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Investor stellte schon Anträge, aber klammheimlich wird der Windpark neu ausgeschrieben

Technologie

Fast unbemerkt ist Anfang August etwas Überraschendes passiert, das für das größte Windkraftprojekt Baden-Württembergs erhebliche Bedeutung hat: Forst BW hat die Flächen im Altdorfer Wald, auf denen der Windpark entstehen soll, erneut ausgeschrieben. Das klingt nach einer plötzlichen Wende und wirft Fragen auf. Kommt der Windpark doch nicht? Seit April 2022 planen die Projektierer der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) und iTerra Energy den Windpark, im Juni 2025 haben sie einen Antrag auf Genehmigung beim Landratsamt Ravensburg eingereicht. Und jetzt stehen die Flächen zum Angebot. Was steckt also hinter der Ausschreibung? Tatsächlich spricht derzeit wenig dafür, dass der Windpark grundsätzlich vor dem Aus steht. Vielmehr deutet vieles darauf hin, dass es hauptsächlich darum geht, dass der Prachtpreis niedriger wird. So deutlich sagt das aber niemand. Im Altdorfer Wald sind derzeit 28 Windenergieanlagen des Typs N175/6.X des Hamburger Herstellers Nordex geplant. Sie haben eine Nabenhöhe von 179 Metern und eine Gesamthöhe von rund 266,5 Metern. Das Investitionsvolumen liegt schätzungsweise bei 340 Millionen Euro. Kommen alle 28 Windräder wird nach Angaben der Projektpartner eine Gesamtleistung von bis zu 190 Megawatt erreicht, und es könnten rechnerisch 100.000 Haushalte mit Strom versorgt werden. Die Inbetriebnahme ist für 2028/2029 vorgesehen. Wie die Projektpartner vorgehen werden Am 4. August hat Forst BW die gesamte Fläche des Windparks Altdorfer Walds auf Staatsforstgebiet mit 2382 Hektar auf seiner Internetseite erneut zum Angebot eingestellt. Bis 10. September um 14 Uhr können sich sämtliche Windparkplaner bewerben. Forst BW rechnet mit einer Entscheidung über den Zuschlag bis Ende Oktober. Laut Forstverwaltung werden die Angebote aus einer Kombination aus dem gebotenen Pachtentgelt und der Qualität der Projektplanung bewertet und vergeben. Theoretisch ist es also wahrscheinlich, dass im Altdorfer Wald neue Planer ins Spiel kommen – praktisch hingegen eher weniger. Die Windpark Altdorfer Wald GmbH, so heißt die Projektgesellschaft, werde sich an der Ausschreibung beteiligen, sagt Sprecherin Katharina Wilsdorf auf Nachfrage der Schwäbischen Zeitung. Man hoffe, das Projekt weiterhin vorantreiben und umsetzen zu können. Zudem stehen die Chancen für einen Zuschlag hoch, weil das Projekt bereits fertig geplant ist. Doch warum sind die Flächen neu ausgeschrieben worden? Wilsdorf verweist auf die sich „veränderten wirtschaftlichen, regulatorischen und planerischen Rahmenbedingungen“. In den vergangenen Wochen und Monaten habe es deshalb Gespräche zwischen Forst BW und der Windpark Altdorfer Wald GmbH gegeben. Die Ausschreibung sei eine Folge dieser Gespräche. Entscheidend sei, dass die Fläche unter neuen Bedingungen „rechtssicher, verlässlich und langfristig tragfähig“ für Windenergie genutzt werden könne. Wirtschaftlich geänderte Bedingungen Noch deutlicher wird Forst BW selbst. Pressesprecher Sascha Bahlinger spricht davon, dass sich seit der ersten Vergabe die Rahmenbedingungen auf dieser Staatswaldfläche „sehr ungünstig entwickelt“ haben. Er nennt dabei die Folgen des Ukrainekriegs, verschlechterte Energiepreise in allen Sektoren, geänderte rechtliche Bedingungen und eine veränderte Förderstruktur. Eine Realisierung des Projekts zu den damals vereinbarten Bedingungen sei deshalb nicht mehr möglich, so Bahlinger. Dazu zählen mit Sicherheit auch die gestiegenen Preise durch die Inflation. Es könnte zudem sein, dass die geschrumpfte maximale Anlagenzahl von 39 auf 28 ein ausschlaggebender Faktor ist. Vermutlich werden auch 28 nicht gebaut werden können, da der Altdorfer Wald mitunter als komplexes geologisches und ökologisches Gebiet gilt. Das bedeutet: Stromertrag und Einnahmen sinken bei gleichbleibenden bis steigenden Ausgaben. Vieles spricht deshalb dafür, dass die Flächenvergabe an neue Marktbedingungen angepasst werden soll. Das dürfte am einfachsten über den Pachtpreis zu regeln sein. Das wiederum wären weniger Einnahmen für den Flächeneigentümer – das Land Baden-Württemberg. Allerdings ist ein kleinerer Teil des Gebiets Privatwald, zu dessen Eigentümer das Fürstliche Haus von Waldburg zu Wolfegg und Waldsee zählt. An Windenergie wird festgehalten Forst BW betont zugleich, dass der Windpark aus seiner Sicht nicht gescheitert sei. Einerseits könnte sich die Windpark Altdorfer Wald GmbH darauf bewerben, andererseits sei es weiterhin Ziel von Forst BW, die Staatswaldflächen für Bau und Betrieb von Windenergieanlagen zur Verfügung zu stellen. Dafür spricht auch ein weiteres Detail der neuen Ausschreibung: Während der Altdorfer Wald bei der ersten Vergabe noch in drei Teilflächen aufgeteilt war, werden diese nun gemeinsam als eine Fläche angeboten. Forst BW begründet das damit, dass sich bei den bisherigen Planungen gezeigt habe, dass eine gesamtheitliche Planung sinnvoll sei – etwa bei der infrastrukturellen Erschließung oder bei der Erstellung von Gutachten. Politikwechsel verändert Fördergrundlage Wie sehr die sich die Rahmenbedingungen in der Windkraftbranche ändern und wie schwierig das Marktumfeld ist, zeigt die geplante Gesetzesänderung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) von Schwarz-Rot. Dies zeigt, wie schnell sich Wirtschaftlichkeit und Planungssicherheit verändern können. Zwar sagt Wilsdorf, die Ausschreibung stehe in keinem konkreten Zusammenhang mit der EEG-Novelle. Zugleich sei diese Ausdruck des dynamischen Marktumfelds, in dem sich Windenergieprojekte bewegten.

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