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Insider erzählt: Warum der Milliardendeal Red-Bull-Porsche gescheitert ist

Sport

(Motorsport-Total.com) - Ziemlich genau vier Jahre ist es her, dass im Spätsommer 2022 eines der spektakulärsten Joint Ventures, das die Formel 1 je gesehen hätte, geplatzt ist: Red Bull und Porsche waren sich darüber einig, gemeinsam Grand-Prix-Sport machen zu wollen - ehe Red Bull auf dem allerletzten Meter des Verhandlungsmarathons einen Rückzieher machte.

Nur selten haben die handelnden Personen seither öffentlich über den gescheiterten Megadeal gesprochen. Doch Fritz Enzinger, damals in Personalunion Leiter von Porsche Motorsport und des Konzern-Motorsports der Volkswagen Group, hat jetzt in einem Interview am Mitgliederstammtisch auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de (aufgezeichnet am 29. Juli 2026) bestätigt, wie weit fortgeschritten die Verhandlungen damals waren.

Enzinger sagt, es habe bereits "einen Handschlag zwischen Oliver Blume und Didi Mateschitz" gegeben, also der obersten CEOs auf Seiten von Porsche und Red Bull. Und er bestätigt Storys von damals, wonach sogar die Veröffentlichung einer gemeinsamen Pressemitteilung schon geplant war: "Es ist richtig, dass für Spielberg oder das Rennen danach geplant war, dass man an die Öffentlichkeit geht."

Seiner Wahrnehmung nach habe sich die öffentliche Bekanntgabe verzögert, weil es "im Reglement noch immer ein paar Punkte gab, die nicht ganz geklärt waren. Es war klar, wenn man zusagt, man kommt in die Formel 1", dann wäre es schwierig gewesen, die von Porsche- beziehungsweise Volkswagen-Seite gewünschten Regeländerungen im Antriebsbereich durchzusetzen. "Aufgrund dessen hat man einfach Luft gelassen und gesagt: 'Okay, dann warten wir auf das nächste Rennen.'"

Nicht Porsche, sondern Red Bull wollte plötzlich nicht mehr ...

Doch die Bekanntgabe verzögerte sich nicht nur - letztendlich fand sie überhaupt nicht statt. Enzinger erinnert sich an die entscheidenden Tage so, dass es "einen Schwenk" bei Red Bull gegeben habe, "und es kam eben nicht zum Einstieg".

Über die Gründe für den Red-Bull-seitigen Meinungsumschwung will Enzinger nicht spekulieren. Tatsache sei aber, "Didi Mateschitz ging es dann gesundheitlich schon sehr, sehr schlecht", und verhandelt werden musste nicht nur mit den 49 österreichischen Prozent innerhalb der Red Bull GmbH, sondern auch mit den thailändischen Mehrheitseigentümern. "Und da kam es dann einfach zu dem Switch", erinnert er sich.

Gerüchte, wonach Porsche damals auch mit anderen Teams Verhandlungen geführt habe, verweist Enzinger ins Reich der Fabeln: "Porsche hat in der Phase immer nur mit Red Bull gesprochen. [...] Die Konstellation war einmalig, und aufgrund dessen war man so fixiert auf das, dass man eigentlich parallel keine Gespräche geführt hat. [...] Seitens Porsche gab es wirklich nur das Ziel, mit Red Bull in die Formel 1 einzusteigen."

Eine Absichtserklärung der beiden Parteien war vor dem Scheitern bereits unterzeichnet und ging in seiner Architektur weit über die Lieferung des Antriebsstrangs hinaus. Porsche hatte vor, die Powerunit nach Milton Keynes zu liefern - und 50 Prozent von Red Bulls Formel-1-Operation zu übernehmen. In einer "Partnerschaft auf Augenhöhe", wie das damals nach außen hin bezeichnet wurde.

Enzinger: Gut, dass nur eine VW-Marke in der Formel 1 ist

Letztendlich schickte der Volkswagen-Konzern dann nicht beide der ins Auge gefassten Marken in die Formel 1, sondern nur Audi: Die Ingolstädter Marke mit den ikonischen vier Ringen übernahm die Schweizer Sauber-Mannschaft, die seit 2026 mit Nico Hülkenberg und Gabriel Bortoleto als Audi-Werksteam an der Weltmeisterschaft teilnimmt.

So sehr sich Enzinger damals gewünscht hätte, "seine" Marke Porsche mit Red Bull in die Formel 1 zu bringen, so sehr glaubt er mit vier Jahren Abstand, dass das Scheitern auch etwas Gutes hatte: "Im Nachhinein, wenn man jetzt sieht, wie schwierig die Situation in der Autoindustrie ist, denke ich, hat es auch was Gutes, dass es gescheitert ist. Gut, dass Audi mit dabei ist, eine Marke aus dem Konzern. Aber ich kann mir wirklich sehr, sehr schwer vorstellen, dass zwei Marken möglich gewesen wären."

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