„Ich denke, dass sich die Entscheidung erledigt hat“: Berlins Wahlsiegerin Elif Eralp erteilt Olympischen Spielen Absage
Mit einer rot-grün-roten Regierung unter Führung der Linken droht die politische Unterstützung für Olympia in Berlin wegzubrechen. Anders als die CDU unter dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner und die SPD mit Sportsenatorin Iris Spranger hatten sich Linke und Grüne klar gegen eine Bewerbung gestellt. Elif Eralp, Spitzenkandidatin der Linken und Wahlsiegerin, hatte einer Ausrichtung von Olympischen Spielen im Wahlkampf eine Absage erteilt, weil Berlin im Moment dringendere Probleme habe.
Am Montag bekräftigte sie das erneut: „Ich denke, dass sich die Entscheidung erledigt hat.“ Die Linke habe die Wahl auch mit ihren Aussagen zu Olympia gewonnen. Insofern würden „diejenigen, die das an Berlin herantragen, sich auch überlegen, ob das Sinn macht, dann so einer Bewerbung den Zuschlag zu geben“, sagte Eralp am Tag nach der Abgeordnetenhauswahl. „Und ich denke, das ist ziemlich eindeutig.“
Den Berliner Olympiabeauftragten Kaweh Niroomand überrascht das nicht. „Ich habe das tendenziell so erwartet. Gerade für die Jüngeren sind die Themen Wohnung und Miete wichtig“, sagte er am Montagvormittag im Telefongespräch. Die Linke um Elif Eralp habe damit „einen Nerv getroffen“.
Dabei gibt es am kommenden Samstag für Berlin wieder eine richtungsweisende Entscheidung: Dann wird in Baden-Baden der deutsche Kandidat für eine Olympiabewerbung gekürt. Berlin steht neben München und der Region Rhein-Ruhr zur Wahl, gilt dabei aber inzwischen nur noch als Außenseiter.
Am Konzept liegt das nicht, auch die internationale Strahlkraft ist kein Problem. Viel mehr sind es die politischen Unsicherheiten, die bei der Berliner Bewerbung mitschwingen. Während sich die Bevölkerung in München und Nordrhein-Westfalen in einer Abstimmung klar für Olympia aussprach, kann die deutsche Hauptstadt nicht mit einem Volksentscheid punkten.
Zwar gibt es einen Beschluss des – alten – Abgeordnetenhauses aus dem Mai, das Konzept Berlin+ zu unterstützen, aber das fällt im Vergleich deutlich ab. Zumal die Olympiagegner seit Monaten gegen die Spiele trommeln und eine Berliner Bewerbung nachträglich mit einer Volksinitiative unmöglich machen wollen.
Niroomand: „Werde alles geben, mit Grünen und Linken zu reden“
Kaweh Niroomand könnte jetzt aufgeben, aber dafür ist der Manager der BR Volleys zu sehr Sportler. „Die Bewerbung zurückzuziehen, ist mir nicht in den Sinn gekommen“, sagte er und verwies darauf, dass die Idee dafür einst in einer rot-rot-grünen Regierung entstanden sei.
„Wenn es den Wunsch gibt, Anpassungen am Konzept vorzunehmen, bin ich gern bereit, darüber zu sprechen“, sagte er. Für ihn gehe es darum, mit Blick auf Baden-Baden, „ein starkes Zeichen aus Berlin zu senden“. Auf die Grünen kann er dabei allerdings genauso wenig zählen wie auf die Linke. Klara Schedlich, sportpolitische Sprecherin der Berliner Fraktion, sagte der Deutschen Presseagentur: „Bei einer so starken Linken und wir als zweitstärkste Kraft in der Regierung denke ich nicht, dass jemand ernsthaft denken kann, das sei eine gute Idee, die Spiele nach Berlin zu vergeben.“
Immerhin, der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) will dem Wahlausgang in Berlin nicht allzu große Bedeutung beimessen. Vorstandschef Otto Fricke sagte dem Tagesspiegel: „Das Ergebnis ändert erst einmal nichts. Und ich war lange genug in der Politik, um zu wissen, dass es zu früh ist, um jetzt schon beurteilen zu können, wie sich die Parteien bis zum 26. September in Berlin zu dem Thema positionieren.“
Viel Zeit ist das allerdings nicht. Was die Frage aufwirft, warum der Olympia-Entscheid so kurz nach der Wahl in einem der Bewerber-Bundesländer stattfinden muss. Hier verweist der DOSB auf seine Statuten, die das nicht erlauben würden. Anders das Internationale Olympische Komitee, das vor ein paar Monaten mitgeteilt hatte, frühestens 2029 über künftige Gastgeber entscheiden zu wollen – und diesen Beschluss damit um ein Jahr nach hinten schob.
Der DOSB hat nun das Problem mit den unklaren politischen Verhältnissen in Berlin. Niroomand muss damit klarkommen, er will mit Linken und Grünen den Kontakt suchen: „Ich werde alles geben, um mit beiden Parteien noch in dieser Woche zu reden“, versprach er.
Letzten Endes sind es in erster Linie die Sportverbände im DOSB, die am Samstag entscheiden müssen, inwieweit das Berliner Wahlergebnis bei der Kandidatenfindung für die Olympiabewerbung eine Rolle spielt. Und in dieser Hinsicht bleibt Niroomand zuversichtlich: „Aus den Gesprächen mit zahlreichen Verbänden gehen wir davon aus, dass wir eine breite Unterstützung haben.“