Insolvenzverfahren eröffnet: Der alte TSV 1860 München wird abgewickelt
Der vom Amtsgericht München eingesetzte vorläufige Gläubigerausschuss hat unmittelbar nach Verfahrenseröffnung der Annahme eines Angebots der neuen Spielbetriebs-GmbH zugestimmt, die zu 100 Prozent dem Stammverein gehört und das Spielrecht für die Regionalliga Bayern besitzt. In diesem Ausschuss ist Ismaik als Gesellschafter nicht vertreten. Das Angebot sieht den Erwerb von Assets der insolventen KGaA, darunter deren Markenrechte (Kauf durch den Stammverein) und wesentliche Betriebsmittel (Kauf durch die GmbH) vor. „Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart“, teilte Liebig mit. Mit dem Erwerb sollen auch Beschäftigte übernommen werden, darunter auch der noch an die KGaA gebundene Kader von Spielern aus der U19, der U21 und des ehemaligen Profibereichs. „Alle Spieler haben Verträge, die jetzt auf den Übernehmer übergehen“, teilte Liebig auf Anfrage mit.
Damit ist das Wunschszenario des Stammvereins eingetreten. Spannend ist insbesondere der Bereich der Markenrechte. Diese waren bisher an die Merchandising GmbH lizenziert, die zu 100 Prozent Ismaik gehört; deren Verkauf könnte bedeuten, dass diese Verträge über diese Nutzungsrechte nun gekündigt werden. Zu den Markenrechten zählt selbstredend auch der berühmte Löwe im Achteck. Der Stammverein teilte in einer Presseerklärung mit: „Der Löwe ist zurückgekehrt!“ Darin hieß es: „Der TSV München von 1860 e.V. erwirbt die Markenrechte, darunter die Schutzmarken ‚TSV 1860 München‘ sowie die Wort-Bildmarke (den im Achteck eingerahmten, nach links blickenden Löwen mit Doppelschweif und dem Schriftzug 1860).“ Bis zur vollständigen Klärung aller Rechtsverhältnisse könne die kommerzielle Nutzung der Marken allerdings noch eingeschränkt sein.
Am Ende habe sich nur „eine Lösungsmöglichkeit als umsetzbar erwiesen“, sagt Liebig
„Wir freuen uns, nach langen und umfangreichen Verhandlungen eine Einigung erzielt zu haben. Vor dem Hintergrund der bekannten, sehr herausfordernden Ausgangslage im Verfahren ist dies für alle Beteiligten ein bedeutender Erfolg“, sagte Liebig: „Während des gesamten Insolvenzantragsverfahrens wurden intensive Gespräche mit mehreren Interessenten geführt, wobei sich am Ende nur eine Lösungsmöglichkeit als umsetzbar erwiesen hat.“ Diese sei das nunmehr angenommene verbindliche Angebot des Stammvereins gewesen: „Wir sind dankbar für ein reges Interesse am Investorenprozess und viele sehr ernsthafte Gespräche, aus denen wir letztlich die Überzeugung gewinnen konnten, dass der nun gewählte Weg für die Gläubiger der KGaA das beste Ergebnis darstellt.“
Zusammen mit der Einigung über den Verkauf von Vermögenswerten wurde – aufbauend auf einer schon im Antragsverfahren gefundenen Vereinbarung über die Überlassung des Trainingsgeländes – auch in diesem Punkt die weitere Zusammenarbeit geregelt. „Im nun eröffneten Insolvenzverfahren sind offene Punkte bezüglich des Trainingsgeländes zu klären. Das macht die Einbindung Dritter notwendig, weswegen wir hier noch keine endgültige Lösung verkünden können“, erklärte Liebig. Damit müsste die Stadt München gemeint sein, der das Erbpachtgelände an der Grünwalder Straße 114 gehört. Vorerst könne das Gelände in gewohnter Weise ohne Einschränkungen genutzt werden, sagte Liebig der SZ. Damit hat er nichts mehr zu tun: „Mit der erfolgreichen Übertragung des operativen Geschäftsbetriebs wird sich die weitere Verfahrensbearbeitung auf die Abwicklung der KGaA konzentrieren.“