DAX +0,44 % 25.818,21 Pkt 18:00:00 MDAX +0,15 % 30.472,32 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 -1,22 % 6.131,31 Pkt 18:00:00 Dow Jones -1,34 % 51.770,31 Pkt 21:47:53 S&P 500 -2,12 % 7.580,07 Pkt 21:47:43 Nasdaq -4,19 % 25.437,00 Pkt 22:15:59 Nikkei -0,08 % 63.237,22 Pkt 02:34:05 Gold +0,50 % 3.918,40 USD 02:39:01 Silber +1,72 % 49,94 USD 02:39:02 Brent -5,56 % 111,10 USD 02:38:57 WTI -2,34 % 101,68 USD 02:38:50 Bitcoin +0,27 % 78.445,34 USD 02:48:56 EUR/USD -0,09 % 1,11730 USD 02:48:28 EUR/GBP -0,19 % 0,83420 GBP 02:49:07 EUR/CHF +0,05 % 0,92140 CHF 02:49:07 EUR/JPY -0,15 % 176,215 JPY 02:49:07

„Indien ist stolz auf Kapitän Machchhar“: Modi würdigt Mut des Piloten der Flydubai

Welt

„Es waren schreckliche Schreie von Kindern zu hören, die nicht sterben wollten“, erzählt ein Passagier, der nach eigenen Angaben am Mittwoch an der Überwältigung des Co-Piloten in einer Flydubai-Maschine auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv beteiligt war, der „Jerusalem Post“.

Mit seinem Einsatz hat der Passagier vielleicht mitgeholfen, einen der verheerendsten Anschläge der jüngeren Zeit zu verhindern. Denn nach Angaben des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu stach der Co-Pilot mit einem Messer auf seinen Kollegen ein, als die Maschine sich Israel näherte. Er habe offenbar vorgehabt, das Flugzeug mit den vornehmlich israelischen Passagieren zum Absturz zu bringen.

Als sich der Kampf zwischen dem Piloten und dem Co-Piloten aus dem Cockpit in die Kabine verlagerte, seien mehrere Passagiere von den ersten Reihen auf den Angreifer losgegangen, um ihn zu stoppen, erklärt der Passagier der „Jerusalem Post“ weiter. Als der Angreifer überwältigt war, hätten sie ihn mit Ladekabeln gefesselt. Doch gebannt sei die Gefahr da noch nicht gewesen.

Medienberichten zufolge befanden sich an Bord zwar weitere Crewmitglieder und zwei Ersatzpiloten, die das Flugzeug sicher in Saudi-Arabien landen konnten. Diese hätten sich aber in einem Schockzustand befunden, sagte der Passagier der „Post“. „Ich musste sie schütteln, damit sie nach vorne kamen und die Kontrolle über das Flugzeug übernahmen, denn es befand sich im Sturzflug.“ Einer der Passagiere hatte zu diesem Zeitpunkt versucht, das Flugzeug mithilfe des Steuerhorns wieder nach oben zu lenken.

Während des Gerangels habe ein Mädchen, dessen Vater gegen den Co-Piloten kämpfte, geschrien, „dass sie nicht wolle, dass der Vater sterbe“, beschrieb der Passagier die dramatischen Szenen an Bord. Das sei der einzige Moment während des Vorfalls gewesen, „in dem ich innehielt und an meine eigenen Kinder dachte“.

Eine Israelin erzählte dem TV-Sender N12, unter den Passagieren habe große Angst geherrscht, es habe „Schreie und Panik“ gegeben. Es gehe den Passagieren der Maschine inzwischen gut. „Die Situation hätte aber auch anders enden können“, sagte sie. Eine weitere Israelin erzählte dem Sender, sie habe Schreie im Flugzeug gehört und anschließend viel Blut im Cockpit gesehen. „Es gab Momente, in denen wir dachten, dass wir das nicht lebend überstehen würden.“

N12 veröffentlichte ein Video, auf dem ein verletzter Mann mit Atemmaske zu sehen ist. An der Wand neben ihm sind Blutspuren zu sehen. „Willst du schlafen?“, fragt einer der israelischen Passagiere. Der Verletzte schüttelt den Kopf. Ein Israeli mit blutüberströmtem Gesicht sagt, es handele sich dabei um den Piloten, jemand habe versucht, ihn zu ermorden. Direkt daneben liegt ein weiterer Verletzter, den die Passagiere offenbar bewachen.

