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In Marokko: Meistgesuchter Verbrecher Europas gefasst

Welt

Meistgesuchter Verbrecher Europas

21-Jähriger gefasst – Er soll Kinder angeworben haben

Von t-online

Aktualisiert am 18.09.2026 - 08:36 UhrLesedauer: 2 Min.

Ein 21-jähriger Schwede, der zu Europas meistgesuchten Kriminellen gehört, ist in Marokko festgenommen worden. Er soll eine Schlüsselfigur im Gewalt-Netzwerk "Foxtrot" sein.

Die marokkanische Polizei hat am Mittwoch in der Hafenstadt Tanger einen 21-jährigen Schweden festgenommen, den Ermittler als Spitzenmann des berüchtigten "Foxtrot"-Netzwerks ansehen. Tanger liegt an der Nordküste Marokkos, direkt an der Straße von Gibraltar und ist ein wichtiger Knotenpunkt zwischen Afrika und Europa.

Von dort aus soll Ali N. den Ermittlern zufolge schwere Gewalttaten in Schweden koordiniert haben. Er selbst ist schwedischer Staatsbürger und gilt als einer der meistgesuchten Kriminellen Europas. Er wird international von Interpol gesucht und steht auch als Zielperson auf der "Europe's Most Wanted"-Fahndungsliste von Europol.

Gegen ihn war in Schweden mehrfach Haftbefehl erlassen worden. Ihm werden 18 Straftaten zur Last gelegt, darunter versuchter Mord und Sprengstoffangriffe. So soll er unter anderem im vergangenen November eine Zwölfjährige und einen 17-Jährigen dazu veranlasst haben, scharfe Handgranaten in der Stadt Borås zu platzieren. Die schwedische Polizei stuft ihn als strategisch zentrale Figur in der aktuellen Ganggewalt des Landes ein. Der Verteidiger von Ali N. bestreitet die Vorwürfe.

Was steckt hinter "Foxtrot"?

"Foxtrot" ist die Bezeichnung für ein kriminelles Netzwerk. Britischen Medienberichten zufolge soll es seit 2022 mit etwa 35 Morden in Europa in Verbindung stehen. Es handelt sich um eine lose, aber hochprofessionell organisierte Struktur aus Drogendealern, Waffenhändlern und Auftragstätern, die sich mit extremen Mitteln Märkte und Reviere sichern.

Schwedische Medien berichten seit Jahren über "Foxtrot" als eine der zentralen Triebkräfte hinter der eskalierenden Bandenkriminalität im Land. Das Netzwerk ist hauptsächlich in Stockholm, Göteborg und Malmö aktiv, Ermittler sehen aber Verbindungen nach Norwegen, Dänemark und Großbritannien. Ein Kern des Geschäfts: Drogenhandel und Gewalt als Druckmittel – bis zu Auftragsverbrechen mit jugendlichen Tätern.

Die schwedische Polizei beschreibt "Foxtrot" als Organisation, die gezielt Minderjährige anwirbt, um für sie zu schießen, Sprengsätze zu legen oder als Kuriere zu fungieren.

"Foxtrot" steht zudem im Verdacht, neben Gewalt und Drogenhandel auch politisch brisante Ziele ins Visier genommen zu haben – etwa Angriffe auf iranische Regimegegner oder israelische und jüdische Einrichtungen.

Schweden bereitet Auslieferung vor

Seit der Festnahme sitzt der 21-Jährige in Marokko in Gewahrsam. Schweden bereitet nun die Auslieferung vor, um ihn so schnell wie möglich zurückzuholen und vor Gericht zu stellen. Dazu muss zunächst ein formales Auslieferungsverfahren durchlaufen werden. Die zuständige Staatsanwältin Helene Gestrin erklärte den Ablauf gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Sender SVT: "Die notwendigen Unterlagen werden nach Marokko geschickt, und dann warten wir auf die Bearbeitung durch die marokkanischen Behörden. Erfahrungsgemäß kann das einige Monate dauern", sagt Helene Gestrin.

In Schweden hofft man, dass die Festnahme die Gewaltwelle zumindest vorübergehend abschwächt. Das Land erlebt seit Jahren eine Serie von Schießereien und Bombenanschlägen, bei denen immer wieder auch Unbeteiligte verletzt oder getötet werden.

Der schwedische Ermittler Theodor Smedius warnte zwar vor zu großen Erwartungen, sah aber dennoch einen spürbaren Effekt: "Aus Erfahrung wissen wir, dass das Auswirkungen hat und die Kapazität zeitweise verringert. Danach hängt es davon ab, wie lange es dauert, bis jemand anderes ihn ersetzt", sagte der Ermittler.

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