DAX -0,24 % 26.140,13 Pkt 18:00:00 MDAX -0,40 % 32.431,12 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,39 % 6.502,56 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,37 % 53.885,10 Pkt 23:23:20 S&P 500 -0,34 % 7.709,96 Pkt 00:32:46 Nasdaq -0,89 % 26.348,35 Pkt 23:15:59 Nikkei -1,18 % 64.907,51 Pkt 03:55:35 Gold +1,62 % 4.314,40 USD 04:00:29 Silber +0,41 % 62,36 USD 04:00:29 Brent +0,87 % 83,21 USD 03:58:15 WTI +3,76 % 78,05 USD 04:00:39 Bitcoin +0,01 % 64.264,09 USD 04:10:29 EUR/USD -0,28 % 1,15250 USD 04:09:54 EUR/GBP -0,17 % 0,85650 GBP 04:10:39 EUR/CHF +0,42 % 0,93620 CHF 04:10:39 EUR/JPY +0,19 % 182,478 JPY 04:10:39

Inside Langstrecken-Streit Nürburgring (3/3): Wie die Beteiligten es sehen

Sport

(Motorsport-Total.com) - Nach zwei ausführlichen Teilen stellt sich natürlich die Frage: Wer ist im Recht und wer im Unrecht? Wer ist gut und wer böse? Diese Frage lässt sich nicht schwarz und weiß beantworten, denn aus jedem Blickwinkel stellt sich die Situation komplett anders dar. Teil 1: Die Spieler und ihre Ziele Teil 2: Warum es eine neue Serie gibt Im Folgenden werden wir mehrere Blickwinkel darlegen, wie die Beteiligten die Situation sehen, garniert mit zusätzlichen Informationen aus zahlreichen Gesprächen mit Beteiligten. Blickwinkel A: Die Angst des ADAC Nordrhein Der ADAC Nordrhein hält mit dem 24-Stunden-Rennen das Filetstück aller Ereignisse am Nürburgring in seiner Hand. Gerade der Start von Max Verstappen hat das ohnehin schon boomende Rennen im Jahr 2026 völlig durch die Decke schießen lassen. Generell gilt: Je wertvoller das eigene Asset ist, umso mehr kann man verlieren. Und umso mehr Feinde sieht man um sich herum, gegen die es sich zu verteidigen gilt. Der ADAC Nordrhein hat eine große Sorge davor, dass er den 24-Stunden-Termin künftig nicht mehr als gottgegebenes Recht vom Nürburgring bekommt, sondern sich in einer Ausschreibung gegen andere Bewerber stellen muss. Je nach Ausgang des Urteils im Hauptverfahren könnte das dazu führen, dass der Termin diskriminierungsfrei vergeben werden muss und der Nordrhein nur noch alle zwei bis drei Jahre dran ist. Die Begründung mag auf den ersten Blick lächerlich erscheinen: Die VLN, die SRO, der Haupt-ADAC in München (DTM-Veranstalter), die Creventic, oder wer auch immer sonst, könnte künftig beim Nürburgring Termine anmelden, um ein 24-Stunden-Rennen auf der Nordschleife zu organisieren. Der Nürburgring wäre dann gezwungen, diese im Rotationsverfahren zu vergeben. Damit würde der ADAC Nordrhein nur noch alle zwei oder drei Jahre zum Zuge kommen. Sowohl die SRO als auch die Creventic haben Motorsport-Total.com schriftlich bestätigt, dass man derzeit keinerlei Planungen für ein Rennen auf der Nordschleife verfolge. Doch die Situation könnte sich jederzeit ändern. Man stelle sich etwa vor - ohne dass wir es hoffen wollen -, dass Stephane Ratel morgen berufsunfähig wird und jemand anderes das Steuer in der SRO übernimmt. Ein Beispiel dafür, wie schnell es gehen kann: Wer noch 2024 auf EU-Ebene vorgeschlagen hätte, man sollte sich vielleicht besser darauf einstellen, dass die USA militärisch in Grönland intervenieren könnten, hätte wohl ähnliche Blicke geerntet wie der ADAC jetzt, wenn er sagt, dass in Zukunft vielleicht eine SRO oder eine Creventic ein 24-Stunden-Rennen veranstalten wolle. Oder - und das ist aktuell der größte Lacher im Fahrerlager - die VLN selbst als Veranstalter des 24-Stunden-Rennens auftreten könnte. Diese Begründung sorgt derzeit bei allen VLN-Beteiligten für größte Erheiterung, doch in der