DAX +0,74 % 26.319,45 Pkt 18:00:00 MDAX -0,06 % 32.407,20 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,33 % 6.523,86 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,57 % 54.036,93 Pkt 22:50:36 S&P 500 +0,44 % 7.757,64 Pkt 22:50:24 Nasdaq +1,24 % 26.690,62 Pkt 23:15:59 Nikkei -0,12 % 65.606,71 Pkt 08:45:02 Gold +1,36 % 4.399,70 USD 22:59:55 Silber +0,26 % 63,50 USD 22:59:56 Brent 0,00 % 83,55 USD 22:59:58 WTI 0,00 % 78,18 USD 22:59:59 Bitcoin -0,08 % 64.851,00 USD 12:10:51 EUR/USD +0,04 % 1,15620 USD 23:29:57 EUR/GBP -0,15 % 0,85670 GBP 23:29:57 EUR/CHF +0,13 % 0,93350 CHF 23:29:57 EUR/JPY +0,13 % 182,378 JPY 23:29:57

Immer weniger Menschen erleiden einen Herzinfarkt

Allgemein

Der medizinische Fortschritt gehört zu den stärksten Kräften, die Bevölkerungen und ihre Gesundheit verändern. Ein akuter Herzinfarkt war um das Jahr 1900 eine nahezu sichere Todesursache, heute überstehen die meisten Patienten das Ereignis dank Herzkathetern, Stents, moderner Medikamente und schneller Notfallversorgung. Wie stark sich Vorbeugung und Behandlung über die Jahrzehnte tatsächlich ausgewirkt haben, ließ sich bislang jedoch nur schwer beziffern, weil dafür lückenlose Gesundheitsdaten über sehr lange Zeiträume nötig sind. Genau solche Daten bietet Schweden, wo Diagnosen, Krankenhausaufenthalte und Todesfälle seit Jahrzehnten in nationalen Registern erfasst werden. Die im Fachjournal The Lancet Regional Health Europe veröffentlichte Studie nutzt diese Register, um vier schwere Erkrankungen über aufeinanderfolgende Geburtsjahrgänge hinweg zu verfolgen und Neuerkrankungsraten, Überleben und Krankheitshäufigkeit sauber voneinander zu trennen. Der Blick auf Geburtsjahrgänge hat gegenüber einfachen Jahresstatistiken einen entscheidenden Vorteil. Er zeigt, ob ein 70-Jähriger von heute tatsächlich gesünder alt wird als ein 70-Jähriger vor zwanzig Jahren, und trennt echte Fortschritte von reinen Alterungseffekten der Gesellschaft. Untersucht wurden mit Herzinfarkt, Schlaganfall, Hüftfraktur und Krebs vier Leiden, die zusammen einen großen Teil der schweren Erkrankungen im höheren Lebensalter ausmachen. Die Veränderungsmuster erwiesen sich dabei als überraschend krankheitsspezifisch, denn nicht überall wirkt der Fortschritt auf dieselbe Weise. Bei einigen Leiden verhindert die Medizin zunehmend das Ereignis selbst, bei anderen verbessert sie vor allem die Aussichten nach der Diagnose, mit deutlich unterschiedlichen Folgen für Patienten und Gesundheitssystem. Warum der Herzinfarkt seltener wird Bei Herzinfarkten, Schlaganfällen und Hüftfrakturen sanken die Neuerkrankungsraten über die Geburtsjahrgänge hinweg so deutlich, dass diese Rückgänge die ebenfalls erzielten Überlebensfortschritte sogar übertrafen. Die Prävention wirkt hier also stärker als die Akutmedizin, obwohl auch diese große Sprünge gemacht hat. Dahinter stehen unter anderem eine bessere Kontrolle von Bluthochdruck und Cholesterin, der rückläufige Tabakkonsum und eine flächendeckendere Versorgung mit vorbeugenden Medikamenten. Wer heute geboren wird, hat demnach in jedem Lebensalter ein geringeres Risiko für einen Herzinfarkt als frühere Jahrgänge im selben Alter, wie die Forscher in der Studie anhand der schwedischen Register belegen. Weil Schwedens Gesundheitssystem und Lebensstil mit anderen westlichen Industrieländern vergleichbar sind, dürften die Trends in ähnlicher Form auch für Deutschland gelten. Mehr Krebserkrankungen und trotzdem bessere Aussichten Beim Krebs verläuft die Entwicklung genau umgekehrt, denn hier steigen die Neuerkrankungsraten über die Jahrgänge an, während sich die Überlebenschancen zugleich erheblich verbessern. Immer mehr Menschen erhalten also eine Krebsdiagnose, doch immer weniger sterben daran, sodass die Zahl der Menschen wächst, die mit oder nach einer Krebserkrankung leben. Zu diesem Anstieg tragen neben der höheren Lebenserwartung auch bessere Früherkennung und veränderte Risikofaktoren bei. Wie sehr sich das Bild einzelner Tumorarten dabei wandelt, zeigt etwa der Befund, dass Brustkrebs junge Frauen meist ohne familiäre Vorbelastung trifft. Für das Gesundheitswesen bedeutet die Verschiebung, dass die Versorgung chronisch Kranker und Genesener künftig mehr Gewicht bekommt als die reine Akutmedizin. Zugleich rückt die Krebsforschung weiter in den Mittelpunkt, von der Vorbeugung bis zu Mechanismen der Metastasierung, bei denen zuletzt sogar Fruchtzucker als Signal für Krebszellen identifiziert wurde.

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