Inter Mailands Diouf verhindert KSC
Prächtige Farben im weiten Rund, eine stattliche Kulisse, dazu greifbare Vorfreude: Die Sommerpause im Wildpark war am Sonntagnachmittag zu Ende, und ansprechender Sommerfußball vor, mit offiziell 31.326 Zuschauern, ausverkauftem Haus machte zwei Wochen vor dem Saisonauftakt in der 2. Bundesliga gegen Arminia Bielefeld den Anfang: Mit Inter Mailand, dem als Gegner engagierten Gast des Karlsruher SC, gab sich ein zugkräftiger Vertreter aus dem europäischen Fußball-Adel auf der Durchreise die Ehre. Diouf dreht Partie in der Nachspielzeit Wie das vor drei Jahren schon der FC Liverpool getan hatte, nutzte der italienische Meister und Pokalsieger den Schlusspunkt eines Trainingslagers in Donaueschingen für ein Freundschaftsspiel im BBBank Wildpark. Anders als bei der 2:4 Niederlage seinerzeit schien der KSC diesmal schon auf der Gewinnerstraße. Doch dann gab der Mailänder Andy Diouf mit zwei Kunstschüssen in der Nachspielzeit dem Spiel noch eine Ergebniswende. Tim Civeja (50.) hatte den KSC in Führung gebracht. Zor im Team – Müller nicht einmal im Kader Senft überraschte mit seiner Systemwahl für die Saisoneröffnungs-Gala mehr als bei der Auswahl seines Personals. Zum ersten Mal wich er von der 5-3-2-Staffelung ab, die er seit dem Start der Vorbereitung aufziehen ließ, bevorzugte das Spiel mit Viererkette vor Torwart Hans Christian Bernat. Vor der Kette mit Sebastian Jung, Christoph Kobald, Marcel Franke und Deniz Ofli formierte er den jüngsten Sechser im Kader: Der in der vergangenen Saison aus der U19 zu den Profis beförderte Danyal Zor übernahm die zentrale Rolle vor der Abwehr. Dass sich weder Andreas Müller noch Heyok-Kyu Kwon und auch nicht Meiko Wäschenbach im Kader wiederfanden, zeigte deutlich auf, wie Senft deren Situation für die Plätze im Zentrum einschätzt. Von Beginn an sind Zutaten des Senft-Fußballs zu sehen Inter Mailands Coach Cristian Chivu schickte eine vom 70-maligen Nationalspieler Nicolò Barella angeführte Elf in die Partie, in der mit dem Ex-Kölner Yann Bisseck und dem früheren BVB-Star Henrikh Mkhitaryan zwei Profis standen, die man noch aus der Bundesliga kennt. Es war zunächst eine verstärkte B-Elf. Die Doppelspitze im 5-3-2 bildeten Italiens aktueller Nationalspieler Pio Esposito und Jamal Iddrissou. Schon direkt zu Beginn ließen sich einige Zutaten des Senft-Fußballs erkennen: Die KSC-Elf attackierte sehr hoch, ging die Sache mutig an. Den Torwart Hans Christian Bernat, ein Novum an Ort und Stelle, sah man zeitweise kurz hinter dem Mittelreis das Treiben seiner Vorderleute beobachten. Erste Eckbälle und Einwürfe, deren gewitzte Verarbeitung keine Randthemen in der bisherigen Vorbereitung unter Christian Eichners Nachfolger Senft waren, sprangen heraus – und eine erste Chance: Marcel Franke setzte seinen Kopfball aber etwas zu hoch an. Muntere und offene Partie Die erste Gelegenheit, sich auszuzeichnen, ergab sich für Bernat auf der gegenüberliegenden Platzseite nach sieben munteren Minuten. Der Däne entschärfte einen Kopfballversuch Iddrissous. Noch bevor die Zehnminutenmarke erreicht war, tauchte der offensiv ausgerichtete Rafael Pinto Pedrosa einmal gefährlich vor Inter-Keeper Josep Martinez auf. Nach nicht ganz einer Viertelstunde mühten sich die Gäste über Ballbesitz ins Geschehen, der KSC ließ von seiner anfänglichen Intensität im Spiel gegen den Ball zwischenzeitlich etwas ab. Doch ein Heber von Marvin Wanitzek (15.) aus der Distanz, der auf dem Tornetz endete, sorgte für Raunen auf den Rängen. „Wanitzek – Fußballgott!“ Da war er wieder. Ihr macht unseren Sport kaputt. KSC-Fans auf der Südtribüne während der Trinkpause Nach einem weiten Einwurf von Ofli landete der Ball hinter der Strafraumgrenze der Mailänder beim KSC-Kapitän, dessen verdeckter Schuss Martinez nicht überraschte. Pfiffe nach 24 Minuten: Trinkpause! Schon bei der WM ohne Anklang geblieben. Das Karlsruher Fußballpublikum konnte der von Schiedsrichter Daniel Schlager vorgegebenen Unterbrechung nichts abgewinnen. „Ihr macht unseren Sport kaputt!“, lautete die Antwort von der Südtribüne. Taktisch interessantes Spiel bis zur Pause torlos Im Sturm des KSC besetzte Moritz Broschinski durchgehend das Zentrum, Shio Fukuda stieß vorzugsweise über die linke Seite nach innen. Dort schob zuverlässig Wanitzek aus dem Zentrum in die Tiefe und war sich auch nie zu schade, vorn konsequent den Aufbau der Mailänder zu stören. So blieb es aus KSC-Sicht vor allem in taktischer Hinsicht ein interessantes Spiel. Bernat hatte in der 34. Minute gegen den ehemaligen deutschen Nationalspieler Yann Bisseck den in diesem Moment drohenden Rückstand vermieden. Zor (37.) wiederum war vor der Nordtribüne einmal drauf und dran, für die Blau-Weißen auf 1:0 zu stellen. Eingewechselter Civeja besorgt die KSC-Führung Während Inter zum zweiten Abschnitt komplett durchtauschte, beließ es Senft zunächst bei zwei Wechseln im Mittelfeld. Für Zor und Wiethaup kamen Santeri Väänänen und Tim Civeja in die Partie. Keine fünf Minuten nach Wiederbeginn sorgte Civeja nach einem Ballverlust von Benjamin Pavard gegen Broschinski für die KSC-Führung. Der Vorarbeiter bewies danach mit seinem Pass von der Grundlinie in den Rückraum ein gutes Auge für den dort eingelaufenen Civeja, der ins rechte Toreck vollstreckte. Als sich die KSC-Fans schon auf einen netten Prestigesieg einzustellen begannen, hämmerte Andy Diouf einen Gewaltschuss aus etwa 20 Metern zum 1:1. Pavard und Zielinski lassen Doppelchance zum Ausgleich liegen Senft war in der Coaching-Zone viel unterwegs, nahm immer wieder auch direkte Rücksprache mit den Assistenten in seinem Rück. Mailand tat sich schwer, italienisches Temperament walten zu lassen. Ein Schuss von Luka Topalovic (64.) zwang Bernat zum Eingreifen, ansonsten blieb auch das Bemühen des frischen Anzugs lange überschaubar. Vor der zweiten Trinkpause aber ließen nacheinander Pavard und Piotr Zielinski (67.) gegen Bernat eine Doppelchance zum Ausgleich liegen. Noel Eichinger und Rafael Ponente-Ramirez kamen für die letzten 25 Minuten anstelle von Pinto Pedrosa und Broschinski. Der Ex-Kölner Ponente-Ramirez setzte in der 80. Minute einen Linksschuss von der Strafraumgrenze knapp am Torknick vorbei und verwickelte Ebenezer Akinsanmiro immer wieder in Laufduelle. In der Schlussphase sah sich Wanitzek im Strafraum im letzten