Politik gilt: hoffe auf das Beste, bereite dich auf das Schlimmste vor. In einer eigenen Serie sieht der ADAC Nordrhein nun die Möglichkeit, sich besser für einen solchen Worst Case abzusichern, indem man eventuellen anderen Interessenten zuvorkommt. Auch kümmert es den ADAC Nordrhein wenig, wenn die neue Serie kein großer Erfolg werden sollte. Es geht ihm in erster Linie darum, dass das 24-Stunden-Rennen gesichert ist. Tatsächlich wäre der ADAC Nordrhein damit bereits der dritte Player für eine Nordschleifen-Serie, denn neben der NLS gibt es auch noch den Düsseldorfer Automobil- und Motorsport-Club 05 e.V., der die Deutsche Historische Langstrecken-Meisterschaft (DHLM) veranstaltet. In deren Rahmen werden auch zwei Läufe der neuen ADAC-Langstreckenserie stattfinden, gleichzeitig fährt sie im Rahmen des 24-Stunden-Rennens. Einen kleinen Erfolg hat der ADAC Nordrhein jedenfalls verbuchen können: Mit RTL wurde ein TV-Vertrag über vier weitere Jahre geschlossen, der das Rennen auch auf den RTL-Hauptsender holt. Allerdings hätte er diesen sicher lieber mit einem 10-Jahres-Vertrag mit dem Streckenbetreiber im Gepäck geschlossen. Die VLN ist aus Sicht des ADAC Nordrhein in ihrer Gesellschafterstruktur mit Ortsclubs, deren Vorsitz oftmals schon im Rentenalter ist, nicht mehr zeitgemäß. Nordrhein ist der Ansicht, dass die Strukturen mit der Entwicklung des Sports, in dem Teams mit Millionenbudgets antreten, schritthalten müssen. Die VLN verhält sich in seinen Augen stur und reformunwillig. So kam es beim ADAC Nordrhein nicht gut an, dass die VLN in Verhandlungen deutlich gemacht hat, dass sie dem ADAC Nordrhein einen Gefallen täte, indem sie Starter für ein bis dahin unterperformendes Rennen liefere. Denn der Nordrhein hatte der NLS erst durch die Qualifiers eine Saison mit acht Rennen im kritischen Jahr 2024 ermöglicht. Jedenfalls soll der ADAC Nordrhein vor Verkündung der eigenen Serie noch ein letztes Angebot an die VLN gemacht haben, bei dem es auch einen NLS-Termin zwischen den 24h-Qualifiers und dem 24-Stunden-Rennen gegeben hätte, was vertraglich bislang ausgeschlossen war. Diese Gespräche scheiterten jedoch. Blickwinkel B: So sieht es die NLS Die Position der NLS ist klar: Wir wollen eigentlich nur das weitermachen, was wir seit 50 Jahren tun. Nämlich Breitensport mit professionellem Anstrich, aber letztlich der Basis verpflichtet. Für die beteiligten Vereine sollte am Ende ein bisschen Geld rausspringen, damit sie neue Reifen oder Karts für ihre Jugendkartgruppe anschaffen oder das Slalom-Auto weiterentwickeln können. Die VLN hat allen Grund, sich darin bestätigt zu sehen. Obwohl Deutschland gerade durch die schwerste Wirtschaftsflaute in der Geschichte der Bundesrepublik geht, konnte die NLS den Starterschwund zuletzt stoppen. 2026 könnte die erfolgreichste Saison nach Starterzahlen seit Corona werden. Wie schon in Teil 2 beschrieben, kann die NLS aktuell nicht aus dem Gerichtsverfahren einfach aussteigen, das sowohl ADAC Nordrhein als auch der Nürburgring am liebsten beenden würden. Sie läuft dann Gefahr, wie im Sommer 2023 alle ihre Termine auf der Nordschleife zu verlieren. Deshalb braucht sie ein wasserdichtes Abkommen. Und auch hier gilt das politische Credo von weiter oben: Selbst wenn man sich mit dem jetzigen Betreiber einig wird - was, wenn irgendwann mal der ADAC Nordrhein den Nürburgring kaufen würde? Auch für solche Fälle müsste die Termingarantie bestehen bleiben. Auch hat die VLN im Zuge ihrer Kundenfreundlichkeitsoffensive einige Hürden beseitigt, die lange an ihr