HSV-Trainer Polzin schwärmt von Kathleen Krüger
Merlin Polzin schwärmt im SPORT1-Interview von der neuen Sportvorständin Kathleen Krüger. Mit Blick auf die WM hält der HSV-Trainer ein flammendes Plädoyer. Für den HSV steht das zweite Bundesligajahr nach dem Aufstieg an. Im malerischen Oberlängenfeld im österreichischen Ötztal wurden die Grundlagen dafür gelegt, dass Platz 13 aus der Vorsaison bestätigt wird – mindestens! Im Interview mit SPORT1 stellt Trainer Merlin Polzin klar, dass er trotz aller Zufriedenheit in bestimmten Bereichen Verbesserungspotenzial sieht. Mit der neuen Sportvorständin Kathleen Krüger, die vom FC Bayern kam, sieht Polzin eine herausragende Verstärkung, um den Klub weiter nach vorne zu bringen. Außerdem spricht Polzin darüber, wie er die WM verfolgt und mit dem deutschen Team mitgelitten hat. Zudem erklärt der 35-Jährige, dass nicht alle Neuerungen bei der Weltmeisterschaft in seinem Sinne waren und gut für den Fußball sind. SPORT1: Merlin Polzin, eine Woche haben Sie sich mit Ihrer Mannschaft im Ötztal in Österreich auf die neue Saison vorbereitet. Was sind die Punkte, an denen Sie im Vergleich zur vergangenen Spielzeit besonders arbeiten wollen? Merlin Polzin: Neben spezifischen Dingen wie der Athletik, an denen immer gearbeitet wird, ist es so, dass wir zufrieden waren mit dem, wie wir es im kontrollierten Ballbesitz oder im kontrollierten Verteidigen in der letzten Saison gestaltet haben. Jetzt müssen wir es aber hinbekommen, dass wir uns auch zwischen den Phasen – sprich nach Ballgewinn, aber vor allem auch nach Ballverlust – weiterentwickeln, um in der Bundesliga auch wirklich in jedem Spiel eine Chance zu haben, das Spiel zu gewinnen. Transfers? Das sagt Polzin SPORT1: Inwiefern sind Transfers notwendig, um diese Vorstellungen auch wirklich realisieren zu können? Oder sind die vorhandenen Spieler dazu in der Lage, sich entsprechend weiterzuentwickeln? Polzin: Es wird sicherlich beides notwendig sein. Wir haben klare Vorstellungen und diese auch in der Sommerpause mit Kathleen (Krüger, Vorstand Sport), Claus (Costa, Sportdirektor) und Eric (Huwer, Vorstand Finanzen) besprochen. Die Profile und die Art und Weise – das steht. Und jetzt suchen wir geduldig und mit sehr vielen detaillierten Analysen und Gesprächen die passenden Spieler dafür. Wir haben beispielsweise mit Albert Grönbaek und Martin Adeline Jungs dazugeholt, die genau dieses Profil abdecken. Und das wird sich in den nächsten Wochen sicherlich auch noch so weiterentwickeln. SPORT1: Sie haben Kathleen Krüger bereits angesprochen. Was sind Einflüsse, die sie von außen aus ihrer Zeit beim FC Bayern mitbringen kann? Gab es bereits Punkte, die Sie besonders überrascht haben? Polzin: Man spürt seit unserem ersten Telefonat – und wie wir uns dann nach und nach kennengelernt haben -, dass sie eine absolute High-Performerin ist. Das Mindset, das sie fast 20 Jahre beim FC Bayern miterlebt und teilweise mitgeprägt hat, tut uns allen hier beim HSV unfassbar gut, um gewisse Stellschrauben weiterzudrehen und Dinge zu hinterfragen, die vielleicht selbstverständlich waren. Und trotzdem hat sie ein gutes Gespür dafür, dass wir seit November 2024 schon sehr erfolgreich Fußball gespielt und gut gearbeitet haben und alle gemeinsam in eine Richtung gegangen sind. Und das wollen wir jetzt auch mit ihr gemeinsam so weiterführen. SPORT1: Die WM ist seit kurzem vorbei. Wie haben Sie diese verfolgt, als Fan, als Fußballinteressierter und als jemand, der mit Miro Muheim auch einen Spieler dabei hatte, der ganz gut abgeschnitten hat? Polzin: Natürlich