Intervallfasten im Alter: Lange Essenspausen könnten sogar schaden
TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen Intervallfasten gilt für viele als Wundermittel: Pfunde purzeln, der Blutzucker verbessert sich, der Stoffwechsel profitiert. Doch jetzt zeigt eine neue Langzeitstudie aus Schweden: Was für Jüngere gesund sein kann, könnte im Alter sogar schaden. Ab wann sollten Sie sich den Stress ersparen und wie erklären die Experten den Effekt? Die Forscher des schwedischen Karolinska-Instituts untersuchten Daten von 2981 Menschen ab 60 Jahren über einen Zeitraum von 15 Jahren. Im Mittelpunkt der Studie stand die Frage: Welche Folgen hat es, wenn ältere Menschen täglich lange Essenspausen einlegen? Das überraschende Ergebnis: Menschen über 60 mit den längsten Fastenphasen entwickelten in der Zeit schneller chronische Krankheiten als diejenigen mit kürzeren Essenspausen. Besonders auffällig war der Effekt bei Menschen ab 78 Jahren. Wer in dieser Altersgruppe regelmäßig 14 bis 24 Stunden nichts aß, bekam deutlich schneller chronische Erkrankungen als Gleichaltrige mit Essenspausen von 6 bis 11,5 Stunden. Herz, Kreislauf und Nerven leiden unter Fastenphasen Zu den Krankheiten zählten vor allem Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie neurologische und psychische Erkrankungen wie Demenz oder Depressionen. Studienautor Adrián Carballo-Casla sagt dazu: „Ein Großteil der Fastenforschung wurde an jüngeren oder mittelalten Populationen durchgeführt. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Zusammenhänge bei älteren Erwachsenen, insbesondere in den ältesten Altersgruppen, anders sein könnten.“ Als mögliche Gründe nennen die Studienautoren: Nährstoffe: Im Alter nimmt der Körper Vitamine und Mineralstoffe schlechter auf. Durch Fastenphasen gibt es noch weniger Möglichkeiten, Nährstoffe aufzunehmen. Muskelabbau: Bereits im mittleren Erwachsenenalter verliert der Körper Muskelmasse . Beim Fasten wird der Prozess durch kürzere Möglichkeiten für die Eiweißaufnahme beschleunigt. Medikamente: Viele ältere Menschen nehmen regelmäßig Medikamente ein, die häufig zu bestimmten Zeiten oder gemeinsam mit Mahlzeiten eingenommen werden müssen. Lange Essenspausen können hier Probleme verursachen. Nicht vom Fasten unter Druck setzen lassen Die Wissenschaftler betonen allerdings auch: Die Untersuchung beweist nicht, dass das Fasten direkt für die Krankheiten verantwortlich ist. Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie. Ein eindeutiger Ursache-Wirkungs-Zusammenhang lässt sich daraus nicht ableiten. Trotzdem sehen die Forscher ihre Ergebnisse als wichtigen Hinweis. Denn während Fasten oft als Gesundheitsbooster angepriesen wird, könnten die Vorteile im hohen Alter deutlich geringer sein oder sogar ins Gegenteil umschlagen. Für Menschen jenseits der 78 könnte deshalb gelten: Lieber regelmäßig und ausgewogen essen, statt sich von langen Fastenfenstern unter Druck setzen zu lassen. Denn im Alter zählt oft weniger, wann man isst, als viel mehr, dass der Körper ausreichend mit Energie, Eiweiß und Nährstoffen versorgt wird.