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Iran-Krieg treibt Spritpreise hoch

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Vor 12 Uhr wird gehupt und beleidigt: Iran-Krieg treibt Spritpreise hoch

Von: Johannes Opfermann

Schnell noch tanken, bevor um 12 Uhr die Spritpreise steigen. An Tankstellen in Altena, Nachrodt und Lüdenscheid stehen Autofahrer unter Zeitdruck. Den Betreibern vermiest die 12-Uhr-Regelung das Geschäft.

Altena /Nachrodt-Wiblingwerde – Im seit Februar andauernden Iran-Krieg zeichnet sich weiter kein Ende ab, und damit auch nicht bei den hohen Spritpreisen. Mit den von US-Präsident Donald Trump angeordneten Bombardements ist der Konflikt wieder aufgeflammt und hat auch an den Tankstellen die Preise wieder in die Höhe schnellen lassen. Die Kunden reagieren eher resigniert als verärgert.

„Die Leute sind genervt und sauer, aber sie haben sich inzwischen daran gewöhnt. Die große Aufregung gibt es nicht mehr“, berichtet Rasit Yilmaz, Betreiber der bft-Tankstellen an der Rahmedestraße in Altena und an der Altenaer Straße in Lüdenscheid. Es werde dabei sowohl auf den Iran-Krieg geschimpft, der einfach kein Ende finde, als auch auf die Politik, in der grundsätzlich viel falsch laufe. „Aber die Leute können nichts daran ändern, sondern sie müssen mit dieser Situation leben. Sie müssen tanken.“

Am Sprit verdienen wir nichts, das Wichtige ist für uns das Shop-Geschäft. Das leidet aber unter der 12-Uhr-Regel, das sieht man an den Zahlen.

Bei den meisten Kunden sei es inzwischen angekommen, dass die Tankstellen nicht für die Preisgestaltung verantwortlich sind. „Es gibt aber 10 bis 15 Prozent, die es immer noch nicht begriffen haben und uns wegen der Preise beschimpfen. Die Preisdiskussionen haben wir jeden Tag“, so Yilmaz.

Kai Winkelmann, Stationsleiter an der Aral-Tankstelle in Nachrodt-Wiblingwerde, schätzt den Anteil derjenigen, die auf die Tankstellenpächter und -mitarbeiter schimpfen, noch niedriger ein. Dadurch, dass in den Medien so transparent darüber berichtet würde, wie sich die Preise zusammensetzen, wüssten eigentlich 99 Prozent der Kunden, dass die einzelnen Tankstellen keinen Einfluss auf die Preisgestaltung haben. „Die Leute meckern schon, aber nicht so gezielt auf uns“, sagt Winkelmann. Die Kunden seien eher resigniert und würden die hohen Spritpreise schlucken: „Die sagen: Man hat eh keine Option.“

So klingt es auch bei Tankstellenkunde Alexander Rattke: „Was willste machen?“ Für ihn ist vor allem Trump verantwortlich für die hohen Spritpreise, doch mit dem Krieg werde er den Iran wohl nicht davon abhalten, eine Atombombe entwickeln zu wollen. Doch auch die Regierung habe durch Mineralöl- und CO₂-Steuer ihren Anteil an den hohen Preisen.

Alexander Petri spricht von Abzocke: „Der Staat bereichert sich extrem an den Spritpreisen.“ Er würde sich wünschen, dass an den Zapfsäulen ausgewiesen wird, welchen Anteil an den Preisen die Steuern ausmachen. Der Handwerker fährt täglich 300 bis 400 Kilometer und muss tanken. Fast 250 Euro kostet die Tankfüllung. „Das werde ich an die Kunden weitergeben müssen.“

Die Erklärungen für die Preissteigerungen seien dabei nicht immer nachzuvollziehen. In Deutschland heiße es, der Rheinpegel sei zu niedrig für die Transportschiffe, in Belgien dagegen nicht. „Ein Schelm, wer Böses dabei denkt“, meint Winkelmann. Inwiefern sich das Wiederaufflammen des Iran-Kriegs auswirkt, kann er nicht einschätzen. „Die letzte deutliche Preiserhöhung fiel auf den ersten Schultag. Ich weiß nicht, ob das etwas mit Trump zu tun hatte“, sagt er. Eine Veränderung sei erst einmal nicht in Sicht. „Ich glaube nicht, dass es in eine andere Richtung geht, sondern eher, dass der Spritpreis so hoch bleibt oder sogar noch steigt“, meint Winkelmann.

„Hoffnung habe ich schon, dass es irgendwann mal wieder runtergeht, aber das wird dauern, schlimmstenfalls bis Trump abgewählt wird“, sagt Gerd Stehlgans zu den hohen Spritpreisen, während er Diesel tankt. Als er sich vor einigen Jahren erstmals aus Kostengründen ein Dieselfahrzeug anschaffte, dachte er, er würde Geld sparen. „Da kostete Diesel 1,15 Euro pro Liter und jetzt ist er teurer als Benzin.“

Yannick Schramm hat zwar keinen Führerschein, macht aber als Beifahrer gerade den Tank eines Kleinwagens voll. „Es ist kaum noch zu finanzieren“, sagt er über die hohen Preise. „Wir versuchen deswegen, vor 12 Uhr zu tanken, bevor es teurer wird.“

Die Leute meckern schon, aber nicht so gezielt auf uns.

Dieses veränderte Verhalten kann Rasit Yilmaz von seinen beiden Tankstellen nur bestätigen. „Die Leute tanken bewusst, weil sie wissen, dass der Spritpreis um 12 Uhr steigt. Wir haben bis 12 Uhr richtig Action. In Lüdenscheid ist das noch extremer als in Altena.“ Erst nach 18 Uhr, wenn der Preis wieder sinkt, kämen wieder mehr Kunden. „Aber zwischen 12 und 18 Uhr ist es tot“, so Yilmaz.

Das veränderte Kundenverhalten ist für ihn ein Problem. „Am Sprit verdienen wir nichts, das Wichtige ist für uns das Shop-Geschäft. Das leidet aber unter der 12-Uhr-Regel, das sieht man an den Zahlen.“ Die Kunden hätten es sehr eilig, nähmen sich keine Zeit, sich im Shop umzuschauen, ob sie noch etwas kaufen. Das war anders, als sich die Preisänderungen und damit das Tankstellengeschäft über den ganzen Tag verteilten, berichtet Yilmaz: „Die Leute waren chilliger, konnten sich ohne Druck umgucken. Jetzt fühlen sich die Leute unter Druck gesetzt. Die wollen nur tanken und raus.“

Denn die nächsten Kunden würden schon drängeln, weil sie auch noch schnell vor 12 tanken möchten. „Da wird an der Zapfsäule gehupt, es gibt Beleidigungen, wenn sich die Leute zu viel Zeit lassen.“ Diese negative Begleiterscheinung habe er bisher nur in Lüdenscheid erlebt, wo die Autos teilweise Schlange stehen, im kleineren Altena gehe es da noch etwas entspannter zu. Doch auch dort sind die Umsatzeinbußen spürbar. „Ich finde, diese 12-Uhr-Regelung sollten sie wieder abschaffen.“

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