Im Test vor 15 Jahren: Als 768 MB VRAM bei ATi/AMD und Nvidia noch üppig waren
Im Oktober 2011 ließen wir 14 ATi/AMD Radeon und Nvidia GeForce aus sechs Baujahren gegeneinander antreten. Die Grafikkarten-Benchmarks reichten von F.E.A.R. bis The Witcher 2. Zwischen alten und neuen Topmodellen lagen Welten, doch ausgerechnet eine Grafikkarte von 2006 hielt erstaunlich lange mit.
Sechs Jahre Grafikkartenentwicklung im Vergleich
Für den Vergleich der Grafikkartengenerationen stellten wir im Oktober 2011 acht Modelle von ATi (ab 2006 ein Teil von AMD, die Marke blieb bis 2010) und sechs von Nvidia zusammen. Die Radeon X1800 XT (2005) war die älteste Teilnehmerin, die Radeon HD 6970 (2010) und die GeForce GTX 580 (2010) die jüngsten.
Geprüft wurde mit einem auf 4,5 GHz übertakteten Intel Core i7-2600K und insgesamt 14 Spielen, deren Erscheinungstermine sich über die Jahre 2005 bis 2011 verteilten. Darunter befanden sich Klassiker wie F.E.A.R., Oblivion und Half-Life 2: Episode 2, aber auch damals aktuelle Titel wie Dirt 3 und The Witcher 2. Damit alle Grafikkarten teilnehmen konnten, beschränkten wir die Grafik-API auf DirectX 9.
Anfangs sollten auch die GeForce 6800 Ultra (2004) und 7800 GTX (2005) teilnehmen. Beide Modelle bereiteten unter Windows 7 jedoch so große Schwierigkeiten, dass nicht einmal die Darstellung des Desktops fehlerfrei funktionierte. Sie mussten daher aus dem Vergleich entfernt werden.
Die GeForce GTX 580 war achtmal schneller
Im Performancerating ohne Kantenglättung erzielte die GeForce GTX 580 einen Wert von 99,2 Prozent, während die GeForce 7900 GTX (2006) bloß auf 12,2 Prozent kam. Das damalige Nvidia-Spitzenmodell war damit mehr als achtmal so schnell als sein etwa viereinhalb Jahre älterer Vorgänger.
Noch deutlicher wurden die Differenzen mit vierfacher Kantenglättung und 16-facher anisotroper Filterung. Während die GeForce GTX 580 kaum an relativer Leistung verlor und auf 99,3 Prozent kam, brach die GeForce 7900 GTX auf nur noch 6,0 Prozent ein. Der Vorsprung wuchs damit auf mehr als das 16-Fache.
Auch innerhalb kürzerer Zeiträume waren große Verbesserungen erkennbar. So überflügelte die GeForce GTX 280 (2008) ihre Vorgängerin GeForce 8800 GTX (2006) ohne Kantenglättung um 61 Prozent. Die Radeon HD 6970 (2010) setzte sich gegenüber der Radeon HD 4890 (2009) um 56 Prozent ab. Jedoch benötigten die Hersteller für neue GPU-Generationen inzwischen auch mehr Zeit als noch einige Jahre zuvor.
Die GeForce 8800 GTX blieb eine Ausnahmeerscheinung
Die Ende 2006 erschienene GeForce 8800 GTX erreichte im Performancerating ohne Kantenglättung etwa die dreifache Leistung der GeForce 7900 GTX, obwohl beide Karten noch aus demselben Jahr stammten. Mit Kantenglättung wuchs der Abstand sogar auf das Sechsfache.
Selbst fünf Jahre nach ihrer Markteinführung musste sich die GeForce 8800 GTX keinesfalls verstecken. Mit Kantenglättung blieb sie im Gesamtrating sogar knapp vor der zwei Jahre jüngeren Radeon HD 4850 (2008), ohne die weiteren Bildverbesserungen lag sie nur minimal dahinter. Die GeForce GTX 580 war zwar klar schneller, erreichte aber nicht einmal die dreifache Leistung.
