Iran diktiert den Preis für Hormus: Jetzt muss Trump zahlen oder eskalieren
KI-Stimme. Info Der Krieg sollte Iran in die Knie zwingen. Fast sechs Monate nach Beginn der amerikanisch-israelischen Militär-Operation droht an der Straße von Hormus das Gegenteil. Teheran stellt die Bedingungen – und Donald Trump muss entscheiden, wie viel er für ein Ende der Blockade zu zahlen bereit ist. Der neue Forderungskatalog aus dem Obersten Nationalen Sicherheitsrat in Teheran ist maximalistisch. In sechs großen Komplexen verlangt der Iran: ein dauerhaftes Ende des Krieges und die Einstellung amerikanischer Drohungen; ein Ende von Angriffen auf Iran und seine Verbündeten; die Aufhebung der US-Seeblockade; den Rückzug amerikanischer Streitkräfte; milliardenschwere Entschädigung für Kriegsschäden, die Aufhebung der Wirtschafts-Sanktionen und die bedingungslose Freigabe eingefrorener Vermögen. Die Botschaft: Die technische Einigung mit dem Nachbarn Oman über neue Fahrrinnen durch die Meerenge in Hormus hat aus iranischer Sicht noch längst keine Öffnung der Seestraße zur Folge. Auch interessant Iran widerspricht USA: Straße von Hormus bleibt blockiert Damit korrigiert Teheran die optimistische Darstellung aus Washington. Noch am Freitag hatte ein US-Regierungsvertreter erklärt, ein Iran-Oman-Abkommen stehe kurz bevor und danach werde Amerika seine Blockade iranischer Häfen aufheben. Die Revolutionsgarden konterten: „Erst wenn die Vereinigten Staaten Irans Bedingungen akzeptieren, wird die Straße von Hormus wieder geöffnet.“ Iran glaubt, einen Hebel gefunden zu haben, der direkt in die amerikanische Innenpolitik reicht. Vor dem Krieg lief rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und Gases durch die Meerenge. Solange der Verkehr stark eingeschränkt bleibt – zuletzt passierten am Tag statt 130 nur knapp zehn Tanker das Nadelöhr – bleiben Energie- und Transportkosten hoch. Knapp 80 Tage vor den Kongresswahlen ist das für Trump prekär. Er braucht sinkende Benzinpreise. Teheran weiß das. Mahdi Mohammadi, Berater des iranischen Chefunterhändlers Masoud Pezeshkian: „Sie haben den Krieg begonnen, aber sein Ende lag nie bei ihnen. Wir entscheiden, wann er endet.“ Vance: Wir sind „mitten im Spiel“ Washington widerspricht. Vizepräsident JD Vance erklärte am Samstag, die USA seien „mitten im Spiel“. Man setze „diplomatische, wirtschaftliche und militärische Mittel“ ein. Priorität sei, wieder möglichst viel Öl und Gas durch Hormus zu bekommen. Vance behauptete zudem, Iran habe versichert, keine Maut erheben zu wollen. Das passt nur teilweise zu den öffentlichen Signalen aus Teheran. Mittelfristig wollen der Iran und der Oman durch Transfergebühren täglich dreistellige Millionensummen einnehmen. Iran-Krieg: Trump steht vor einem Dilemma Für Trump entsteht ein Dilemma. Ein groß angelegter Militär-Angriff bleibt als Szenario real. Der Präsident hatte ihn bereits autorisiert und Anfang August nach Intervention Saudi-Arabiens, Katars und der Emirate wieder ausgesetzt. Denn der Iran droht den Golfstaaten, bei neuen US-Angriffen Öl-, Strom-, Wasser- und Verkehrsinfrastruktur in der gesamten Region zu ruinieren. Selbst schwere Bombardierungen garantieren nicht, dass Hormus dauerhaft frei wird. Minen, Küstenraketen, Drohnen und mobile Abschussanlagen lassen sich nicht mit einem einzigen „Befreiungsschlag“ beseitigen, sagt selbst die US-Militärführung. Analysen halten zwar amerikanische Bodentruppen für möglich, wollte Washington die Passage gegen anhaltenden iranischen Widerstand erzwingen. Vor den „midterms” wäre das Trumps riskanteste, weil potenziell blutigste, Variante. Auch interessant „Spiel auf Zeit“ beginnt Am wahrscheinlichsten, so Iran-Experten in Washington, ist deshalb zunächst ein „Spiel auf Zeit”. Oman, Katar und Saudi-Arabien würden versuchen, einen provisorischen Deal zu bauen: sichere Fahrspuren, keine Maut in einer Übergangsphase, weniger Angriffe auf Handelsschiffe, im Gegenzug eine schrittweise Lockerung der US-Blockade. Die großen Fragen – Sanktionen, eingefrorene Vermögen, Entschädigungen und US-Truppenpräsenz – könnten vertagt werden. Die bisher bekannten Entwürfe und die Vermittlungsbemühungen der Golfstaaten deuten in diese Richtung. Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost Die zweite Möglichkeit ist ein gesichtswahrender amerikanischer Rückzug in Raten. Trump könnte begrenzte Sanktionserleichterungen, die Freigabe bestimmter Gelder oder einen Entschädigungsmechanismus akzeptieren und das innenpolitisch als Preis für freie Schifffahrt verkaufen. Einen generellen Truppenabzug oder eine formelle iranische Hoheit über die Straße von Hormus dürfte Washington kaum akzeptieren. US-Vertreter haben wiederholt erklärt, dass Teheran die Passage weder kontrollieren darf noch Schiffe für die Durchfahrt bezahlen sollen. Neue Eskalation hätte einen hohen Preis Die dritte Möglichkeit ist Eskalation. Sie würde wahrscheinlicher, falls Iran erneut US-Soldaten tötet, einen großen Tanker versenkt oder die Verhandlungen scheitern lässt. Dann könnte Trump versuchen, durch massive Angriffe die Verhältnisse noch vor der Wahl im November zu drehen. Doch darauf hat Teheran seine Abschreckung ausgerichtet: Jeder US-Schlag soll einen so hohen regionalen Preis haben, dass Washington davor zurückschreckt. Auch interessant Der Iran hat den Krieg damit nicht gewonnen. Seine Wirtschaft ist schwer getroffen, die US-Blockade würgt Einnahmen ab, innenpolitischer Unmut bleibt eine Gefahr. Aber mit der Straße von Hormus besitzt Teheran derzeit das, was Trump gern „die Karten“ nennt. Er kann eskalieren und einen größeren Krieg riskieren. Oder verhandeln und massive Zugeständnisse machen, die vor wenigen Monaten undenkbar erschienen. Genau diese Wahl wollte Teheran erzwingen.