Interview: Dermatologe warnt vor Nachlässigkeit beim Sonnenschutz
Interview Dermatologe: "Es gibt keine gesunde Bräune" Stand: 20.08.2026 08:19 Uhr UV-Strahlung gilt als Hauptursache für Hautkrebs und die Belastung nimmt zu. Doch viele Menschen nehmen die Gefahr nicht ernst. Steffen Emmert von der Universitätsmedizin Rostock erklärt, warum etwa jeder Zweite es im Alter mit Hautkrebs zu tun bekommt und wie man sich davor schützen kann. von Sven Kochale, MDR AKTUELL Dermatologe Emmert: 3 einfache Regeln zum UV-Schutz Vorbräunen hilft da kaum: "Es gibt keine "gesunde Bräune." Jeder Zweite im Alter betroffen – Tagescréme ab 20 hilft. MDR AKTUELL: Der Sommer ist fast vorbei, muss man sich noch vor der Sonne schützen? Steffen Emmert: Auch wenn jetzt der Sommer ausklingt, sollte man sich vor intensiver Sonneneinstrahlung und UV-Strahlung schützen. Drei Sachen sollte man immer beachten: Sonne möglichst meiden, besonders um die Mittagszeit. Die Haut mit Kleidung schützen, möglichst auch den Nacken etwa durch eine Hut mit breiter Krempe. Sonnencreme ist wichtig für das Gesicht und die Handrücken, die man nicht textil schützen kann, bei intensiver Sonne am besten mit einem hohen Lichtschutzfaktor wie 30 oder 50. Was bedeutet der UV-Index mit Skalen von 1 bis 11? Der Index informiert über die Intensität der Sonnen- und UV-Strahlung. Wir sind ja eher Nordeuropäer mit heller Haut und haben überwiegend Hauttyp zwei. Das bedeutet, dass wir bei einem UV-Index von drei bis vier schon nach zehn bis 20 Minuten Sonnenbrand bekommen – also eine Entzündung der Haut durch die UV-Strahlen. Hilft Vorbräunen und sind diese Bräunungskapseln sinnvoll? Grundsätzlich hilft es, sich langsam an die Sonne heranzutasten und keinen Sonnenbrand zu bekommen. Wichtig ist: Aus medizinischer Sicht gibt es keine gesunde Bräune. Die Bräune ist ja der Versuch der Haut, sich vor der schädlichen UV-Strahlung zu schützen. Wir erreichen Lichtschutzfaktor 3 bis 5, wenn wir braun werden. Aber die eigene Bräune reicht nicht als UV-Schutz. Daher ja die Empfehlung zu Sonnencreme mit mindestens LSF 30 im Hochsommer. Aus medizinischer Sicht gibt es keine gesunde Bräune. Die Bräune ist ja der Versuch der Haut, sich vor der schädlichen UV-Strahlung zu schützen Dermatologe Steffen Emmert Wie haben sich die Zahlen bei Hautkrebs entwickelt? Die steigen leider in Europa noch immer deutlich an. Und das zeigt, dass es bei der Prävention noch immer Luft nach oben gibt. Ich sehe hier bei mir in Rostock-Warnemünde nach einem Strandtag am Abend noch immer viele junge Leute mit roten Schultern und Sonnenbrand. Das ist die Kundschaft einer Hautklinik in 30 Jahren. Die chronische UV-Belastung führt dazu, dass im Alter von 50 bis 60 Jahren etwa jeder Zweite mit Hautkrebs zu tun hat. Video: Gefahren durch Hautkrebs werden immer noch unterschätzt (2 Min) Sind Männer stärker betroffen als Frauen? Das ändert sich gerade. Viele Männer sind inzwischen stärker sensibilisiert, auf ihre Gesundheit zu achten und benutzen auch öfter Tagescrémes. Aber der beste Hautkrebsschutz und das beste Anti-Aging ist, mit dem UV-Schutz schon in jungen Jahren zu beginnen. In vielen Tagescrémes ist ja schon ein UV-Schutzfaktor 30 enthalten. Wer seine Haut schon ab 20 schützt, vermeidet Hautalterung, Faltenbildung und hintenraus natürlich auch den Hautkrebs. Das Radio-Interview führte Sven Kochale. Für eine bessere Lesbarkeit wurde das Interview redaktionell bearbeitet. MDR AKTUELL (ans)