Inflation: EZB-Direktorin Isabel Schnabel spricht sich für höheren Leitzins aus
Angesichts einer anhaltend hohen Inflation hat sich eine Direktorin der Europäischen Zentralbank (EZB), Isabel Schnabel, für einen höheren Leitzins ausgesprochen. »Beim aktuellen Leitzins ist es unwahrscheinlich, dass die Inflation mittelfristig auf das Zielniveau zurückkehrt«, sagte sie der Nachrichtenagentur Bloomberg. Schnabel begründete dies mit dem andauernden Irankrieg und der vergleichsweise robusten Wirtschaft in der Eurozone.
Auch weitere führende Mitarbeiter der Bank halten eine weitere Zinserhöhung nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters für dringlich. Derzeit liegt die Inflationsrate bei fast drei Prozent, zudem steigen die Energiepreise. Um die wirtschaftlichen Folgen des Irankrieges einzudämmen, seien sie bereit, den Leitzins von derzeit 2,25 auf 2,50 Prozent anzuheben, sagten drei mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Die EZB hat diese Angaben nicht bestätigt. Die Europäische Zentralbank strebt eine Inflationsrate von 2,0 Prozent an.
Entscheidung in wenigen Wochen möglich
Die EZB entscheidet regelmäßig, ob sie den Leitzins anpasst. Der nächste Termin dafür ist der 10. September. Zuletzt hatte die Notenbank die Zinsen im Juni erhöht, erstmals seit fast drei Jahren. Auch damals reagierte sie auf kriegsbedingt gestiegene Energiepreise.
Eine Erhöhung des Leitzinses soll die Entschlossenheit der Währungshüter signalisieren, eine Teuerungswelle wie nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine 2022 zu verhindern. Damals stieg die Inflation in der Eurozone zwischenzeitlich auf mehr als zehn Prozent.
Höhere Leitzinsen der EZB sollen Kredite für Verbraucher und Firmen verteuern, was wiederum die Nachfrage bremsen und die Inflation dämpfen kann. Zugleich gelten höhere Zinsen als Bremse für die Wirtschaft im Euroraum.
Transparenzhinweis: In einer früheren Fassung der Meldung wurde Isabel Schnabel als Chefin der EZB bezeichnet. Tatsächlich ist sie Mitglied des EZB-Direktoriums. Wir haben den Fehler korrigiert.