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Im Umgang mit einer aggressiven Person rät die Psychologin Deborah Vinall, mit diesem einfachen Satz zu reagieren

Wissenschaft

„Ich sehe das anders.“ Oft reicht nur ein Satz, um einen Streit zu entschärfen In Konfliktsituationen bleiben viele sprachlos oder reagieren impulsiv. Eine Psychologin empfiehlt einen einfachen Satz, um die Situation zu entschärfen. In stressgeladenen Situationen — ob am Arbeitsplatz, bei Familienfeiern oder in Online-Diskussionen — geraten viele Menschen schnell ins Wanken. Manche verstummen, andere reagieren impulsiv und lassen ihren Emotionen freien Lauf. Laut der Psychologin Deborah Vinall wirkt es oft so, als gäbe es nur diese beiden Extreme. Doch gegenüber der französischen Online-Zeitung „Psychologies“ erklärt sie, dass es noch einen dritten Weg gebe: ruhig, klar und deeskalierend. Der entscheidende Satz in Konfliktsituationen Um angespannte Situationen zu entschärfen, empfiehlt Vinall eine erstaunlich einfache Formulierung: „Ich sehe das anders.“ Der Satz sei weder angriffslustig noch ausweichend. Stattdessen signalisiere er Klarheit, Selbstbewusstsein und innere Ruhe. Gerade seine zurückhaltende Art mache ihn so wirkungsvoll. Wer so antwortet, lasse sich nicht in die Eskalation hineinziehen, setze aber dennoch einen klaren Gegenpunkt. Diese einfache, besonnene Ablehnung beruhige viele streitlustige Gesprächspartner. „Dieser Satz lässt sie im Unklaren darüber, wie sie Sie einordnen und darauf reagieren sollen“, erklärt Vinall. Warum manche Menschen Konflikte gezielt suchen Vinall zufolge gibt es Menschen, die Auseinandersetzungen regelrecht suchen und dabei bewusst aggressiv oder streitlustig auftreten. Häufig gehe es ihnen nicht nur um das eigentliche Thema, sondern auch um ein Gefühl moralischer oder intellektueller Überlegenheit. Solches Verhalten könne verschiedene Ursachen haben: ANZEIGE ANZEIGE persönliche Erfahrungen familiär erlernte Muster gesellschaftliche Privilegien eine gering ausgeprägte emotionale Intelligenz Das erkläre zwar nicht jedes verletzende Verhalten, helfe aber dabei, konflikthafte Dynamiken besser zu verstehen. Zusätzliche Tipps zur Deeskalation Neben dieser Kernstrategie empfiehlt die Psychologin weitere Maßnahmen. Ruhig bleiben: Konfliktreiche Menschen zehren oft von emotionaler Energie — geben Sie ihnen diese nicht. Emotion anerkennen, nicht die Aussage: Bleiben Sie neutral und wohlwollend statt bissig oder wertend. Zum Beispiel: „Sie wirken gerade sehr gestresst“ oder „Es sieht so aus, als würde Ihnen das Angst machen.“ Lösungsorientiert fragen: Lenken Sie das Gespräch auf einen gemeinsamen Ausweg, etwa mit: „Wie können wir das so gestalten, dass es für uns beide passt?“ Klare Grenzen setzen: Beleidigende oder respektlose Sprache müssen Sie nicht akzeptieren. Zum Beispiel: „Ich höre Ihnen zu, aber ich lasse nicht zu, dass so mit mir gesprochen wird.“ Aussagen spiegeln und nachfragen: Greifen Sie die Worte Ihres Gegenübers ruhig auf und fragen Sie nach, etwa: „Ich verstehe das nicht ganz — erklären Sie es mir“ oder „Was bringt Sie dazu, das zu sagen?“ Die 90-Sekunden-Regel Auch die Mediatorin Stephanie Huber verweist in einem Beitrag für FOCUS online auf eine bewährte Methode, mit der sich Streit in vielen Fällen entschärfen lässt: die 90-Sekunden-Regel. Grundlage dafür ist ein Gedanke der Hirnforscherin Jill B. Taylor, wonach die ersten 90 Sekunden eines Konflikts oft entscheidend dafür sind, wie sich die Situation weiterentwickelt. Die 90-Sekunden-Regel geht davon aus, dass eine emotionale Reaktion im Körper oft nur etwa eineinhalb Minuten anhält. Was danach bleibt, wird häufig durch Grübeln oder inneres Wiederholen verstärkt. Der wichtigste Schritt ist deshalb, die Emotion zunächst nur wahrzunehmen und nicht sofort zu reagieren. Statt sich weiter in Gedanken hineinzusteigern, warten Sie kurz ab und konzentrieren sich auf etwas Beruhigendes, zum Beispiel auf Ihren Atem. Hilfreich kann auch sein, sich hinzusetzen, ans offene Fenster zu gehen oder innerlich von 90 rückwärts zu zählen. Gerade in angespannten Gesprächen schafft dieser kurze Abstand oft Klarheit. Anstatt impulsiv zu reagieren, ist es meist sinnvoller, erst dann ruhig weiterzusprechen, wenn die erste emotionale Welle abgeklungen ist. Wenn möglich, hilft es auch, kurz aus der Situation herauszugehen oder mit einem Satz wie „Ich sammle mich einen Moment“ Zeit zu gewinnen.

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