesagt.