Insolvenz: Papierfabrik muss nach 289 Jahren dichtmachen
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Bad Dürkheim (Rheinland-Pfalz) – Auch die deutsche Papierindustrie steckt in einer existenziellen Krise. Nun hat es den Traditionsbetrieb Schleipen Paper aus dem Isenachtal erwischt. Nach der Insolvenz ist für immer Schluss. Alle Mitarbeiter verlieren ihre Jobs.
Das Amtsgericht Baden-Baden hatte am 24. Juni das vorläufige Insolvenzverfahren über die Schleipen Paper GmbH aus Bad Dürkheim ( Rheinland-Pfalz ) eröffnet. Das 1737 gegründete Unternehmen gehört zu den ältesten Papierfabriken Deutschlands. Ende August stellte Schleipen Paper den Geschäftsbetrieb endgültig ein.
Warum die Papierfabrik schließen muss
Erst vor fünf Jahren war die Fabrik nach einer Insolvenz von der Lenk-Gruppe aus Kappelrodeck (Baden-Württemberg) übernommen und saniert worden. Zuletzt hatte das Unternehmen erwogen, zumindest den Cutting-Bereich – große Papierrollen werden dort auf Kundenformate zugeschnitten – weiterzuführen. Doch dazu kam es nicht mehr. „Zuvor konnte trotz erheblicher Bemühungen auch kein internationaler Investor gefunden werden“, so der Insolvenzverwalter Dr. André Berbuer zu BILD.
Die Gründe für die wirtschaftlichen Probleme: „Schleipen ist vor allem durch rückläufige Aufträge in Schieflage geraten“, erklärt der Sanierungsexperte. Und: Die hiesigen Fabriken seien auf dem internationalen Markt nicht mehr konkurrenzfähig. „Der Industriestandort Deutschland ist hier nicht mehr attraktiv“, sagt der Insolvenzverwalter.
Industriestandort Deutschland unter Druck
In dem Zusammenhang höre er immer wieder von drei Problemfeldern. 1. Die hohen und vor allem nicht planbaren Kosten für Energie und behördliche Auflagen. 2. Das sehr unflexible deutsche Arbeitsrecht, gepaart mit dem Fachkräftemangel. 3. Die schlechte Infrastruktur. „Es fehlt an Glasfaser und viele Straßen sind in einem schlechten Zustand“, so Dr. Berbuer.
Laut Fachverband Papierrecycling verschärft sich die Krise in Teilen der deutschen Papier-, Karton- und Verpackungsindustrie. Jüngste Insolvenzen und die Schließung von Baiersbronn Frischfaser Karton mit 220 gekündigten Mitarbeitern zeigen, wie angespannt die Situation ist.
Gewerkschaft kritisiert Unternehmen
Unterdessen erhebt die Gewerkschaft IGBCE schwere Vorwürfe gegen die Unternehmensführung von Schleipen. Sowohl die Gewerkschaft als auch die Mitarbeiter seien vom Arbeitgeber erst nach der Anmeldung über die Insolvenz informiert worden. „Zu diesem Zeitpunkt waren die Handlungsmöglichkeiten bereits deutlich eingeschränkt“, so Mareike Hanson, Gewerkschaftssekretärin der IGBCE Ludwigshafen.
So viele Jobs fallen weg