haben wir mit Miro Muheim für die Schweiz und Sander Tangvik für Norwegen zwei Jungs genauer verfolgt und diese Länder auch unterstützt, damit sie möglichst weit im Turnierverlauf kommen. Als Fan der deutschen Nationalmannschaft, wenn ich im Trikot mit Freunden gemeinsam vor dem Fernseher geschaut habe, war ich natürlich nicht so glücklich. Aber das sind Dinge, die dazugehören und wo wir jetzt als deutscher Fußball die nächsten Schritte gehen werden. Polzin: „Dafür sollten wir uns einsetzen und kämpfen“ SPORT1: Was fiel Ihnen bei der WM auf? Polzin: Ich glaube, es wurde bereits genug darüber gesprochen, dass teilweise die Regelauslegung, gerade wie sie bei Roten Karten stattgefunden hat, nicht im Sinne des Fußballs ist. Ob man eine Halbzeitshow über 30 Minuten braucht, wage ich auch zu bezweifeln, um den Fußball so zu lassen, wie er ist, so wie er auch allen Menschen auf der Welt gefällt. Dafür sollten wir uns einsetzen und kämpfen. Und trotzdem haben die Spiele natürlich Spaß gemacht. Es war intensiv und hatte für alle, die es mit der WM gehalten haben, wenig Schlaf zur Folge. Und wir haben mit Spanien einen absolut verdienten Turniersieger gefunden. SPORT1: Gab es eine Mannschaft, von der Sie, was die Spielanlage angeht, besonders viel mitnehmen können? Ist es eher der feine Fußball der Spanier oder der aggressive Fußball der Argentinier? Oder im Endeffekt dann doch von allem ein bisschen? Polzin: Ja, es ist von allem ein bisschen. Die Trends werden nicht bei der Weltmeisterschaft gesetzt, sondern im Vereinsfußball, im europäischen Topfußball. Dafür ist die Zeit in den Nationalmannschaften einfach zu kurz, um wirklich taktische Dinge komplett zu setzen. Aber trotzdem schaut man drauf: Wie ist das Endphasenverhalten der Argentinier? Ist es wirklich nur Glück und Messi, der es irgendwie geregelt hat, oder finden da auch taktische Änderungen statt? Wie wurden die Trinkpausen genau genutzt? Wir versuchen im Trainerteam eher, in unterschiedlichen Spielphasen und Themen des Game Managements unterwegs zu sein, als nur das große Ganze taktisch zu betrachten. SPORT1: Haben Sie zum Thema Trinkpausen eine klare Meinung? Braucht es da unbedingt eine feste Regelung? Polzin: Es sollte im Sinne der Spieler gehandelt werden. Wir stehen nur als Trainer am Rand, die Jungs von beiden Mannschaften geben auf dem Feld alles. Und wenn es dabei hilft, dass Leistungen stabiler und besser und vor allem auch gesünder gezeigt werden können, dann sollten wir das alle unterstützen. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich der DFB und die DFL dazu in einem guten Austausch befinden und eine passende Lösung für uns alle finden. SPORT1: Lassen sich bereits jetzt Ziele formulieren, was Ihre kommende Saison mit dem HSV betrifft? Polzin: Das könnte man sicherlich. Aber für uns zählt derzeit – seit Tag eins, als wir in Dänemark gestartet sind – klar das Motto: jeden einzelnen Tag gewinnen! Im Sinne von: auf dem Platz die Arbeit verrichten. Im Sinne von Regeneration und Kraftraum. Im Sinne von Videoanalysen. Es geht darum: Wie gewinnen wir jeden einzelnen Tag? Und es geht nicht um gestern und vor allem auch nicht um die vergangene Saison. Es geht aber auch nicht darum, was in der Rückrunde passieren wird oder am achten Spieltag, sondern es geht wirklich nur darum, sich bestmöglich vorzubereiten auf ein intensives Jahr. Und dann werden wir nach und nach auch die Dinge, die am Ende der Saison stehen sollen, klarer definieren. Aber jetzt ist es in erster Linie wichtig, sich über die Weiterentwicklung im Tagtäglichen zu unterhalten.