Humanoide Roboter: Was Deutschland von China lernen kann
Tanzende Roboter oder ein humanoider Roboter, der gerade den 100-Meter-Weltrekord von Usain Bolt knackt: Das sind spektakuläre Bilder. Doch am Ende der Entwicklung sollen humanoide Roboter im Alltag ankommen. Heißt: am Fließband stehen, im Altenheim die Pflege übernehmen oder ganz banal zu Hause Wäsche waschen und bügeln.
So weit sind die Roboter allerdings noch nicht. Über 600 Prozent Kursgewinn bei der Aktie des Roboter-Herstellers Unitree aus China am ersten Handelstag und eine 8.000-fache Überzeichnung sind somit auch eine gewaltige Wette der Anleger auf die Zukunft. Viel Lärm um Nichts also? Ulrich Stephan, Chefanlagestratege Privatkunden von der Deutschen Bank, sieht es so:
"Globale Auslieferungen von etwa 20.000 Stück in 2025 könnten sich auf über eine Million Ende des Jahrzehnts ausweiten und auf über zehn Millionen Mitte des nächsten Jahrzehnts", führt Stephan aus.
BMW ein Vorreiter für humanoide Roboter in Deutschland
In Deutschland gilt BMW als Vorreiter beim Einsatz von humanoiden Robotern. Im Werk Leipzig befindet man sich beispielsweise in einer späten Testphase, in der Roboter den Transport von schweren Batteriemodulen übernehmen.
In vielen Unternehmen steht man aber erst am Anfang. Dennoch wird der industrielle Einsatz sehnlichst erwartet. Laut einer Erhebung des Branchenverbands Bitkom nutzen derzeit sechs Prozent der Industriebetriebe humanoide Roboter, weitere zehn Prozent planen ihren Einsatz.
Roboter als Ersatz für Fachkräfte?
"58 Prozent der Industrieunternehmen sehen in ihnen eine Möglichkeit, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, 68 Prozent erwarten weniger Arbeitsunfälle", sagte Marlene Kionka, Referentin Manufacturing beim Bitkom. Hinzu komme die Aussicht auf Produktivitätsgewinne.
Viele Unternehmen erwarten allerdings laut der Bitkom-Umfrage auch, dass die Technologie frühestens in zehn Jahren in der Breite ankommt. Über 50 Prozent erwarten dies sogar erst in elf bis 20 Jahren.
Auch Chefanlagestratege Stephan sieht humanoide Roboter "zunächst eher als Ergänzung und nicht als Ersatz für Fachkräfte". Dabei glaubt er am ehesten an den Einsatz in den Bereichen Logistik, Automobil und Fertigung.
Roboter in der Pflege oder als Haushaltshilfe
Und wann werden humanoide Roboter etwa die Wohnung putzen oder mithelfen, das Pflegedilemma zu bekämpfen? "Dieser Wunsch wird so schnell nicht in Erfüllung gehen", dämpft Wirtschaftsingenieur Simon Schmidt vom Fraunhofer-Institut IPA die Erwartungen.
Das habe zwei Gründe: Zum einen seien wir technologisch, beispielsweise hinsichtlich Roboterhänden oder Autonomie, noch nicht so weit. "Zum anderen ist die physische Sicherheit, die gerade im Umfeld von Menschen besonders relevant ist, noch eine ungelöste Aufgabe", erklärt Schmidt.
China treibt Entwicklung voran - staatlich gefördert
Gerade im häuslichen Einsatzbereich wird vor allem China, das bereits jetzt führend bei humanoiden Robotern ist, die Entwicklung vorantreiben. Im Land leben 320 Millionen Menschen im Seniorenalter. Tendenz steigend. Auch deshalb kommen die größten Anbieter unter anderem aus der Volksrepublik und liefern über 90 Prozent der humanoiden Roboter weltweit. Der Trend ist staatlich verordnet und wird gefördert.
Könnte Deutschland wieder einmal bei einer Zukunftstechnologie abgehängt werden? Der Börsengang von Unitree und die vielen Videos erweckten zwar den Eindruck, China sei Europa und Deutschland weit voraus, meint Simon Schmidt.
Vor allem dort, wo Fachwissen einer bestimmten Branche mit den technischen Fähigkeiten von Robotern verbunden werde, sei Deutschland gut aufgestellt.
Deutschland muss Chancen nutzen
Neben BMW testet Siemens in Erlangen derzeit Humanoide für innerbetriebliche logistische Abläufe. Auch der Zulieferer Schaeffler will entsprechende Roboter in seinem weltweiten Produktionsnetz einsetzen. Gleichzeitig entwickelt Schaeffler Komponenten für solche Industrieroboter.
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