Iran bereit zur Eskalation in der Straße von Hormus
„Iran wird auf dem Kriegspfad bleiben“, so lautet der Befund eines früheren ranghohen US-Diplomaten, der mit dem Regime in Teheran zu tun hatte und vom „Wall Street Journal“ zitiert wurde. Die Aussichten auf einen baldigen Deal in der Konfrontation zwischen der Islamischen Republik und den Vereinigten Staaten sowie Israel sind laut Einschätzung von politischen Beobachtern und Diplomaten gering. Jetzt ist auch die Frist verstrichen, die in der amerikanisch-iranischen Absichtserklärung aus dem Juni vorgesehen war, um eine Einigung für die Beendigung des Waffengangs zu erreichen. Beide Seiten ließen diese Übereinkunft kollabieren, ohne Anstrengungen zu unternehmen, doch noch diplomatische Fortschritte zu erzielen. Der iranische Außenminister Abbas Araghchi erklärte am Wochenende, Teheran habe noch nicht entschieden, ob man die Gespräche mit den Vereinigten Staaten wieder aufnehmen werde. Die 60-Tage-Frist sei nicht mehr relevant, fügte er hinzu, da das Abkommen vom Juni im Wesentlichen hinfällig sei. „Wir hatten keinen Waffenstillstand, der nun verlängert werden müsste“, sagte Araghchi. In der Zeit hätte ein Ende des Krieges verhandelt werden sollen. Aber in dieser Frage gebe es jetzt einen „neuen Status“. F.A.Z.-Artikel häufiger in Ihren Suchergebnissen sehen F.A.Z. bei Google bevorzugen Iran verschärft den Ton Dessen Zeichen stehen eher auf Konfrontation. Sowohl aus Washington als auch aus Teheran kamen zuletzt Signale, nicht nachgeben zu wollen und sich auf einen Abnutzungskampf einzustellen. Die Führung in Teheran hatte kurz vor dem Ende der Frist am Montag noch einmal sehr deutlich gemacht, dass man Trump in einem entscheidenden Punkt nicht entgegenkommen werde: Teheran will seinen Griff auf die strategisch wichtige Meerenge Straße von Hormus nicht lockern. „Akzeptieren Sie die Realität ein für alle Mal. Bislang haben Sie schwere strategische Niederlagen erlitten“, erklärte Kazem Gharibabadi, der stellvertretende iranische Außenminister, an Washington gerichtet. „Die Straße von Hormus gehörte Iran, gehört Iran und wird Iran gehören.“ Der Ton Teherans verschärfte sich am Montag noch einmal. Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte einen nicht namentlich genannten ranghohen iranischen Funktionär mit der Drohung, sollte es keinen „diplomatischen Fortschritt“ geben, seien „alle iranischen Entitäten“ bereit für eine Eskalation in der Straße von Hormus und der Region. Iran ändere seine defensive Doktrin in Richtung einer offensiven Politik, behauptete dieser weiter. „Der eigentliche Krieg hat noch nicht begonnen“ Das Regime hatte dem Deal vom Juni ohnehin nicht getraut, wie es von einer Quelle mit politischen Kontakten in Teheran heißt. Die Führung habe in erster Linie einen Versuch Washingtons gesehen, Zeit zu gewinnen, um Kräfte für einen neuen Waffengang zu sammeln. Jeder Rückschlag in den Verhandlungen, jede neue Drohung von Präsident Donald Trump in den vergangenen Monaten seien als Beweis für diese Annahme gesehen worden. So richtete sich auch das iranische Regime auf eine neue Konfrontation ein. Das „Wall Street Journal“ zitierte Mohammad Hassan Sangtarasch, einen in Teheran ansässigen, führungsnahen Verteidigungsexperten, mit den Worten: „Es herrscht eine weitverbreitete Auffassung in Teheran, dass der eigentliche Krieg noch nicht begonnen hat.“ Der Sprecher der iranischen Revolutionswächter verkündete im Juli gegenüber der seiner Truppe nahestehenden Nachrichtenagentur Tasnim: „Wir haben die Zeit des Waffenstillstands voll ausgenutzt.“ Das Militär habe seine Fähigkeiten ausgebaut, die Raketenproduktion beschleunigt und die Treffgenauigkeit der Raketen verbessert. Ein iranischer Regierungsfunktionär erklärte schon vor einiger Zeit, jeder Waffengang mit den Erzfeinden sei wie ein Labortest, in dem Teheran wichtige neue Erkenntnisse gewinne, um seine Kriegsführung anzupassen. Bab al-Mandab im Visier der Huthi-Rebellen Dazu passen übereinstimmende Berichte aus arabischen und westlichen Quellen sowie von politischen Beobachtern, laut denen die Revolutionswächter nicht nur ihren Griff auf das iranische Militär gestärkt haben, sondern auch auf die von ihnen gesteuerte Schattenarmee arabischer Milizen. Im Irak, so heißt es, dirigierten iranische Offiziere jetzt das