Laut den Schilderungen eines Passagiers habe der angegriffene Pilot es mit letzter Kraft geschafft, die Tür zur Kabine zu öffnen, bevor er zusammengebrochen sei. Nur deshalb konnten die Passagiere den Co-Piloten festsetzen.

Co-Pilot festgenommen

Netanjahu bezeichnete die Ereignisse als „sehr schwerwiegenden Sicherheitsvorfall“. Fast alle Passagiere seien Israelis gewesen, sagte der Ministerpräsident in einer Videobotschaft. Er drückte seine Hochachtung aus „gegenüber den Helden, die außergewöhnliche Geistesgegenwart und Wagemut gezeigt“ hätten. „Sie haben viele Leben gerettet, sie haben eine schwere Katastrophe verhindert“, sagte der Ministerpräsident.

Das Flugzeug sei sicher in Saudi-Arabien gelandet, der Angreifer sei festgenommen worden. Er werde von den saudischen Sicherheitsbehörden befragt. Er habe die israelischen Sicherheitskräfte angewiesen, sich auf „potenzielle weitere Bedrohungen einzustellen“, sagte Netanjahu abschließend, ohne weitere Details zu nennen.

Netanjahu würdigte den Mut des von seinem Kollegen angegriffenen Piloten: „Er ist ein wahrer Held.“ Trotz schwerer Stichverletzungen habe der indische Flugkapitän Widerstand geleistet, die Cockpittür geöffnet und es Passagieren ermöglicht, den Angreifer zu überwältigen. Damit habe er eine Katastrophe verhindert. „Er hat die Leben von 174 Menschen gerettet, darunter israelische Bürger und andere Staatsangehörige“, erklärte der Premier. Er wünschte dem Mann eine schnelle Genesung. Die indische Botschaft in Saudi-Arabien, wo das Flugzeug notgelandet war, gab am Abend bekannt, dass der Zustand des Piloten stabil sei.

Indiens Premierminister Narendra Modi lobte den indischen Piloten ebenfalls in den höchsten Tönen. „Kapitän Smit Machchhar ist ein Held“, schrieb Modi am Donnerstag in Onlinediensten. „Angesichts höchster Gefahr und trotz schwerer Verletzungen bewies er enormen Mut und eine unerschütterliche Entschlossenheit, das Leben anderer zu schützen.“

Der Mut des Piloten habe dazu beigetragen, „Hunderte von Menschenleben zu retten und eine große Tragödie abzuwenden“, erklärte Modi weiter. „Indien ist stolz auf Kapitän Machchhar. Wir beten für seine rasche Genesung, neue Kraft und gute Gesundheit.“

Ein Zahnarzt, der sich als Passagier an Bord befand, sagte CNN, er habe den Piloten „in sehr schlechtem Zustand, mit starken Blutungen an Kopf und Händen“ aufgefunden. Er sei voller Schnittwunden gewesen. Dem Zahnarzt sei es gelungen, die Blutungen zu stillen.

Der Pilot sei die ganze Zeit bei Bewusstsein geblieben. Er habe erzählt, dass er 39 Jahre alt sei und zwei Kinder habe, wie der Zahnarzt zudem dem israelischen Medium „Ynet“ berichtete.

Bei dem mutmaßlichen Angreifer soll es sich nach einem Medienbericht nach israelischer Einschätzung um einen Einzeltäter handeln. Es gebe keinen Hinweis darauf, dass ein Staat oder eine Terrororganisation Drahtzieher des Vorfalls auf dem Flug von Dubai nach Tel Aviv sein könnte, berichtete der israelische TV-Sender Kan unter Berufung auf israelische Sicherheitskreise. Man gehe auch nicht davon aus, dass der Tatverdächtige geistig verwirrt sei.

Die israelischen Passagiere landeten am Mittwochabend laut Medienberichten in Israel. Mehrere israelische Medien berichteten, das Ersatzflugzeug sei sicher in Tel Aviv gelandet, wo zahlreiche Angehörige am Flughafen auf sie warteten. Der seltene direkte Flug zwischen Saudi-Arabien und Israel, die keine diplomatischen Beziehungen unterhalten, dauerte nach Angaben des israelischen TV-Senders N12 rund 45 Minuten.

Israelische Minister bezeichnen Vorfall als Terrorakt

Israels Verteidigungsminister Israel Katz – aus Netanjahus Likud-Partei – sprach von einem „Versuch eines dschihadistischen Anschlags“, der nur dank des Mutes israelischer Passagiere vereitelt worden sei. Der rechtsextreme Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir bezeichnete den Angreifer als „Terrorist“, dessen Ziel es gewesen sei, „die 180 Israelis an Bord zu ermorden“.

Aus Sicht von Ben-Gvir zeige der mutmaßliche Anschlag, „dass Israel seine Militäroperationen in der gesamten Region verstärken müsse“, wie ihn die „Times of Israel“ zitiert. Der Minister ist Vorsitzender der rechtsextremen, religiös-fundamentalistischen und anti-arabischen Partei Otzma Jehudit.

Der rechtsextreme, fundamental-religiöse israelische Finanzminister Bezalel Smotrich forderte in einem X-Post: „Wer auch immer versucht hat, ein Flugzeug zum Absturz zu bringen und 180 Israelis zu ermorden, muss dafür bezahlen, als ob er sie ermordet hätte.“ Dies gelte für den Angreifer ebenso wie für „jeden Staat oder jede Terrororganisation, die ihn geschickt haben“.

Was war passiert?

Die Flydubai-Maschine befand sich auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv, als sie am Mittwoch nach Angaben der Airline wegen eines „Zwischenfalls“ ins saudi-arabische Tabuk umgeleitet wurde. Nach der Notlandung in Saudi-Arabien gab es in zahlreichen internationalen Medien Berichte, denen zufolge einer der Piloten versucht hat, das Flugzeug zum Absturz zu bringen.

Das Flugzeug sank nach Informationen des US-Senders CNN während des nächtlichen Fluges innerhalb von etwas mehr als zwei Minuten um rund 5000 Meter – von gut 10.000 auf etwa 5000 Meter. Das geht laut CNN aus Tracking-Daten hervor. Auch die Geschwindigkeit des Flugzeugs nahm drastisch ab.

Schließlich landete die Maschine in Saudi-Arabien. Nach Informationen von N12 wurde die Heckflosse des Fliegers erheblich beschädigt. Zuvor war berichtet worden, die Maschine habe zunächst ein Notsignal mit dem Code 7700 abgesetzt, der auf eine Notlage hinweist. Anschließend sei ein Signal mit dem Code 7500 gesendet worden, der zur Meldung einer Flugzeugentführung verwendet wird.

Als Reaktion auf das Notsignal aus dem Flugzeug waren vorübergehend israelische Kampfjets unterwegs zu der Maschine gewesen. Das berichtete die „Times of Israel“ unter Berufung auf Sicherheitskreise. Laut einer Erklärung des Flughafens Tabuk, die die „Jerusalem Post“ wiedergibt, wurden sowohl der Kapitän als auch der Co-Pilot verletzt und nach der Landung medizinisch versorgt.

Woher stammten die Piloten?

Über die Herkunft der Piloten herrschte kurz nach dem Vorfall Unklarheit. In ersten Meldungen hieß es, sie seien russischer und ukrainischer Herkunft. Israelische Medien melden hingegen, der Co-Pilot stamme aus dem Sultanat Oman und der Pilot aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, später wurde klar, dass es sich um einen Inder handelte.

Oman und Israel unterhalten keine offiziellen diplomatischen Beziehungen. „Es ist bislang unklar, wie der omanische Pilot die Genehmigung für den Flug nach Israel erhalten haben könnte“, meldet CNN. Auf Flügen nach Israel dürfen nur Piloten aus Ländern eingesetzt werden, die diplomatische Beziehungen zu Israel pflegen.

Zuletzt hatte es 1972 eine Entführung eines Passagierflugzeugs auf dem Weg nach Israel gegeben: Das Flugzeug der belgischen Luftfahrtgesellschaft Sabena war damals auf dem Weg von Brüssel nach Tel Aviv, als es von palästinensischen Terroristen entführt wurde. Nach der Landung stürmten israelische Spezialkräfte die Maschine und überwältigten die Entführer. (Tsp/dpa/Reuters)

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren