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Importe aus der Ukraine: Schaden sie wirklich Bayerns Bauern?

Welt

In der Gegend von Pfaffenhofen an der Ilm kursiert unter Landwirten ein Gerücht: In der örtlichen Schellermühle, einer der größten Mehlproduzenten Bayerns, sollen täglich Lkw-Ladungen voll Getreide aus der Ukraine ankommen. Doch Firmenchef Josef Scheller kann das nicht bestätigen. "Wir haben noch nie ein Kilo aus der Ukraine bekommen", sagt er. Etwa die Hälfte des Getreides, das in der Schellermühle verarbeitet wird, kommt aus Bayern und wandert in die Marke Mehlzauber. Dafür hat die Firma Kontrakte mit Landwirten aus der Region abgeschlossen. Die andere Hälfte ist Hartweizen, auch Durum genannt, eine spezielle Sorte aus wärmeren Gegenden, die in Bayern noch nicht in so großen Mengen verfügbar ist. Daher kommt er meist aus der Slowakei und Österreich. Geringe Getreidemengen aus der Ukraine nach Bayern Insgesamt sind die Getreidemengen, die von der Ukraine nach Deutschland gelangen sehr gering. 2025 wurden nach Auskunft des Bundeslandwirtschaftsministeriums knapp 20.000 Tonnen Weizen importiert. Bei einer Gesamtmenge von knapp vier Millionen Tonnen aus anderen Ländern sind das gerade mal 0,5 Prozent. In andere EU-Länder wie Spanien und Italien gelangen weitaus größere Mengen. Insgesamt etwa zwei Millionen Tonnen Weizen wurden letztes Jahr in die EU importiert. Nach Ansicht von Bauernverbandspräsident Günther Felßner setzt die Ukraine damit die Preise in Europa stark unter Druck. Andererseits lieferte die Ukraine auch vor dem Krieg bereits ähnliche Mengen in die EU, erklärt Alex Lissitsa, Präsident der größten Agrarvereinigung in der Ukraine. Derzeit gehen die meisten Exporte aus der Ukraine nach China, Asien, Nordafrika und in den Nahen Osten. Spekulationen auch bei Eiern Auch bei Eiern tauchen in sozialen Medien immer wieder Spekulationen auf. Darin stehen vor allem vorverarbeitete Produkte wie Flüssig-Ei für Nudeln in der Kritik, weil sie aus Käfighaltung stammen könnten. Tatsächlich ist in der Ukraine Käfighaltung noch erlaubt, während sie in der EU verboten ist. Doch wie hoch sind die Mengen, die nach Deutschland kommen tatsächlich? Nach Zahlen der Informationsgemeinschaft Deutsches Geflügel sind auch sie gering: 2025 wurden 90 Tonnen Eiprodukte aus der Ukraine importiert bei einer Gesamtmenge von fast 100.000 Tonnen aus anderen Ländern. Desaströse Erzeugerpreise Ein Grund, warum Importe aus der Ukraine so kritisch gesehen werden, könnte der aktuelle Erzeugerpreis bei Getreide sein. Viele Landwirte sind frustriert. Der Anbau sei ein Draufzahlgeschäft geworden, sagt Landwirt Simon Sedlmair. Für die kommende Weizenernte erwartet er einen Preis von 160 Euro je Tonne. Angesichts der extrem gestiegenen Produktionskosten für Dünger und Diesel bräuchte er aber dringend 270 Euro je Tonne. Vor ein paar Jahren bekam er noch 300 Euro je Tonne. Getreidepreise sind Weltmarktpreise Aufgrund der Hitzewelle erwartet Sedlmair heuer keine sonderlich gute Ernte. Weder bei der Menge noch bei der Qualität. Früher, so sagt er, bedeutete eine schlechte Ernte bessere Preise, weil die Menge weniger ist. Aber heute entsteht der Preis am Weltmarkt. Und da herrscht gerade ein Überangebot, weil weltweit die Ernten in den letzten Jahren sehr gut waren. Darauf verweist auch Jörg Simon Immerz von der BayWa AG in München. In seiner Abteilung wird das Getreide, das in bayerischen Lagerhäusern angeliefert wird, an den Börsen in Paris und Chicago verkauft. Die Ukraine ist Teil des Weltmarktes sagt Immerz, sie zählt neben der EU, den USA, Argentinien oder Australien zu den großen Playern am globalen Getreidemarkt. Der größte Exporteur ist allerdings Russland, das etwa 20 bis 25 Prozent des Weizenmarktes abdeckt. Es liegt nicht an Einzelimporten, weshalb die Erzeugerpreise so schlecht sind, sondern am momentanen globalen Überangebot.

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