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Bio-Großhändler insolvent: Krise trifft Naturkost-Lieferanten „in doppelter Hinsicht“
Von: Richard Strobl
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Ein Großhändler für Bio- und Naturkost-Produkte tritt den Weg in die Insolvenz an. Man gibt sich positiv. Hintergrund sind Kostensteigerungen und Konsumzurückhaltung.
Erfurt – Bio-Produkte hatten in den vergangenen Jahren einen echten Siegeszug angetreten. Doch in der aktuellen Krise ist das Geld bei vielen Kunden offenbar knapp – und es wird auch seltener zu Bio-Produkten gegriffen. Zumindest führt der Bio-Großhändler Naturkost Erfurt seine wirtschaftlichen Probleme unter anderem auf diese Konsumzurückhaltung zurück. Das Unternehmen tritt nun den Weg in die Insolvenz an und plant, sich neu aufzustellen. Man gibt sich aber positiv für die Zukunft.
Naturkost Erfurt beliefert seit 2003 Bio-Läden, Lieferdienste, Gastronomie und andere Kundinnen und Kunden mit mehr als 12.000 verschiedenen Naturkostprodukten. Aktiv ist man in Thüringen, Sachsen, im Süden Sachsen-Anhalts und im Norden Bayerns. Das Herz sind zwei Logistikzentren in Erfurt und Schkeuditz. Das soll dem Plan nach auch in Zukunft so sein – trotz Insolvenz.
Bio-Großhändler geht in die Insolvenz
Naturkost Erfurt setzt nach eigenen Angaben auf ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung. Dazu hat Geschäftsführer Thomas Hölscher einen entsprechenden Antrag beim zuständigen Amtsgericht Erfurt gestellt, der bereits angenommen worden sei. Ein Sachverwalter wurde vom Gericht laut MDR aber noch nicht bereitgestellt. Dieser ersetzt bei dem Typ des Verfahrens den Insolvenzverwalter.
Mit einer wirtschaftlichen Neuaufstellung will sich der Großhändler „bereit für die Zukunft“ machen, heißt es in einer Mitteilung. Möglich werden soll dies durch den Einstieg eines Partners in das Unternehmen oder die Aufnahme der Firma in ein Partnernetzwerk oder eine Unternehmensgruppe, heißt es weiter. „Wir wollen das Verfahren und die Möglichkeiten des Sanierungsrechts einsetzen, um eine langfristige Zukunftsperspektive für Naturkost Erfurt zu schaffen“, sagt Geschäftsführer Thomas Hölscher.
Helfen soll vorerst ein Team aus Sanierungsspezialisten von Schultz & Braun. Auch hier gibt man sich laut Aussendung zuversichtlich: „Das Geschäftsmodell der Naturkost Erfurt ist grundsätzlich intakt und derzeit nur durch externe Faktoren beeinträchtigt“, sagt etwa Restrukturierungsexperte Christoph Rothämel.
Insolvenz von Bio-Händler: „in doppelter Hinsicht“ getroffen
Dementsprechend wird der Betrieb trotz Insolvenz „in vollem Umfang“ weiterlaufen, heißt es von Naturkost Erfurt. Es werde weiter wie geplant ausgeliefert und auch Neukunden könne man bedienen. Die 65 Mitarbeitenden sowie Lieferanten, Kunden und Partner seien bereits über die Insolvenz informiert worden. Löhne und Gehälter sind bis Ende November über das Insolvenzgeld abgesichert. Ab Dezember will man diese wieder aus dem laufenden Geschäftsbetrieb finanzieren.
Als Grund für die Insolvenz nennt Naturkost Erfurt eine Kombination aus Kostensteigerungen bei gleichzeitigem Umsatzrückgang „aufgrund der geopolitischen Verwerfungen der letzten Jahre“. Bei den Kostensteigerungen sei man „in doppelter Hinsicht betroffen“: einerseits durch höhere Preise für Bio-Lebensmittel und Betriebsstoffe sowie andererseits durch die Zurückhaltung der Kunden vor demselben Hintergrund. „Viele unserer Kunden beziehen ihre Bio-Produkte regelmäßig bei uns. Da sie auch von der Krise und der Konsumzurückhaltung ihrer eigenen Kunden betroffen sind, konnten und können sie nicht wie gewohnt bei uns bestellen“, so Hölscher.