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Iran trachtet Merz und Trump nach dem Leben: „Diese Drohungen müssen ernst genommen werden“

Welt

Herr Schindler, iranische Medien drohen nicht nur US-Präsident Donald Trump mit Ermordung, sondern auch Kanzler Friedrich Merz. Warum hat das Regime den deutschen Regierungschef auf die Todesliste gesetzt? Zum einen steht Deutschland fest an der Seite Israels, des Erzfeindes der Islamischen Republik. Zum anderen haben sich Mitglieder der Bundesregierung und der Bundeskanzler zwar kritisch zum Iran-Krieg der USA geäußert. Aber Merz war es auch, der den Untergang des Regimes vorausgesagt hatte. Eines darf ohnehin keinesfalls außer Acht gelassen werden: Die Führung in Teheran agiert noch sehr viel aggressiver als vor dem Tod des Revolutionsführers Ali Chamenei. Dennoch stellt sich die Frage: Sind die Drohungen mehr als staatlich verordnete Propaganda und damit eine echte Gefahr für Merz? Propaganda spielt sicherlich eine wesentliche Rolle. Die Machthaber wollen nach innen signalisieren: Wir sind sogar in der Lage, prominente westliche Politiker zu bedrohen. Nach außen lautet die Botschaft: Wir lassen uns nicht einschüchtern. Aber diese Ankündigungen müssen auch ernst genommen werden. Das gilt auch für den Kanzler? Bundeskanzler Merz ist hervorragend geschützt. Insofern mache ich mir um seine Sicherheit aktuell eigentlich keine Sorgen. Aber es könnte schon sein, dass der Iran versucht, ein Attentat auf den Kanzler zu verüben. Nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland sind ja in den vergangenen Jahren immer wieder Anschlagspläne aufgedeckt worden. Es kam zu Verhaftungen, Anklagen und Gerichtsverfahren. Haben Sie ein Beispiel? Erst in jüngster Vergangenheit konnten mögliche Angriffe auf den Vorsitzenden der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck, und den Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, verhindert werden. Zwei Männer sollen im Auftrag des iranischen Geheimdienstes Beck und Schuster ausgekundschaftet haben. Verfügt der Iran über die operativen Möglichkeiten, in Deutschland Attentate gegen den Kanzler vorzubereiten? Teheran hat in den vergangenen Jahren ein dichtes nachrichtendienstliches Netzwerk aufgebaut. In erster Linie, um Mitglieder der iranischen Opposition zu beobachten, einzuschüchtern und sogar zu töten. Der Anschlag auf das Restaurant Mykonos 1992 in Berlin-Wilmersdorf ist das bekannteste Beispiel für das brutale Vorgehen des iranischen Geheimdienstes auf deutschem Boden. Jedoch nicht das einzige. Gibt es einen Fall aus jüngerer Zeit? Erst in diesem Frühjahr wurde in München ein israelisches Restaurant mit Sprengkörpern attackiert, vermutlich von Kleinkriminellen, die von einem Mitglied einer irakisch-schiitischen Miliz – im Auftrag von Irans Revolutionsgarden – dafür angeheuert wurden. Sind die deutschen Sicherheitsbehörden auf ein solches Szenario gut genug vorbereitet? Sicherheitsdienste wie das Bundesamt für Verfassungsschutz sind sich der iranischen Aktivitäten in Deutschland sehr bewusst. Aber ich finde, ein etwas „ruppigeres“ Vorgehen von deutscher Seite wäre angebracht. Die Revolutionsgarden etwa sind in Europa offiziell als Terrororganisation gelistet. Das gibt den Behörden durchaus Handlungsspielraum. Etwa bei der Ausweisung bekannter Mitglieder der Garden aus Deutschland. Ganz oben auf Teherans Todesliste steht Donald Trump. Muss der US-Präsident um sein Leben fürchten? Zumindest ist sich Washington der Gefahr bewusst. Schließlich gab es schon mehrfach Versuche, ihn zu töten. Vielleicht ist die Bedrohungslage auch ein Grund dafür gewesen, dass Trump nach dem Nato-Gipfel in Ankara nicht sein neues Regierungsflugzeug für den Rückflug nutzte, sondern auf die alte Air Force One umstieg. Es gab offenbar Bedenken des Secret Service, wonach der von Katar geschenkte Flieger nicht über ausreichende Abwehrmaßnahmen im Falle eines Angriffs verfügte. Erst vor wenigen Tagen soll Israels Geheimdienst die US-Sicherheitsbehörden vor einem Mordkomplott gegen Trump gewarnt haben. Die USA haben das bislang nicht bestätigt. Wie glaubwürdig sind die Informationen aus Jerusalem? Es lässt sich nicht seriös beurteilen, wie konkret diese Pläne tatsächlich waren. Dass Trump auf Irans Todesliste steht, ist ja kein Geheimwissen, über das allein der Mossad verfügt. Trump gilt als einer der am besten geschützten Politiker weltweit. Welche Mittel kann der Iran nutzen, um ihn ins Visier zu nehmen? Jeder US-Präsident hat ein grundsätzliches Problem, das ihn von Irans Revolutionsführer unterscheidet: Er muss sich in der Öffentlichkeit immer wieder zeigen. Zum Beispiel bei Wahlkampfveranstaltungen, Spendengalas oder bei Auslandsbesuchen. Solche Gelegenheiten bedeuten selbstverständlich eine Gefahr für sein Leben. Wer könnte vom Iran beauftragt werden, einen Anschlag auf Trump vorzubereiten und ihn dann auch umzusetzen? Im Grunde kommen dafür zwei Möglichkeiten in Betracht. Die „klassische“ Methode ist ein komplexes Attentat, geplant und organisiert vom iranischen Geheimdienst. Ausgeführt werden könnte es dann von Agenten der libanesischen Terrororganisation Hisbollah, die seit Jahrzehnten für die Islamische Republik im Ausland operiert. Auch in den USA. Seit 2022, dem Überfall auf die Ukraine, beobachten wir noch eine andere, von Russland kopierte Methode. Was ist damit gemeint? Es kommen sogenannte Wegwerf-Agenten zum Einsatz. Es handelt sich dabei oft um Kriminelle, die als Handlanger für Geld beispielsweise spionieren oder Sabotage betreiben. Das sind zumeist „Low-Level-Aktionen“, also einfache geheimdienstliche oder terroristische Aktionen. Können Low-Level-Agenten einem US-Präsidenten gefährlich werden? Wenn wir über mögliche Anschläge auf Trump, Merz oder Israels Premier Benjamin Netanjahu reden, dann kommen von Teheran beauftragte Kriminelle eher nicht infrage. Dafür braucht es schon eine ausgeklügelte Kommandoaktion eines Geheimdienstes. Und die erfordert viel Aufwand.

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