Moment gestoppt, doch Schlager sah, anders als protestierende Karlsruher, in dieser Szene nichts Regelwidriges. Diouf zeigte dann in der Nachspielzeit mit zwei Schüssen von hinter der Strafraumgrenze, was individuelle Klasse auf europäischem Top-Niveau bedeutet. Seinem Ausgleichtreffer ließ er kurz vor Schluss noch den Siegtreffer für Inter folgen. Calhanoglu nicht im Stadion Aus gegebenem Anlass hatten viele KSC-Fans darauf gehofft, den 2013 an den Weltfußball verlorenen Hakan Calhanoglu wiederzusehen. Bekanntlich feierte der Kapitän der türkischen Nationalmannschaft in den zurückliegenden fünf Jahren zwei Meistertitel und drei Pokalsiege mit den Nerazzurra. Doch der 32 Jahre alte Mannheimer, der auch das achttägige Trainingslager in Donaueschingen noch nicht mitgemacht hatte, war zur Gala seines Clubs an alter Wirkungsstätte nicht anzutreffen. Wie sein Berater Gordon Stipic-Wipfler auf Nachfrage erklärte, absolvierte Calhanoglu nach seinem WM-bedingten Sonderurlaub in Mailand gerade die leistungsdiagnostischen Tests, die seinem Einstieg ins Inter-Training vorausgehen. Außer Calhanoglu fehlten der argentinische Vize-Weltmeister und Kapitän Lautaro Trainers Cristian Chivu. Zweiter KSC-Anzug unterliegt im geheimen Vorspiel dem VfR Mannheim Wer am Sonntag mit einigem zeitlichen Vorlauf im Stadion eintraf, bekam möglicherweise gerade noch in den letzten Zügen mit, wie ein Teil der KSC-Profis auf dem Trainingsplatz in einem vorgezogenen Testspiel beschäftigt war. Senft ließ dort den Teil seines Kaders, für den er später im Stadion keine oder nur wenig Spielzeit vorgesehen hatte, gegen den VfR Mannheim antreten. Der KSC unterlag dem Regionalliga-Aufsteiger, bei dem der frühere KSC-Profi als Assistenztrainer fungiert, mit 2:3. Die Treffer für den KSC erzielten Jason Ponente-Ramirez und Niclas Dühring, für den VfR trafen Flamur Berisha (18.), Alexandru Paraschiv und Marvin Kadner (87.) Die bemerkenswerteste Randnotiz aus KSC-Sicht: Der Offensiv-Allrounder Lilian Egloff, der während der ersten Hälfte der Saisonvorbereitung überwiegend im Aufbau steckte, wirkte für die erste halbe Stunde mit und stand erstmals seit dem 20. März wieder für den KSC auf dem Feld. Den Führungstreffer durch Ponente-Ramirez hatte der 23-Jährige vorbereitet. So steht für den KSC nur ein letzter Test vor dem Ligastart am 8. August gegen Arminia Bielefeld aus. Der Zweitligist tritt am Samstag (15.30 Uhr) im Dietmar-Hopp-Stadion bei der TSG Hoffenheim an. Für den Bundesligisten aus dem Kraichgau wiederum sind die Pokalpflicht am 22. August in Aue und der Ligastart eine Woche später in Köln die Fixpunkte seiner Vorbereitung. Seine eigene wird er deshalb in zwei Wochen in London gegen Tottenham Hotspur erleben. Karlsruher SC (gegen Inter Mailand, 1:2): Bernat – Jung, Kobald, Franke, Ofli (61. Bergh) – Zor (Väänänen) – Pinto Pedrosa (69. Eichinger), Wanitzek, Wiethaup (46. Civeja) – Broschinski (69. Ponente-Ramirez), Fukuda (82. Scholl). Karlsruher SC (gegen den VfR Mannheim, 2:3): Himmelmann – Kwon, Scholl (46. Pulsejic), Manai – Ponente-Ramirez (46. Behr), Egloff (31. Arbai, 80. Walz), Müller, Eichinger (46. Sür), Bergh (46. Dühring) – Meyer, Laghrissi.