Hyperscaler am Ende? Tech-Analyst rät: "Kauft die Chiphersteller!"
Alphabet-Aktien und Tesla-Aktien erleben am Donnerstag den größten Kurseinbruch seit über einem Jahr. Auch Amazon, Meta und Microsoft bluten. Auslöser sind die gigantischen Investitionen der Tech-Konzerne, die an der Wall Street zunehmend hinterfragt werden. Melius-Analyst Ben Reitzes sieht bei den Hyperscalern wachsenden Margendruck und rät zu den Aktien der Chiphersteller. DER AKTIONÄR hält einen Abgesang auf Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft dennoch für verfrüht. Wer verdient am Ende tatsächlich am KI-Boom? Die gestern veröffentlichten Quartalszahlen von Alphabet haben diese Debatte aufs Neue angeheizt. Die milliardenhohen Aufwendungen für den KI-Ausbau schlagen zunehmend auf die Margen durch. Ben Reitzes von Melius Research fällt deshalb ein eindeutiges Urteil: "Ich halte weiterhin nichts von Hyperscalern. Warum sollte man sie kaufen? Sie erwirtschaften keinen Cashflow. Kauft stattdessen die Chiphersteller", so der Tech-Analyst im Interview mit CNBC. Die Börse liefert einen Vorgeschmack auf diese These: Während bei den Big-Tech-Unternehmen lediglich Alphabet als großer Gewinner der letzten zwölf Monate hervorsticht, haben viele Chip-Aktien abseits von Nvidia den Turbo gezündet. Kostenfalle KI: Die große Rechnung kommt erst noch Dass Alphabet das Investitionsvolumen erhöhen wird, war aus Sicht des Tech-Analysten erwartbar. Er sieht dies als positives Signal für die Halbleiterbranche. Der Knackpunkt ist ein anderer: "Alle reden über die Investitionsausgaben. Worüber wir eigentlich sprechen sollten: Das Unternehmen hat die Margen verfehlt und angedeutet, dass diese auch künftig unter Druck stehen könnten", betont Reitzes. Dies dürfe man nicht einfach ausblenden, die die höheren Investitionen eine Kostenlawine lostreten. Wenn die neu errichteten Rechenzentren ans Netz gehen, werden sich die Kosten erst mit etwas Verzögerung in der Bilanz niederschlagen. Alphabet dürfte kein Einzelfall bleiben. "Genau derselbe Effekt wird auch Meta, Amazon und vermutlich Microsoft treffen", warnt Reitzes. "Das Thema sinkender Margen bei den Hyperscalern fängt gerade erst an." Aktuell ist der Margendruck in den Zahlen von Alphabet nur bedingt zu erkennen. Im Jahresvergleich konnte das Unternehmen seine operative Marge im Q2 von 32,4 Prozent auf 34,0 Prozent steigern. Im Vergleich zum Vorquartal, in dem die operative Marge bei 36,1 Prozent lag, ging sie damit jedoch um zwei Prozentpunkte zurück. Beim Cashflow ist die Belastung schon heute unübersehbar. Obwohl Alphabet einen operativen Gewinn von 40,8 Milliarden Dollar verbuchte, rutschte der freie Cashflow auf minus 5,86 Milliarden Dollar ab. Im Vorjahresquartal hatte der Konzern noch einen positiven freien Cashflow von 5,30 Milliarden Dollar erzielt. Die geplanten Investitionen von bis zu 205 Milliarden Dollar im Gesamtjahr erhöhen den Monetarisierungsdruck erheblich. Alphabet muss die neuen Kapazitäten nun möglichst schnell zu Geld machen.