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Im Test vor 15 Jahren: Das HP TouchPad und der Tod von webOS

Technologie

Nachdem HP im Sommer 2010 den Hersteller Palm samt seiner Produktsparte und des Betriebssystems webOS übernahm, folgte im Jahr 2011 die Einstellung der Mobilgeräte TouchPad (Test), Pre3 und Veer samt des Betriebssystems. Während die Hardware zu wünschen übrig ließ, ging mit webOS ein vielversprechendes Betriebssystem verloren.

Kein Erfolgsrezept

Das HP TouchPad war mit einem Gewicht von 740 Gramm und Abmessungen von 240 × 190 × 13,7 mm selbst für das Jahr 2011 ein stattliches Tablet. Zum Vergleich: Das Apple iPad 2 war gute 140 Gramm leichter und mit 8,8 statt 13,7 mm deutlich dünner. Damit war das TouchPad nicht nur objektiv pummelig, sondern fühlte sich auch dick und etwas unförmig an. Die abgerundeten Kanten und Ecken trugen zu diesem Eindruck bei.

Das 9,7-Zoll-Display, das von einem rund zwei Zentimeter dicken Rand umgeben wurde, wies eine Auflösung von 1.024 × 768 Pixeln auf. Damit lag es hier theoretisch mit dem iPad 2 gleichauf. Bereits bei der Verarbeitung zeigten sich jedoch deutliche Unterschiede: Die Scheibe schloss nicht bündig mit dem Gehäuse, sodass durch den entstehenden Spalt Staub und andere Fremdkörper eindringen konnten. Und während der Kontrast und die Blickwinkel keinen Anlass zur Kritik ließen, erweckte das HP TouchPad bei der Bildschirmhelligkeit keine Freudensgefühle. Die Leuchtkraft fiel beim TouchPad um nahezu ein Drittel geringer aus als beim iPad 2 und obendrauf war das Tablet ein echter Fingerabdruckmagnet.

Bei der verbauten Hardware konnte das TouchPad eigentlich mit einer schnellen CPU in Form des Qualcomm APQ8060 mit zwei Kernen bei 1,2 GHz glänzen. Dazu spendierte HP dem Tablet ein GByte Arbeitsspeicher sowie zwischen 16 und 64 GByte Flash-Speicher. In der Praxis kam davon aber wenig an. Das TouchPad genehmigte sich bei der Nutzung gerne längere Denkpausen und auch generell war der Nutzungseindruck von ruckelnden Apps geprägt. Aufgrund der theoretisch starken Hardware lag als Schuldiger das unoptimierte Betriebssystem webOS nahe. Auch bei der Akkulaufzeit musste das TouchPad zurückstecken: Im 720p-Video-Test erreichte das TouchPad nur 3:30 Stunden, während das iPad 2 beispielsweise auf 7:30 Stunden kam.

Interessante Ansätze in webOS

Abseits der Leistungsprobleme konnte webOS mit einigen interessanten Ansätzen punkten. Im Mittelpunkt stand ein Kartensystem, bei der jede App als Karte auf dem Startbildschirm visualisiert wurde und so zwischen den Apps leicht gewechselt werden konnte. Ein System, das heute ähnlich aus iOS und Android bekannt ist, aber damals neuartig war. Damit galt, dass webOS im Grunde auf eine unkonventionelle, aber gut-strukturierte Oberfläche setze. Ungewöhnlich war, dass das TouchPad über keine rückwärtige Kamera verfügte und die Frontkamera ausschließlich über Skype benutzt werden konnte.

Pluspunkte konnte das TouchPad für den für damalige Standards guten Klang sammeln. Zudem stach der in webOS integrierte Browser positiv heraus: Gesten wie Pinch-to-Zoom wurden flüssig wiedergegeben und anders als bei iOS wurde das im Jahr 2011 immer noch relevante Flash unterstützt. Ebenfalls fand die großzügig ausgelegte Bildschirm-Tastatur mit guter Autokorrektur Anklang. Daneben fand sich eine gut umgesetzte E-Mail-App sowie Bing Maps und soziale Medien wie Facebook und Twitter auf dem TouchPad. Während webOS zwar generell tausende Apps im eigenen App Store anbot, waren es für Tablets wie das TouchPad nur mehrere Hundert, sodass die Auswahl oft begrenzt war.

Fazit

Das HP TouchPad war am Ende des Tages kein Konkurrent für ein Apple iPad oder andere Tablets, die oft deutlich ausgereifter waren. Das fing bei den klobigen Abmessungen an, ging über die unvollständige Ausstattung und endete bei dem unoptimierten Betriebssystem mit kleinem App Store. Schade war es dennoch, als HP im Jahr 2011 nicht nur das TouchPad, sondern auch mit webOS das dazugehörige Betriebssystem einstellte. Trotz der mangelhaften Optimierung brachte webOS viele eigene Ideen und frische Luft in den Mobilmarkt.

In der Kategorie „Im Test vor 15 Jahren“ wirft die Redaktion seit Juli 2017 jeden Samstag einen Blick in das Test-Archiv. Die letzten 20 Artikel, die in dieser Reihe erschienen sind, führen wir nachfolgend auf:

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