„Ihr stinkt, wenn ihr dieses Produkt nicht benutzt“: Instagram-Trend kann der Haut schaden
Zu viel des Guten: Ein Instagram-Tipp empfiehlt, unter der Dusche zwei Duschgele nacheinander zu benutzen. Wird man dadurch besonders sauber oder stresst das nur die Haut?
Beim Duschen soll es meistens schnell gehen: Nass machen, einseifen, abspülen, fertig. Auf Social Media wird aus Alltagsschritten aber schnell eine Routine mit mehreren Produkten. Gerade im Beauty-Bereich klingt das oft überzeugend, bis Fachleute genauer hinschauen.
Doppeltes Einseifen beim Duschen: Was hinter dem Instagram-Trend steckt
Auf Instagram kursiert aktuell ein Tipp, der merkwürdig klingt: Reicht ein Duschgel überhaupt aus, um wirklich sauber zu werden? Die Creatorin „aboutleonii“, deren Account 250.000 Follower*innen hat, empfiehlt in einem Video eine doppelte Reinigung unter der Dusche.
Ihr Einstieg ist ziemlich direkt: „Es tut mir leid, das zu sagen, aber ihr stinkt, wenn ihr dieses Produkt nicht benutzt“. Gemeint ist zuerst ein pH-hautneutrales, seifenfreies Duschgel. Damit solle man laut der Creatorin Bakterien entfernen, die für Schweißgeruch sorgen. Erst danach komme ein duftendes Duschgel zum Einsatz.
Hautpflegetipps für Herbst und Winter findest du in diesem Video:
Die Skincare-Bloggerin und Drogistin „inci.pedia“ widerspricht dieser Empfehlung deutlich. Unter dem Video schreibt sie: „Das ist faktisch falsch.“ Ihre Begründung: Duschgele reinigen grundsätzlich, weil sie waschaktive Substanzen enthalten.
In einem eigenen Beitrag formuliert sie es noch klarer: „Jedes Duschgel reinigt. Punkt. Das liegt daran, dass jedes Duschgel Tenside in entsprechender Konzentration enthält. Tenside entfernen Keime, Schweiß und Talg.“
Warum zu viel Reinigung die Hautbarriere belasten kann
Das Problem liegt also nicht darin, dass ein mildes Duschgel keine Wirkung hätte. Eher geht es darum, dass die Haut durch zusätzliche Reinigung unnötig beansprucht werden kann. „inci.pedia“ kritisiert die Empfehlung: „Den Leuten zu erzählen, dass sie mehrere Produkte zur Reinigung brauchen, ist wirklich Kapitalismus im Endstadium, entbehrt nicht nur jeder wissenschaftlichen Grundlage sondern kann für manche auch richtig nach Hinten losgehen, z. B. weil durch die doppelte Reinigung die Hautbarriere strapaziert wird.“
Diese Hautbarriere ist wichtig, weil sie die Haut vor Reizungen schützt und Feuchtigkeit besser in der Haut hält. Wird sie zu stark belastet, kann die Haut trockener werden, spannen oder empfindlicher reagieren. Besonders wer ohnehin zu trockener Haut neigt, sollte deshalb vorsichtig sein.
Prof. Dr. Cord Sunderkötter, Direktor der Poliklinik für Dermatologie und Venerologie am Universitätsklinikum Halle (Saale) empfiehlt gegenüber der „Apotheken Umschau“, bei normaler Tätigkeit zwei- bis dreimal pro Woche zu duschen. Sein Hinweis: „Bei einer Haut, die zu Trockenheit neigt, kann zu häufiges Duschen indes beispielsweise zu Ekzemen führen.“
Eine andere Einschätzung kommt von Dr. Kathrin Büke, Apothekerin in Berlin und spezialisiert auf pharmazeutische Hautberatung. Sie rät zur täglichen Dusche, allerdings nur kurz. Heißes Wasser und lange Bäder können die Haut ebenfalls strapazieren.
Wer Duftstoffe gut verträgt, kann statt einer doppelten Dusche auch einfach nach dem Duschen eine duftende, feuchtigkeitsspendende Bodylotion verwenden. Die riecht nicht nur gut, sondern pflegt die Haut auch.