Huthi-Angriffe im Jemen: UN warnt vor neuer Eskalation
Startseite Politik Huthi-Eskalation im Jemen: Waffenruhe zerbrochen – Saudi-Arabien gerät ins Visier Von: Felix Busjaeger Uns auf Google folgen Die Huthi-Miliz greift im Jemen Wohngebiete und Vertriebenenlager an. Auch Saudi-Arabien wurde zum Ziel. Die UN warnt vor der größten Eskalation seit 2022. Sanaa – Die Huthi-Miliz hat inmitten der aktuellen Spannungen im Nahen Osten zuletzt ihre Angriffe auf die jemenitische Provinz Marib ausgeweitet und dabei erneut Raketen und Drohnen eingesetzt. Anwohner berichteten der Deutschen Presse-Agentur von mehreren Explosionen am Stadtrand von Marib. Zudem seien über einem Militärlager der international anerkannten jemenitischen Regierung Rauchwolken aufgestiegen. Der Gesundheitsminister der jemenitischen Regierung, Kasim Bahibah, teilte auf X mit, die Miliz habe Wohngebiete und Lager für Binnenvertriebene angegriffen. Mindestens zwei Zivilpersonen wurden demnach getötet, 14 weitere verletzt. Aus Militärkreisen hieß es zudem, bei Angriffen auf regierungstreue Stellungen seien zwei Militärangehörige getötet und drei weitere verletzt worden. Der Huthi-Militärsprecher Jahja Sari erklärte am Freitagabend, die Miliz habe ein Militärlager der regierungstreuen Truppen mit einer großen Zahl Raketen und Drohnen angegriffen. Sari bekräftigte, die Gruppe werde jede militärische Aufrüstung, die mit dem „saudischen Feind“ in Verbindung stehe, entschieden bekämpfen. Zu den Opferzahlen des Gesundheitsministers äußerte er sich nicht. Der regierungsnahe Fernsehsender Saba TV berichtete, die Luftabwehr habe mehrere mit Sprengstoff beladene Drohnen abgefangen. Huthi eskalieren Jemen-Konflikt: UN verurteilt Angriffe auf Saudi-Arabien Die Huthi hatten bereits zuvor durch ihre Angriffe den Nahen Osten an den Rand einer neuen Eskalation gebracht: Am Donnerstag hatte die Miliz nach eigenen Angaben Militärlager in den Provinzen Marib und Hadramaut angegriffen. Laut taz trafen dabei acht ballistische Raketen und mehrere Drohnen Lager der jemenitischen Notstreitkräfte; das jemenitische Verteidigungsministerium bestätigte 17 getötete Soldaten und Offiziere. Es handelt sich nach Einschätzung von Beobachtern um die größte Huthi-Operation im Jemen seit dem von der UNO vermittelten Waffenstillstand im April 2022. Das Präsidialamt ordnete eine entschlossene militärische Reaktion an, ohne einen konkreten Zeitpunkt zu nennen. Die ölreichen Provinzen Marib und Hadramaut sind seit mehr als zehn Jahren besonders hart umkämpft. Die offiziell anerkannte Regierung im Jemen wird von Saudi-Arabien unterstützt. Seit 2022 herrschte eine inoffizielle Waffenruhe, die nun faktisch zerbrochen ist. Der Konflikt hatte sich bereits vor einigen Wochen mit Luftangriffen auf die Huthi-kontrollierte Hauptstadt Sanaa neu entzündet. In der Nacht zu Freitag attackierten die Islamisten auch Ziele direkt in Saudi-Arabien. Dabei wurden laut dem Koalitionssprecher Turki al-Maliki mindestens elf Zivilisten verletzt, darunter sieben saudi-arabische Staatsbürger. Seitdem haben die Huthi nach eigenen Angaben acht saudische Tanker angegriffen und 29 weitere vom Kurs abgebracht. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte die Raketenangriffe auf Saudi-Arabien und auf Handelsschiffe aus dem Königreich. Die Attacken bedrohten die Sicherheit in der Region und die Freiheit des Schiffsverkehrs, hieß es in einer Stellungnahme. Der UN-Sondergesandte für den Jemen, Hans Grundberg, warnte auf X, das Risiko eines neuen Großkonflikts sei derzeit höher als zu jedem anderen Zeitpunkt seit der UN-Waffenruhe im April 2022. Es bestehe die Gefahr, dass das Land in eine umfassendere regionale Konfrontation hineingezogen werde – „mit verheerenden Folgen für die Bevölkerung“. Gefahr durch aktuellen Huthi-Konflikt: Bab al-Mandab wird zum Nadelöhr Die Huthi verfügen dabei laut Tagesschau über ein Arsenal, das Militärbeobachter nicht unterschätzen wollen. Der ehemalige jemenitische Brigadegeneral Yasser Saleh aus Aden bezeichnet unbemannte, schnelle Sprengboote als „die zerstörerischsten Waffen, die die Huthis besitzen“. Sie könnten bis zu eine Tonne Sprengstoff an Bord haben und seien gefährlicher als ballistische Raketen oder Drohnen. Die Angriffe auf saudische Tanker treffen Saudi-Arabien an einem besonders empfindlichen Punkt: Seit die Straße von Hormus weitgehend blockiert ist, pumpt das Königreich sein Öl per Pipeline zum Roten Meer und verschifft es über den Hafen Yanbu. Die Rohölexporte auf dieser Route haben sich nach Angaben der Cambridge-Forscherin Elisabeth Kendall gegenüber France24 seit dem vergangenen Jahr vervierfacht: Riesige Supertanker transportieren nun sechsmal mehr Öl als zuvor. Da diese Tanker den Suezkanal nicht passieren können, sind sie zwingend auf die Meerenge Bab al-Mandab angewiesen. Huthi im Jemen: Neuer Konflikt vor Eskalation – Folgen für aktuellen Iran-Krieg Der Konflikt mit den Huthi im Jemen weitet sich strategisch aus: Saudi-Arabien rechnet Berichten zufolge „in sehr naher Zukunft“ mit koordinierten Angriffen irakischer Milizen und Huthi-Rebellen unter Anleitung der iranischen Revolutionsgarden. Potenzielle Ziele seien überwiegend zivile und wirtschaftliche Einrichtungen wie Energieanlagen, Häfen und Flughäfen, berichtete CNN unter Berufung auf einen saudi-arabischen Beamten. Am Doha Institut spricht man von einer „Einheit der Schlachtfelder“, die sich „von einer rein geografischen Abstimmung hin zu einer operativen Koordination entwickelt“ habe. Saudi-Arabien hat darauf reagiert und eine neue Militärallianz mit der Türkei und Pakistan geschmiedet: Ein Angriff auf einen der drei Staaten solle als Angriff auf alle drei gelten.