kritisiert wurden: Zahlreiche Aufgaben wurden zentralisiert. So gibt es bereits seit längerer Zeit eine permanente Geschäftsstelle, die zu normalen Bürozeiten durchgängig besetzt ist. Die Zeiten, in denen Ehrenamtler nach Feierabend noch von zu Hause aus Telefonate mit Teilnehmern übernahmen, sind lange vorbei. Zudem müssen Teilnehmer das Nenngeld nicht mehr an neun verschiedene Ausrichter überweisen, auch dieser Prozess wurde zentralisiert. Zentrale Ansprechpartner gibt es auch in den Bereichen Technik, Rennleitung und Organisation. "Das Argument, dass wir unprofessionell sind, zieht schon lange nicht mehr. In Sachen Rennleitung ist der ADAC Nordrhein bei zwei Veranstaltungen sogar inkonstanter als wir", heißt es aus VLN-Kreisen. Die Strukturen sind kleiner als bei anderen Verbänden, dafür muss die VLN sich aber auch nur um eine einzige Serie kümmern, nämlich die NLS. Nachdem der ADAC Nordrhein sich aus dem NLS-Sponsoring mit Mittelrhein und Westfalen zurückgezogen hatte, zahlte die VLN bei den 24h-Qualifiers drauf, damit diese zur Meisterschaft zählten, während die meisten Teilnehmer lieber weniger Läufe hätten. In den Augen der VLN bezahlte man den ADAC Nordrhein, damit dieser mehr Starter bei den Qualifiers hat. Bemerkenswert ist, wie defensiv die NLS bislang auf die Bedrohung durch die neue Langstreckenserie reagiert. Im Livestream fiel beim 6-Stunden-Rennen kein kritisches Wort - weder von den Kommentatoren noch von den Teilnehmern. Derzeit versucht die VLN, kein weiteres Öl ins Feuer zu gießen. Es ist auch zu vernehmen, dass sie einer Einigung gegenüber aufgeschlossen ist. Allerdings ist die NLS durchaus bereit, den Kampf aufzunehmen. Sie plant mit acht Terminen. Schließlich hat sie die NES bereits mit ihrer Soft Power kleingekriegt, als sich Sportwarte und Teilnehmer schlicht und einfach weigerten, an der neuen Rennserie teilzunehmen. Das Kalkül: Dauerhaft kann es sich selbst der finanzstarke Nordrhein nicht leisten, Rennen mit 15 Autos zu veranstalten, um mal die Starterzahl für den abgesagten NES-Auftakt von 2024 zu nennen. Blickwinkel C: Der Nürburgring - wirklich außen vor? Anders als beim ersten Nürburgring-Streit, als der Nürburgring-Besitzer NR Holding einer der zentralen Akteure war, sieht sich der Nürburgring diesmal außen vor - zumindest offiziell. Bevorzugt wird seitens der Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG, die zu 99 Prozent im Besitz der NR Holding ist, rund um Ex-VLN-VV-Geschäftsführer Christian Stephani eine einzelne Langstreckenserie, da zwei Serien mehr Arbeit ohne Mehrwert verursachen. Primäres Ziel des Nürburgrings ist es, wie schon in den ersten beiden Teilen erwähnt, die "Essential Facility"-Klausel wegzubekommen, die er sich mit dem riesigen Eigentor im Jahr 2023 eingehandelt hat, als die NR Holding die NLS aus der "Grünen Hölle" werfen wollte. Der Nürburgring sieht sich selbst also als passive Partei im neuerlichen Machtkampf. Er sieht sich dazu verpflichtet, diskriminierungsfrei Termine zu vergeben. Ein weiteres Interesse des Nürburgrings wäre, dass es nicht zu viele Bewerber gibt, weil es dann irgendwann Probleme mit der Anzahl an Terminslots geben könnte. Beispielsweise hatte im aktuellen Streit Manthey als vierte Partei den Hut in den Ring geworfen, die Terminanfrage aber wieder zurückgezogen. Nicht alle im Fahrerlager glauben an die Passivität der NR Holding. Es gibt Gerüchte, die aber wirklich momentan nur als solche zu betrachten sind, die der NR Holding Rachelust gegen die VLN nachsagen, nachdem Nürburgring und ADAC bereits