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Indischer Ozean: Meeresboden sackt rasant um mehrere Meter ab

Wissenschaft

Mitten im Indischen Ozean haben Wissenschaftler ein spektakuläres Naturereignis erstmals direkt mit Messinstrumenten dokumentiert. Der Meeresboden sackte innerhalb kurzer Zeit um mehrere Meter ab. Ausgelöst wurde das offenbar durch eine gewaltige Bewegung von Magma tief unter dem Ozeanboden. Die Messungen stammen von einem Unterwasser-Observatorium am Südostindischen Rücken in rund zwei Kilometern Tiefe am Rand eines Rifttals. Dort hatten Forscher ein Netzwerk aus Unterwassermikrofonen, akustischen Entfernungsmessern und Drucksensoren installiert. Dadurch konnten sie erstmals gleichzeitig beobachten, wie sich der Meeresboden horizontal verschob, vertikal absenkte und wie sich die seismische Aktivität entwickelte. Ihre Ergebnisse stellen die Wissenschaftler nun in einer aktuellen Studie vor, die in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht wurde. Dank geheimer Fotos: Polizei findet prall gefülltes Schatz-Grab Polen: Archäologen lösen 400 Jahre altes Rätsel um „Vampirfrau“ Unterwasser-Archäologie: Wrack von legendärem U-Boot aus Zweitem Weltkrieg gefunden Kannibalismus: Archäologen machen schaurige Entdeckung in Jamestown-Kolonie Altes Ägypten: Krebsoperationen schon vor 4300 Jahren? Messinstrumente zeichneten Einbruch direkt auf Der entscheidende Moment kam am 26. April 2024. Zunächst begann ein Schwarm kleinerer und stärkerer Erdbeben. Kurz darauf breitete sich die Aktivität über mehrere Kilometer entlang des Meeresrückens aus. Nach Einschätzung der Forscher deutet dieses Muster auf einen Magmagang hin. Als Magmagang wird aufsteigendes Magma bezeichnet, das sich seitlich durch die Erdkruste drückt und diese auseinanderzieht. Besonders eindrucksvoll war dabei die Reaktion des Meeresbodens. Ein Druckmessgerät am Grund registrierte, dass der Boden zunächst innerhalb von weniger als einer Stunde um rund 1,2 Meter absackte. In den folgenden Tagen setzte sich die Bewegung fort. Am Ende summierte sich die Absenkung auf insgesamt 4,2 Meter innerhalb von sechs Tagen. Auch interessant Nach Auffassung des Forschungsteams spricht vieles dafür, dass sich unter dem Rücken ein flaches Magmareservoir rasch entleert hat. Wenn Magma aus einer solchen unterirdischen Kammer in Risse und Spalten abfließt oder an die Oberfläche gelangt, verliert der Untergrund an Volumen – der darüberliegende Meeresboden sackt ab. Ein ähnlicher Mechanismus ist von Vulkangebieten an Land bekannt, auf dem tiefen Ozeanboden konnte er bislang aber nicht in dieser Genauigkeit erfasst werden. Forscher messen seitliche Verschiebungen am Ozeanboden Gleichzeitig registrierten akustische Transponder starke seitliche Bewegungen des Untergrunds. Einige Messlinien verlängerten sich um mehr als einen Meter, andere verkürzten sich deutlich. Für die Forscher ist das ein Hinweis darauf, dass mehrere Prozesse gleichzeitig abliefen: Das aufsteigende Magma öffnete die Erdkruste, ein unterirdischer Bereich zog sich zusammen, und zudem bewegten sich Verwerfungen am Rand des Tals. Bemerkenswert ist dabei, dass ein erheblicher Teil dieser Verformung offenbar nicht allein durch klassische Erdbeben geschah. Die Studie legt nahe, dass große Teile der Bewegung aseismisch verliefen – also ohne starke, schlagartige Brüche, wie sie üblicherweise bei Erdbeben auftreten. Genau das könnte erklären, warum an mittelozeanischen Rücken oft weniger seismische Aktivität registriert wird, als die tatsächliche Dehnung der Erdkruste vermuten lässt. Auch interessant Auch an der Oberfläche des Meeresbodens hinterließ das Ereignis deutliche Spuren. Wiederholte Kartierungen zeigten große neue Lavafelder. An manchen Stellen erreichten die frischen Ablagerungen Ausmaße von mehr als 90 Metern. Das Gesamtvolumen der ausgetretenen Lava schätzen die Forscher auf etwa 148 bis 160 Millionen Kubikmeter. Massive Verschiebungen aufgezeichnet: Forscher gelingt echter „Glücksfall“ Hinweise auf den Zeitpunkt des Ausbruchs lieferten nicht nur die Verformungsmessungen, sondern auch Temperaturanstiege in Bodennähe und tausende hydroakustische Signale. Solche Impulse entstehen, wenn heiße Lava mit Meerwasser in Kontakt kommt. Den Daten zufolge dürfte der eigentliche Ausbruch etwa 16 Tage gedauert haben. Die Folgen beschränkten sich nicht auf das Spreizungssegment selbst. Kurz nach der Magmaausbreitung wurde auch Aktivität an benachbarten Transformstörungen registriert – also an großen seitlich versetzten Bruchzonen des Ozeanbodens. Dort kam es zu weiteren kräftigen Erdbeben, darunter ein Beben der Stärke 5,9. Die Forscher gehen davon aus, dass die Magmabewegung Spannungen auf diese benachbarten Störungen übertragen und sie dadurch aktiviert hat. Angesichts der massiven Verschiebungen war auffällig, dass die Erdbeben verhältnismäßig mild ausfielen. Auswertungen der Mikrofonaufnahmen ergaben, dass die Gesteinsplatten weitgehend lautlos aneinander vorbeiglitten. Orcas, Haie und Tiere im Meer Die Bedeutung der Beobachtung reicht weit über dieses einzelne Ereignis hinaus. Nach Berechnungen des Teams könnte die bei dem Ausbruch freigesetzte Dehnung jener Spannung entsprechen, die sich über fast vier Jahrzehnte Plattenbewegung aufgebaut hatte. Mit anderen Worten: Der Ozeanboden entlädt seine Spannungen womöglich nicht kontinuierlich, sondern in seltenen, dafür umso heftigeren Schüben. Für die Forschung ist das ein Durchbruch. Zwar wurden untermeerische Vulkanausbrüche und Deformationen des Ozeanbodens schon früher untersucht. Doch die Aufzeichnung der Verschiebung kaum zwei Monate nach der aufwendigen Platzierung der Aufnahmegeräte war ein „Glücksfall“.

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