Iran-Krieg aktuell: Trump scheitert an der Straße von Hormus
Startseite Politik Trumps Dilemma im Iran-Krieg: Teheran kann die USA nicht besiegen – aber einen Sieg verhindern Von: Felix Busjaeger Uns auf Google folgen Trumps Militärmacht reicht nicht: Der Iran kann die USA nicht besiegen – aber er kann verhindern, dass Washington die Straße von Hormus kontrolliert. Eine Analyse. Teheran/Washington, DC – US-Präsident Donald Trump kokettiert mit der Übernahme der Straße von Hormus, der Iran weist die Pläne zurück und stellt die Wiederaufnahme von Verhandlungen mit den USA offen infrage: Nachdem im aktuellen Iran-Krieg dieser Tage die Frist für das Aushandeln eines Abkommens zwischen Washington und Teheran ausläuft, bleibt die gegenwärtige Lage im Nahen Osten weiter vor einer ungewissen Zukunft. Zwar berichteten mehrere US-Medien, dass die USA wegen der Kämpfe vor Munitionsproblemen stehen, doch unbestritten ist, dass die US-Streitkräfte den iranischen deutlich überlegen sind. Dennoch gelang es der Trump-Administration bislang nicht, ihre zentralen Anliegen im aktuellen Iran-Krieg durchzusetzen. Im Mittelpunkt steht dabei die Straße von Hormus. Während der amerikanische Präsident auf eine US-Kontrolle pocht, sitzt die Führung in Teheran die Situation aus. Genau darin liegt das eigentliche Paradox des gegenwärtigen Konflikts: Der Iran kann die amerikanische Militärmacht nicht besiegen, aber er kann offenbar verhindern, dass Washington seine Überlegenheit in einen politischen Sieg übersetzt. Aktuelle Lage im Iran-Krieg: Straße von Hormus wird zu Trumps Dilemma Donald Trump braucht zwingend einen Sieg im aktuellen Iran-Krieg. Der US-Präsident hat in den Vereinigten Staaten mit wachsendem Widerstand gegen seine militärischen Aktionen im Nahen Osten zu kämpfen. Er benötigt den Erfolg auch, weil ein Abbruch ohne sichtbares Ergebnis seine eigene Kriegsentscheidung entwerten könnte. Während der Republikaner stets die militärische Überlegenheit betont, war es ausgerechnet sein ranghöchster General, der zuletzt damit auffiel, dass er die USA möglichst schnell aus dem Konflikt führen will. Laut CNN habe General Dan Caine erhebliche Zweifel an der US-Strategie, die seiner Ansicht nach Trumps Ziel im Iran verfehlen würde. Zudem würden die Kosten für die Nation weiter ansteigen. Der Iran befindet sich trotz seiner schwächeren Ausgangslage in einer strategisch weniger ungünstigen Position, als die amerikanische Überlegenheit vermuten lässt. Die iranische Führung muss die Vereinigten Staaten nicht militärisch schlagen. Es reicht, die Kosten eines amerikanischen Sieges so weit in die Höhe zu treiben, dass Washington irgendwann zwischen militärischer Dominanz und politischer Zielerreichung unterscheiden muss. Die Straße von Hormus ist dafür ein besonders wirkungsvolles Instrument. Schon eine weitgehende Behinderung der Schifffahrt beeinflusst die globalen Energiemärkte und setzt zugleich die Golfstaaten unter Druck. Der Iran kann damit eine amerikanische Schwachstelle ausnutzen: Washington besitzt die Fähigkeit, die Meerenge militärisch zu kontrollieren, kann aber nicht ohne Weiteres garantieren, dass der internationale Handel dort wieder normal funktioniert. Teheran setzt somit weniger auf einen Sieg auf dem Schlachtfeld als auf die Verhinderung eines Sieges der Gegenseite. Kein Ausweg aus Iran-Krieg: Trump erhöht Druck auf Teheran wegen Straße von Hormus Washington ergänzt militärischen um wirtschaftlichen Druck. Mithilfe der Blockade iranischer Häfen soll deshalb der Einbruch der iranischen Öleinnahmen beschleunigt werden. Dahinter steht die Annahme, dass wirtschaftlicher Schmerz irgendwann in politische Zugeständnisse übersetzt wird. Genau das ist jedoch keineswegs garantiert. Der Iran leidet unter der Isolation, verfügt aber zugleich über jahrzehntelange Erfahrung im Umgang mit Sanktionen und wirtschaftlicher Abschottung. Die iranische Führung kann Belastungen auf die Bevölkerung abwälzen und ihre wichtigsten staatlichen Strukturen schützen. Für Donald Trump ergibt sich daraus ein folgenschweres Dilemma: Der Druck auf Teheran kann zwar erhöht werden, aber zugleich bleibt unklar, wann dieser dazu führt, dass das Regime nachgibt. Entscheidend könnte deshalb weniger sein, wer wirtschaftlich stärker leidet, sondern wer den Konflikt länger durchhalten kann. Für die Regierung in Washington entstehen mit zunehmender Dauer eigene Kosten. Hohe Energiepreise können die amerikanische Wirtschaft belasten, ein dauerhafter Militäreinsatz bindet erhebliche Ressourcen. Der Iran verfolgt dagegen einen anderen Zeithorizont: Er muss nicht schnell Resultate erzielen; er muss lediglich vermeiden, zu Bedingungen nachzugeben, die seine politische Position dauerhaft schwächt. Diese Asymmetrie verändert die Logik des aktuellen Iran-Kriegs. Trump benötigt auch mit Blick auf die Midterms einen Weg aus dem Krieg, der sich als Erfolg verkaufen lässt. Teheran kann darauf setzen, dass der Druck auf die USA mit der Zeit selbst zum Problem wird. Die entscheidende Frage lautet deshalb vielmehr, wer diesen Schaden länger politisch aushalten kann. „Teheran hat aus jedem Machtkampf mit Washington eine einfache Lehre gezogen: Bewahrt man lange genug die Nerven, weicht Amerika zuerst aus“, sagte Ali Vaez, stellvertretender Programmdirektor der International Crisis Group für den Nahen Osten und Nordafrika, laut dem Wall Street Journal (WSJ). Teheran pocht auf Kontrolle: Klare Ansage an Trump wegen Straße von Hormus Nach Einschätzung des WSJ rücken die gegenseitigen Bemühungen, sich einander wirtschaftlich schaden zu wollen, einen diplomatischen Ausweg aus dem aktuellen Iran-Krieg in weitere Ferne. Vor dem Hintergrund ist die Straße von Hormus für den Iran ein wirtschaftlicher Hebel, ein militärisches Druckmittel und zugleich eine Frage nationaler Souveränität. Dies wird nicht zuletzt auch an den jüngsten Vorstößen Teherans deutlich: „Der US-Präsident sollte sich eher um seine eigene Sicherheit sorgen als um seine endlosen Bluffereien in Bezug auf die Straße von Hormus, bevor er am Ende in einem Imbisswagen untertauchen muss“, sagte Ebrahim Azizi, der Vorsitzende der Kommission für Nationale Sicherheit und Außenpolitik des iranischen Parlaments, am Sonntag. Zudem sucht der Iran bei der Hormus-Debatte laut IRIB den Schulterschluss. Seit Wochen heißt es, man stehe kurz vor dem Abschluss eines Abkommens mit Oman, das neue Schifffahrtsrouten in der Straße von Hormus festlegen soll. Am Samstag erklärte der iranische Außenminister, Teheran und Oman könnten „bald eine Einigung“ erzielen. Araghchi betonte jedoch, dass diese Verhandlungen und die Wiedereröffnung der Wasserstraße „zwei getrennte Angelegenheiten“ seien. „Ob die Straße wieder geöffnet wird oder nicht, hängt von der Erfüllung anderer Bedingungen durch die USA ab.“ Iran-Krieg aktuell: USA und Teheran ringen um Hormus-Frage Militärisch können die USA die Region dominieren; politisch können sie den Iran jedoch nicht ohne Weiteres dazu bringen, die von Washington gewünschte Ordnung zu akzeptieren. Genau deshalb ist die Straße von Hormus zum Kern des Konflikts geworden. Für Teheran geht es längst nicht mehr allein darum, welche Schiffe die Meerenge passieren können. Es geht um die Frage, wer nach dem Krieg über die Regeln für eine der strategisch wichtigsten Wasserstraßen der Welt bestimmt. Washington kann den wirtschaftlichen und militärischen Druck auf Teheran weiter erhöhen. Der Iran kann im Gegenzug die Kosten dieses Drucks erhöhen. Nicht zuletzt, indem er Hormus als Hebel gegenüber den USA und deren Partnern am Golf nutzt. Solange beide Seiten davon ausgehen, dass die jeweils andere unter dem Druck zuerst nachgeben wird, gibt es keinen ausreichenden Anreiz für einen Kompromiss. Die militärische Überlegenheit der USA reicht deshalb nicht aus, um den Konflikt zu entscheiden. Am Ende könnte weniger die Frage entscheidend sein, wer über die größere Macht verfügt, als vielmehr, wer bereit ist, länger auf eine Lösung zu warten. (Quellen: dpa, Wall Street Journal, Axios, CNN, IRIB, Al Jazeera) (fbu)