Weniger überzeugend präsentierte sich die Radeon HD 2900 XT (2007). AMDs damalige Neuentwicklung konnte sich mit Kantenglättung lediglich um 17 Prozent von der Radeon X1950 XTX (2006) absetzen. Auch die kurz darauf erschienene Radeon HD 3870 (2007) brachte nur kleine Verbesserungen. Erst mit späteren Generationen konnte AMD wieder größere Zugewinne erreichen.
The Witcher 2 überforderte die alten Grafikkarten
Wie schnell die Anforderungen an die Hardware stiegen, zeigte vor allem The Witcher 2. Die GeForce 8800 GTX erreichte in 1.680 × 1.050 Pixeln ohne Kantenglättung gerade einmal 16,4 FPS. Die Radeon HD 4890 kam auf 29,5 FPS, während die GeForce GTX 580 mit 59,1 FPS eine deutlich bessere Leistung ablieferte.
Noch schlechter erging es der Radeon X1800 XT, die lediglich 3,6 FPS erreichte und zudem starke Bildfehler verursachte. Auf der GeForce 7900 GTX ließ sich das Spiel überhaupt nicht starten.
In Dirt 3 sah das Bild für die alten Grafikkarten schon wieder besser aus. Hier erreichte die damals fünf Jahre alte GeForce 8800 GTX noch 57,3 FPS und konnte damit sehr wohl mithalten. Auch mit aktivierter Kantenglättung blieben zumindest 47,2 FPS übrig. Die deutlich jüngere Radeon HD 4850 musste sich mit ihren 44,5 FPS erneut knapp geschlagen geben.
15 Jahre später: Grafikkarten altern heute anders
Dass die GeForce 8800 GTX noch Jahre nach ihrem Marktstart konkurrenzfähig blieb, hatte auch mit dem tiefgreifenden Architekturwechsel im Jahr 2006 zu tun. Während die GeForce 7900 GTX noch getrennte Pixel- und Vertex-Shader nutzte, führte Nvidia mit dem G80-Chip die Unified-Shader-Architektur ein. Hinzu kamen erstmals DirectX 10 und für damalige Maßstäbe großzügige 768 MB Videospeicher an einem 384 Bit breiten Speicherinterface. Die 8800 GTX war damit mehr als eine einfache Weiterentwicklung ihres Vorgängers.
Ein Blick auf die Testbedingungen von 2011 verdeutlicht gleichzeitig, wie sehr sich die Anforderungen inzwischen verändert haben. Die damals verwendeten 1.680 × 1.050 Pixel entsprechen gerade einmal gut einem Fünftel der heute im High-End-Segment gängigen 4K-Auflösung. Selbst das damalige Spitzenmodell GeForce GTX 580 musste mit 1,5 GB Videospeicher auskommen. Eine GeForce RTX 5090 (2025) bringt es dagegen auf 32 GB GDDR7.
Auch die technischen Bedingungen für einen solchen Generationenvergleich haben sich verändert. 2011 konnten wir die gesamte Testreihe noch auf DirectX 9 beschränken und damit selbst die ältesten Grafikkarten durch denselben Benchmarkparcours schicken. Bei heutigen Spielen können dagegen die Unterstützung bestimmter Grafikfunktionen und der verfügbare Videospeicher darüber bestimmen, ob eine ältere Grafikkarte überhaupt noch teilnehmen kann.
Hinzu kommt, dass sich die gemessenen Bildraten heute nicht mehreinfach so vergleichen lassen. Upscaling-Technologien wie DLSS und FSR rekonstruieren Bilder aus niedrigeren Renderauflösungen, während Frame Generation zusätzliche Zwischenbilder generiert. Für einen vergleichbaren Test über mehrere Generationen hinweg müsste deshalb zwischen nativer Renderleistung, Upscaling und Frame Generation unterschieden werden. 2011 reichten dafür noch zwei Testläufe – mit und ohne Kantenglättung.