Intelligente Menschen kennen sich besser mit Wein aus
Stand: 27.08.2026 08:19 Uhr
Ein bisschen klingt es ja schon nach Klischee: Jemand mit hohem IQ schwenkt einen feinen Rotwein in seinem Glas und fachsimpelt über Rebsorte und Bukett. Eine Studie zeigt nun: Anscheinend können intelligente Menschen das tatsächlich besonders gut.
von Daniela Schmidt
Menschen mit einem hohen IQ-Wert performen meist gut in der Schule und im Beruf. Klar: In beiden Feldern gibt es auch gewisse Anreize, sei es der Erfolg durch Noten oder die Bezahlung. Aber sorgt eine ausgeprägte Intelligenz auch jenseits dieser Umgebungen für eine erhöhte Lern- und Leistungsfähigkeit, etwa in bestimmten "Hobby-Fachgebieten"? Das wollte der Psychologe Maximilian Krolo von der Universität des Saarlandes wissen. Und setzte auf den Wein.
Schritt 1: Kognitive Leistungsfähigkeit testen
Für seine Untersuchung ließ Krolo gemeinsam mit seinem Forschungskollegen Timothy C. Bates von der University of Edinburgh 525 Versuchspersonen einen ICAR-Test absolvieren, das steht für "International Cognitive Ability Resource", mit dem sich die kognitive Leistungsfähigkeit messen lässt. Getestet wird in vier Bereichen: verbales schlussfolgerndes Denken, schlussfolgerndes abstraktes Denken (Matrix-Aufgaben), logisches und numerisches Denken (Buchstaben- und Zahlenreihen), räumliches Vorstellungsvermögen (3-D-Rotation).
Schritt 2: 68 Fragen rund um Wein
Im Anschluss mussten die Probandinnen und Probanden einen Multiple-Choice-Test mit 68 Fragen des Wine & Spirit Education Trust rund um das Thema Wein beantworten, der sich für gewöhnlich an Fachpersonal in Weinwirtschaft und Gastgewerbe richtet. Als Krolo die beiden Testreihen zusammenführte, wurde klar: Wer im Intelligenztest einen hohen Wert erzielt hatte, punktete mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auch beim Weinwissen.
Also: macht Wein schlau?
Aber was heißt das nun: Dass schlaue Menschen gerne Wein trinken und nicht so schlaue eher Bier? Oder dass intelligente Menschen tendenziell auch beruflich öfter mit Wein in Verbindung kommen und sich daher automatisch besser auskennen? Beide Faktoren rechnete Krolo heraus, indem er Getränke-Präferenzen und Berufe der Teilnehmenden abfragte. Vielmehr sehen wir in den Ergebnissen vermutlich den sogenannten g-Faktor der Intelligenz in Aktion: den "Generalfaktor".
Die universelle Seite der Intelligenz
Gemeint ist damit eine allgemeine kognitive Leistungsfähigkeit, die sich in guten Werten in Intelligenztests niederschlägt, aber eben auch in anderen Bereichen zum Tragen kommen kann. "Das legt nahe, dass Intelligenz das Lernen wirklich fördert", fasst Krolo zusammen. "Allgemeinwissen gilt meist als ein breiter, aber oberflächlicher Wissenspool. Unsere Ergebnisse zeigen, dass Intelligenz auch vorhersagt, wer innerhalb eines einzigen Bereichs tiefes Wissen entwickelt, völlig ohne den Druck von Prüfungen."
Wein ist "strukturierte Wissensdomäne"
Das heißt auch: Das Thema Wein war willkürlich gewählt, es scheint plausibel, dass die Versuchspersonen mit hohem IQ auch in anderen Fachbereichen gute Werte erzielt hätten. Doch Krolos Wahl fiel nicht durch Zufall auf das Thema. Wein sei eine strukturierte Wissensdomäne, in der Unterschiede in der Intelligenz deutlich würden: "Jeder, der sachkundig über Wein sprechen will, braucht mehr als eine Sammlung von Fakten, die man auswendig lernt. Es reicht nicht aus, sich nur über Weinbergsklima, regionale Rebsorten oder verschiedene Weinherstellungstechniken zu informieren, man muss zum Beispiel auch verstehen, dass Trauben, die in kühlem Klima angebaut werden, tendenziell eine höhere Säure haben und dieses Prinzip auf bestimmte Fälle anwenden können."
"Weniger elitär, als viele annehmen"
Wichtig: Keineswegs heiße das, dass Weintrinken und Weinkennertum nun den Intelligenzbestien unter den Menschen vorbehalten sei. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass Weinwissen ein strukturierter Wissensbestand ist, der genauso erworben werden kann wie Fachwissen in jedem anderen Bereich. Es ist daher weniger elitär, als viele annehmen", so Krolo.
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