Tagesgeschäft. Auch in Beirut geben die Revolutionswächter in der Schiitenmiliz Hizbullah den Ton an. Im Jemen, so berichten dortige Quellen mit Zugang zu Geheimdienstinforationen, versucht Teheran die Huthi-Rebellen auf iranische Linie zu bringen. Die von Iran geförderte Bewegung verstärkte zuletzt die Konfrontation mit Saudi-Arabien und weitete den Konflikt auf das Rote Meer aus. Die Raketen und Drohnen der Huthi bedrohen mit dem Bab al-Mandab (Tor der Tränen) ein weiteres Nadelöhr des Welthandels und Energieexports vom Golf. Die Rebellen folgen immer auch eigenen Erwägungen und lassen sich nicht so direkt lenken wie die Hizbullah. Aber sie scheinen eine Ausweitung des Konfliktes zumindest nicht zu scheuen. Auch die jüngsten Personalentscheidungen des iranischen Obersten Führers Modschtaba Khamenei werden als Zeichen dafür gewertet, dass sich Teherans Haltung verhärtet hat. Sie stärken die hartleibige alte Garde. Schlüsselstellen des Militärs und der Revolutionswächter wurden neu besetzt. Letztere bekamen etwa einen neuen Befehlshaber und einen neuen Kommandeur der Seestreitkräfte, was angesichts der Bedeutung der Straße von Hormus ein wichtiger Posten ist. Die mächtigen paramilitärischen Bassidsch-Kräfte, die oft zur Niederschlagung von Protesten eingesetzt werden, werden nun von einem ehemaligen Geheimdienstchef geführt. Vor allem aber ernannte Khamenei Mohsen Rezai zum neuen Sekretär des Sicherheitsrats, der als Urgestein der Revolutionswächter und ideologischer Hardliner gilt. Er steht für jene Kräfte in der Führung, die zwar nicht grundsätzlich gegen Verhandlungen mit Washington sind, die aber Trump in der Defensive sehen und eine Hormus-Öffnung von erheblichen amerikanischen Zugeständnissen abhängig machen. Berichte über Munitionsmangel in Washington Dabei bleibt indes die Frage offen, wie hoch der Preis ist, den Iran dafür zahlen kann. Denn mit einer solchen Haltung wettet Teheran darauf, dass es die wirtschaftlichen Härten, die mit einer Fortsetzung des Konfliktes einhergehen, länger aushalten kann als die amerikanische Führung. Washington will den Druck nach eigenem Bekunden noch einmal erhöhen. Der amerikanische Finanzminister Scott Bessent hat erklärt, Washington werde Maßnahmen gegen Teheran verhängen, wie sie „noch nie zuvor gesehen wurden“. Aber hier bleiben nach Einschätzung von Experten Probleme: So hilft zum Beispiel China dem iranischen Regime als Abnehmer von Öl, was als Lebensader für das Regime beschrieben wird. Außerdem wären die langen Landgrenzen nur schwer mit einer Blockade zu belegen, die den Fluss von Lebensmitteln, Textilien oder Energie kappen würde. Die militärischen Möglichkeiten Trumps, ein Einlenken des iranischen Regimes zu erzwingen, scheinen begrenzt zu sein. Ein Problem sind offenbar schwindende Vorräte an wichtiger Munition. Laut Berichten in der amerikanischen Presse hat der Präsident Ende Juli eine erhebliche Eskalation der Militärkampagne gegen Iran unter anderem deshalb verschoben, weil es eine Debatte über die ausgedünnten Bestände an Abfangraketen gab. Generalstabschef Dan Caine habe gewarnt, eine Wiederaufnahme massiver Luftangriffskampagnen sei deshalb zwar nicht unmöglich, aber risikoreicher, meldete das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf Regierungsmitarbeiter. Die „New York Times“ berichtete vor einer Woche, das Pentagon habe im Krieg mit Iran 1500 Abwehrraketen des Typs Patriot verbraucht. Es seien noch 1700 übrig, während die Jahresproduktion 2025 bei etwa 600 gelegen habe. Trump hat erklärt: „Wir haben mehr Munition als irgendjemand auf der Welt.“ Die Frustration des amerikanischen Präsidenten über das Patt mit Iran und die fortdauernde Schließung der Straße von Hormus bekam auch Oman zu spüren. Das Sultanat, das funktionierende Beziehungen zu Iran unterhält und einen auf Ausgleich zielenden außenpolitischen Kurs verfolgt, sollte laut der Absichtserklärung vom Juni eine zukünftige Einigung über die Wasserstraße mit Teheran aushandeln. „Ich glaube nicht, dass sie sich sehr gut verhalten haben“, sagte Trump am Montag vor Journalisten. Im Sender Fox News hatte er gedroht, die Vereinigten Staaten würden Oman in Grund und Boden bombardieren, sollte das Land den Bemühungen um einen Deal mit Iran im Weg stehen. Zugleich behauptete Trump, er habe damit aber „keine Eile“.