Insolvenz: Deutscher Solar
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Deutscher Solar-Pionier rutscht nach starkem Wachstum in die Insolvenz
Von: Bettina Menzel
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Zwei Gesellschaften des Solar-Pioniers Next2Sun sind insolvent. Das Unternehmen macht unter anderem fehlende Förderfreigaben aus Brüssel verantwortlich.
Dillingen – Der Solaranbieter Next2Sun konnte in seiner jüngsten Finanzierungsrunde nicht genug Geld einsammeln. Für Teile des Unternehmens habe man deshalb beim zuständigen Amtsgericht Saarbrücken die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beantragt, teilte die Unternehmensgruppe vergangenen Montag (5. Oktober) mit. Betroffen sind demnach die Next2Sun Technology GmbH und die Next2Sun Mounting Systems GmbH, nicht aber die Next2Sun AG sowie die Next2Sun Projekt GmbH. Das Unternehmen gilt als einer der Pioniere im Solarmarkt. Sein Kernprodukt: eine Solaranlage, die Panels auf beiden Seiten hat, senkrecht steht und damit Platz spart.
Der Vorteil dieser Idee: Äcker können dadurch weiter genutzt werden. Einer Analyse des Fraunhofer-Instituts zufolge bietet das enormes Potenzial in Deutschland. Denn Ackerbau hat „mit 71 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche das größte Flächenpotenzial für die Agri-PV in Deutschland“, so die Experten des Instituts. Laut Herstellerangaben kann diese Technologie aufgrund ihres Aufstellwinkels Strom gezielt auch in den Morgen- und Abendstunden erzeugen. Dadurch lässt sich das Stromnetz stabiler betreiben und der Bedarf an Speichern reduzieren.
Unterstützung aus Brüssel fehlt: Daran ist Next2Sun letztlich gescheitert
Letztlich war es die fehlende Unterstützung aus Brüssel, die das Unternehmen straucheln ließ, wie es Geschäftsführer Krause-Tünker darstellt. Bis 2024 entwickelte sich das Geschäft nach Angaben von Krause-Tünker sehr positiv. „Unsere Gruppe ist von 2021 bis 2024 im Schnitt um gut 80 Prozent gewachsen“, sagte der Geschäftsführer der Bild. Mit einer Gesamtleistung von mehr als 26 Millionen Euro habe man 2024 operativ die Gewinnschwelle erreicht.
2024 beschloss die Ampel-Regierung das sogenannte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Für das Unternehmen war dies zunächst ein positives Signal. „Nachdem die Förderung politisch beschlossen wurde, sind wir davon ausgegangen, dass unser Wachstum noch beschleunigt wird“, so Krause-Tünker. Doch es kam anders: „Bis heute hat Brüssel keine Freigabe dafür erteilt“, kommentiert der Geschäftsführer weiter.
Der Hintergrund: Die EU will vermeiden, dass bei hohen Strompreisen weiterhin Fördergelder fließen. Dafür muss es eine „Rückhol-Klausel“ von zu viel gezahlten Förderungen geben, um „eine Überkompensation der Empfänger zu vermeiden“, wie es in einer EU-Mitteilung heißt. Nach Auffassung des Bundeswirtschaftsministeriums ist ein solcher Mechanismus erst ab Mitte 2027 nötig, Brüssel sieht das allerdings anders. „Trotz intensiver Gespräche konnte hierzu keine Einigung erzielt werden“, so das Wirtschaftsministerium. In der Zwischenzeit schlitterten die zwei Töchter der Next2Sun in die Insolvenz.
Next2Sun will möglichst viele Arbeitsplätze erhalten, doch „ganz ohne Personalabbau wird’s nicht gehen“
Das 2015 gegründete Unternehmen beschäftigt eigenen Angaben zufolge über 140 Mitarbeitende an Standorten in Deutschland, Österreich, Polen und Japan und entwickelt Photovoltaiklösungen für Landwirtschaft, Kommunen, Gewerbe und private Anwendungen. Geschäftsführer Sascha Krause-Tünker versprach im Gespräch mit Bild, „möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten“. Gleichzeitig räumte er ein: „Ganz ohne Personalabbau wird’s wahrscheinlich nicht gehen.“