im Januar 2025 eine Partnerschaft bis 2028 verkündet hatten. Andere Stimmen sprechen von Versuchen seitens der NR Holding, einen Keil zwischen die ADAC-Regionalvereine zu treiben (teile und herrsche), weil ihr der ADAC grundsätzlich zu mächtig ist. Ob das überhaupt nötig wäre, ist die andere Frage. Denn die Spannungen zwischen den ADAC-Regionalvereinen sind bereits groß genug, dass sich der Betreiber auch schlicht zurücklehnen könnte. Und von einem persönlichen Rachefeldzug gegen die VLN hätte der Nürburgring geschäftlich nichts. Dennoch glauben viele, dass der Nürburgring eine aktivere Rolle spielt als er selbst sagt. Blickwinkel D: Teilnehmer und Sportwarte Das Statement der Teamvereinigung ILN war eindeutig. Teams und Fahrer sind mehr als genervt davon, dass die Sache wie schon bei der NES so kurzfristig läuft. Partner und Sponsoren werden nervös angesichts der erneut zu erwartenden Hängepartie. Expansionspläne von Teams wurden auf Eis gelegt. Die ILN ist äußerst verstimmt, dass der gut laufende Langstreckensport völlig unnötig in eine neue Krise mit Negativschlagzeilen gestürzt wurde. Die ILN lehnt die neue Langstreckenserie des Nürburgrings ab - zunächst einmal für 2027. Sie fordert eine gemeinsame Langstreckenserie aller Beteiligten, sagt aber nicht, dass dies die NLS sein muss. Allerdings hat sich die Stimmung zwischen ILN und dem ADAC Nordrhein in Gesprächen offenbar nicht verbessert. Der Großteil der Teilnehmer steht derzeit hinter der NLS, die Nordrhein-Serie wurde als "Stunt" bezeichnet. Wie immer ertönt der alles übertönende Ruf, der trotzdem überhört werden dürfte: "Einigt euch, verdammt!" Die meisten Teams sind kommerzielle Unternehmen, und das Wichtigste im Business sind Vertrauen und Stabilität. Beides wurde nun wieder in seinen Grundfesten erschüttert. Sollte es hart auf hart kommen, möchte der überwiegende Teil der momentanen Fahrer der NLS treu bleiben. Die meisten kommerziell orientierten Teams antworten auf die Frage naturgemäß: "Ich fahre, wo meine Kunden fahren wollen." Und die sind derzeit überwiegend pro NLS. Und dann wären da noch die großen, werksunterstützten Teams. Und wie man vernimmt, sind es vor allem diese, die der ADAC Nordrhein anlocken will. Denn sie würden bei ihm alles "aus einem Guss" bekommen. Außerdem sind sie die zahlungskräftigsten Teams in Sachen Nenngeld bei der NLS. Sollte die NLS sie verlieren, wäre das ein finanzieller Schlag. Allerdings hat die Sache einen Haken: Die werksunterstützten Teams sind, wenn sie nicht gerade ein Reifenentwicklungsprogramm fahren oder ein neues GT3-Auto auf der Nordschleife testen wollen, abseits des Hauptevents eigentlich nur an den Rennen vor dem 24-Stunden-Rennen interessiert, die sie zur Vorbereitung nutzen. Nach dem 24er sind sie wieder weg. Auf Seiten der Sportwarte ist die Lage diesmal weniger eindeutig als bei der NES, als die Serie boykottiert wurde. Das ist offenbar diesmal nicht der Fall. Allerdings war Gesprächen mit Sportwarten zu entnehmen, dass sie die kleinen Autos behalten möchten, während dem ADAC Nordrhein nachgesagt wird, die Kleinen mittelfristig aus der Serie streichen zu wollen. Spätestens, seit die NES ihr geplantes Rennen im Mai 2024 wegen Sportwarte-Mangels absagen musste, ist die Macht der Marshals jedem bekannt. Blickwinkel E: Journalisten-Perspektive Motorsport-Total.com wird in den nächsten Tagen die Ereignisse aus einer eigenen Perspektive mit einer eigenen Kolumne einschätzen und einordnen. Die Recherche dazu läuft noch.

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren