DAX +0,41 % 25.464,01 Pkt 18:00:00 MDAX +1,34 % 32.395,32 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,12 % 6.289,51 Pkt 18:00:00 Dow Jones +1,24 % 52.857,47 Pkt 19:34:58 S&P 500 +0,37 % 7.440,92 Pkt 19:34:58 Nasdaq +0,06 % 24.946,68 Pkt 19:34:56 Nikkei -3,95 % 62.364,92 Pkt 08:45:03 Gold -0,92 % 4.037,00 USD 19:24:52 Silber -1,61 % 57,53 USD 19:24:57 Brent -5,01 % 83,93 USD 19:24:53 WTI -4,32 % 79,04 USD 19:24:46 Bitcoin -0,24 % 63.573,25 USD 19:34:54 EUR/USD +0,02 % 1,13970 USD 19:34:23 EUR/GBP +0,37 % 0,85670 GBP 19:34:58 EUR/CHF +0,22 % 0,93210 CHF 19:34:58 EUR/JPY +0,08 % 186,589 JPY 19:34:57

„Ich kann nicht mehr“: Warum so viele Deutsche nach dem Urlaub nicht erholt sind

Wissenschaft

Startseite Panorama „Ich kann nicht mehr“: Warum so viele Deutsche nach dem Urlaub nicht erholt sind Von: Andreas Apetz Uns auf Google folgen Lediglich jeder dritte Deutsche kehrt erholt aus dem Urlaub zurück. Ein Professor für Psychologie erläutert die Gründe und was dagegen helfen kann. Frankfurt – Sonne im Gesicht, Füße im Sand, das Meer am Horizont, und dennoch wandern die Gedanken zurück ins Büro. Ganz abschalten fällt vielen Deutschen schwer, obwohl eine echte Auszeit wichtig wäre, um sich aus dem Arbeitsalltag zu lösen. Mindestens 24 Urlaubstage im Jahr sollen dabei helfen, erholt und leistungsfähig in den Berufsalltag zurückzukehren. Doch ein stummes Diensttelefon bedeutet für viele noch lange keine Entspannung. Das zeigt eine Umfrage des Marktforschungsunternehmens Appinio im Auftrag des Jobportals Indeed vom Juli 2025, die der dpa vorliegt. Von 1.000 befragten Deutschen gab nur jeder Dritte (35,7 Prozent) an, aus dem letzten Urlaub wirklich ausgeruht an den Arbeitsplatz zurückgekehrt zu sein. Mehr als 57 Prozent gaben an, gelegentlich oder regelmäßig im Urlaub zu arbeiten. Doch nicht immer war es der direkte Kontakt zur Arbeit: Auch das Interesse, nichts verpassen zu wollen, ein schlechtes Gewissen gegenüber Kolleginnen und Kollegen sowie fehlende Vertretungsregelungen ließen viele zum Handy greifen. Psychologe erklärt, warum der Kopf im Urlaub bei der Arbeit bleibt Wie verbreitet das Problem ist, zeigen Erfahrungsberichte in sozialen Medien. „Eine Woche Urlaub und mir geht‘s beschissener als vorher – ich kann nicht mehr“, schreibt eine Nutzerin auf Reddit. Statt Erholung habe sie nur daran gedacht, „dass ich bald wieder zur Arbeit muss“. Sie erhält viel Zuspruch: „Das fühle ich gerade“, antwortet ein anderer Nutzer, der im Urlaub nachts wachliegt: „Seit 3 Uhr wälze ich mich im Bett“. Ein weiterer Kommentator berichtet, er denke „schon Tage vorher wieder an die Arbeit“. Die Botschaft im Thread ist eindeutig: Wer nicht abschalten kann, für den wird der Urlaub selbst zur Belastung. Die Gründe dafür können vielfältig sein, erklärt Hannes Zacher gegenüber der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Er ist Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie am Wilhelm-Wundt-Institut für Psychologie der Universität Leipzig. Hoher Druck im Job lasse die Gedanken auch in der Freizeit kreisen: „Hohe Anforderungen vor und nach dem Urlaub können dazu führen, dass Menschen auch während des Urlaubs an ihre Arbeit denken“, sagt Zacher. Doch nicht nur Stress hält die Gedanken bei der Arbeit. Auch das Gegenteil kann dazu beitragen. Zacher spricht von sogenannten „Arbeitsressourcen“, also den positiven Seiten des Jobs. Wer etwa freundliche Kolleginnen und Kollegen hat, neigt auch im Urlaub dazu, sich gedanklich mit der Arbeit zu beschäftigen. Als größten Störfaktor der Urlaubserholung sieht Zacher jedoch das Diensthandy in der Hosentasche. Ständige Erreichbarkeit und der leichte Zugang zu arbeitsbezogenen Nachrichten machten es schwer, Gedanken an die Arbeit zu unterdrücken. Generation Z: Junge Beschäftigte erholen sich besonders schlecht Ob mangelnde Urlaubserholung ein typisch deutsches Phänomen ist, lässt sich laut Zacher nicht pauschal beantworten. Vergleichende internationale Studien gibt es nicht, einen kulturellen Hinweis aber schon: „Generell gibt es aber in der westlichen Welt eine ausgeprägte ‚protestantische Arbeitsethik‘, die dazu führt, dass ständige Erreichbarkeit, Präsenz und ein Leben für die Arbeit als etwas Lobenswertes betrachtet werden.“ Besonders schwer fällt die Erholung jungen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Bei einer Umfrage des Marktforschungsinstituts YouGov im Juni 2025 unter 2.024 Berufstätigen gab vor allem die Generation Z (rund 40 Prozent der 18- bis 34-Jährigen) an, nach dem Urlaub schon einmal gestresster gewesen zu sein als zuvor. Über alle Altersgruppen hinweg betraf das jeden Vierten (25 Prozent). Der meistgenannte Grund: das fehlende Abschalten von Beruf und Alltag (36 Prozent). Dass vor allem junge Menschen betroffen sind, liegt laut Zacher weniger an der Generationenzugehörigkeit als am Lebensalter. „Jüngere Menschen arbeiten häufiger unter unsichereren Arbeitsbedingungen, beispielsweise befristeten Verträgen, als ältere Menschen und stehen deshalb unter größerem Druck“, sagt der Professor. Ältere Beschäftigte profitierten von ihrer Lebens- und Arbeitserfahrung und hätten gelernt, sich optimal zu erholen – Erfahrungen, die jüngere Menschen erst noch sammeln müssen. Im Urlaub abschalten: Diese Tipps helfen bei der Erholung Dabei lässt sich einiges tun, um die Erholung im Urlaub zu verbessern. Zacher rät, bereits vor dem Urlaub mit der Planung zu beginnen: Aufgaben abschließen oder delegieren, eine Vertretung benennen und Zeiten der Erreichbarkeit klar kommunizieren. Während des Urlaubs sollten Beschäftigte keine arbeitsbezogenen Nachrichten lesen und keine beruflichen Telefonate annehmen. „Wenn es gar nicht anders geht, dafür eng umgrenzte Zeiten einräumen“, sagt Zacher. Kreisen die Gedanken dennoch um die Arbeit, helfe es, dies bewusst wahrzunehmen und sich auf andere Dinge zu konzentrieren. Auch der Wiedereinstieg nach dem Urlaub spielt eine wichtige Rolle. Wer nicht sofort mit hohen Anforderungen konfrontiert werde, bei dem halte der Erholungseffekt länger an. Zacher empfiehlt etwa, den ersten Arbeitstag auf einen Mittwoch zu legen – so ist es bis zum Wochenende nicht mehr weit. Wer die Erholung noch etwas verlängern möchte, könne Fotos und andere Erinnerungen aus dem Urlaub mit an den Arbeitsplatz nehmen und diese mit Kolleginnen und Kollegen teilen. (Quelle: eigene Recherche, YouGov, dpa)

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren