Infantino - zwei Zahlen für ein Gehalt
Die Steuererklärung einer FIFA-Tochtergesellschaft für die Organisation der WM in den USA für 2024 weist für FIFA-Präsident Gianni Infantino eine Gesamtvergütung von 6.133.196 Dollar aus - rund 1,3 Millionen Dollar mehr, als sich aus den veröffentlichten FIFA-Angaben ergibt.
Wofür diese zusätzlichen Vergütungsbestandteile stehen, bleibt unklar. Im Jahresbericht der FIFA werden sie nicht gesondert ausgewiesen. Die Statuten des Weltverbands schreiben aber eine vollständige Veröffentlichung der Einkünfte des Präsidenten vor. Die FIFA beantwortet entsprechende Fragen nicht, weist aber jegliches Fehlverhalten zurück.
UEFA will Einsicht in FIFA-Unterlagen
Am 5. Oktober reichten UEFA-Anwälte bei einem Bundesgericht in Florida einen Schriftsatz ein. Sie verlangen Auskunft darüber, was die amerikanischen FIFA-Gesellschaften über den gescheiterten Investorendeal FIFA Forward Enterprise wissen. Die Tochterfirmen bestreiten, in das Vorhaben eingebunden gewesen zu sein.
Als Gegenbeleg legte die UEFA die 45-seitige Steuererklärung der amerikanischen WM-Gesellschaft FWC2026 US, Inc. für 2024 vor. Sie zeige, dass Infantino dort als Präsident geführt werde und ihm 1.724.393 Dollar an meldepflichtiger Vergütung zugerechnet würden. Auch weitere führende FIFA-Mitarbeiter seien in der Leitung vertreten. Damit stellt die UEFA die behauptete Eigenständigkeit der Gesellschaft infrage.
Die Steuererklärung enthält zudem Angaben zu Infantinos gesamter Vergütung für 2024 - einschließlich der Beträge, die von Tochtergesellschaften wie dem Unternehmen für die WM-Organisation kommen.
Zwei verschiedene Zahlen zu Infantinos Vergütung
Für 2024 weist die FIFA ein Grundgehalt für Infantino von 2,6 Millionen Schweizer Franken, einen Bonus von 1,65 Millionen und pauschale Zulagen von 24.000 Franken aus. Insgesamt rund 4,3 Millionen Franken.
Die US-Steuererklärung nennt dagegen eine Gesamtvergütung von 6.133.196 Dollar. Darin enthalten sind auch die rund 1,7 Millionen Dollar, die der amerikanischen WM-Gesellschaft zugerechnet werden und auf die sich die UEFA beruft.
Grundgehalt und Bonus stimmen in beiden Dokumenten überein. Umgerechnet zum offiziellen FIFA-Jahresdurchschnittskurs ergeben sich exakt die veröffentlichten Beträge. Doch die US-Steuererklärung weist weitere Vergütungsbestandteile von rund 1,3 Millionen Dollar aus, die im FIFA-Jahresbericht nicht gesondert aufgeschlüsselt werden.
Der Posten, der übrig bleibt
Die Differenz von 1,3 Millionen Dollar entsteht aus zwei Posten des Steuerformulars. So sind unter "sonstige meldepflichtige Vergütung" für Infantino 1.148.577 Dollar eingetragen, 626.229 davon bei der WM-Gesellschaft, 522.348 bei weiteren verbundenen Organisationen.
Dieses Geld fällt der US-Tochter der FIFA zufolge unter geldwerte Vorteile wie beispielsweise Wohnkostenzuschüsse und Steuerausgleichszahlungen, deshalb ist es meldepflichtig. Welche konkreten Leistungen sich hinter den Zahlungen für Infantino verbergen, geht aus den vorliegenden Angaben jedoch nicht hervor.
Hinzu kommen noch einmal 155.344 Dollar für Altersvorsorge und aufgeschobene Vergütung, die Infantino zusätzlich zu Gehalt und Bonus gezahlt wurden - in Summe also jene 1,3 Millionen Dollar.
Der Vorsitzende der WM-Gesellschaft
Das Board of Directors der FIFA-Tochter in den USA führte Victor Montagliani - Präsident des Kontinentalverbands CONCACAF und FIFA-Vizepräsident. Sein Mandat bei der FWC2026 US, Inc. sei "eine begrenzte Verwaltungsratsposition" gewesen und habe keine operative Geschäftsführung umfasst, erklärt Montagliani gegenüber der Sportschau.
Zur Vergütung des Präsidenten schreibt er: "Ich war weder 2024 noch zu irgendeinem anderen Zeitpunkt an der Festsetzung oder Genehmigung der Vergütung des FIFA-Präsidenten beteiligt, und ich wurde zu den Beträgen nicht konsultiert." Zur Zusammensetzung der Zahlungen könne er nichts sagen: "Diese Fragen sind an die FIFA und die Geschäftsführung der Gesellschaft zu richten."
Der Weltverband wies Anfang der Woche ein Fehlverhalten von sich. Auf konkrete Fragen zu dem bisher unbekannten Millionenbetrag an Infantino antwortete der Weltverband der Sportschau nicht.
Die Vorschrift in den eigenen Statuten
Derweil sind die Statuten der FIFA eindeutig. Die "individuelle Vergütung des Präsidenten, der Mitglieder des Rates und des Generalsekretärs ist öffentlich zu machen", heißt es darin. Das Steuerformular führt die 1,3 Millionen Dollar als Teil der Vergütung Infantinos. In dem Bericht, in dem die FIFA die Vergütung ihres Präsidenten veröffentlicht, sind sie nicht genannt.
Der Weg in die Gerichtsakte
Die UEFA führt gegen die FIFA und deren amerikanische Gesellschaften vier Verfahren in den Vereinigten Staaten: in Florida, in Colorado und zwei in New York. Sie will darin Unterlagen über das FIFA Forward Enterprise erzwingen, jenes Vorhaben, mit dem private Investoren an den künftigen Weltmeisterschaften beteiligt werden sollten und das FIFA-Chef Infantino im August nach Kritik vor allem aus Europa zurückzog.
Die UEFA will mithilfe dieser Informationen eine Strafanzeige in der Schweiz gegen Infantino und möglicherweise weitere FIFA-Funktionäre wegen des Verdachts der "ungetreuen Geschäftsbesorgung" vorbereiten. Nach Schweizer Strafrecht kann sich strafbar machen, wer seine Vermögensverwaltungspflichten verletzt und dadurch das Vermögen eines anderen schädigt.
UEFA weiter ohne Gegenkandidat
Mit ihrem juristischen Vorgehen erhöht die UEFA den Druck auf Infantino. Seit dem Scheitern seines milliardenschweren Investorendeals versucht sie, den FIFA-Präsidenten zum Rückzug zu bewegen. Bislang vergeblich.
Auch die Sitzung des FIFA-Rats am Donnerstag in Zürich brachte keine Annäherung. Auf zentrale Fragen, unter anderem zum gescheiterten Investorendeal, habe es "keine befriedigenden Antworten“ gegeben, kritisierte DFB-Präsident Bernd Neuendorf.
Für die Wahl zum FIFA-Präsidenten im März 2027 in Rabat bleibt Infantino aber weiter der einzige Bewerber. Die von der UEFA angeführte Opposition hat bislang keinen Kandidaten benannt. Die Frist dafür endet am 18. November.