Iran: Wichtiger als „Dutzende Atombomben“ - Hardliner machen gegen Trump mobil
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Die Drohung aus Teheran war kurz und knallhart. „Ihr werdet bald sehen, dass Irans neue Strategie auf dem Schlachtfeld, in der Diplomatie und angesichts der Wirtschaftsblockade eure Grundfesten erschüttern wird“, warnte der kürzlich ernannte Chef des Obersten Nationalen Sicherheitsrats, Mohsen Rezaei. Die Kontrolle der Straße von Hormus sei wichtiger als „Dutzende von Atombomben“. Zusätzliche US-Truppen in der Region seien für Iran Zielscheiben. Golfstaaten, die an Amerikas Wirtschaftskrieg teilnähmen, gerieten ebenfalls ins Visier. Armeesprecher Mohammad Akraminia komplettierte die martialische Rhetorik mit der Ankündigung: Jeder Angriff gegen die Islamische Republik werde eine Vergeltungsaktion nach sich ziehen, die heftiger ausfalle als die Attacke.
Im Militär- und Sicherheitsapparat des iranischen Regimes hat sich die Tonlage drastisch verschärft. Generalstabschef Ali Abdollahi spricht neuerdings von einer „offensiven Militär-Doktrin“. Die Rede ist nicht mehr nur von Verteidigung gegen Luftschläge der Amerikaner, sondern von massiver Abschreckung und Rache. Was dies in der Praxis bedeutet, zeigten die vergangenen Wochen. Am 7. Juli griff Iran drei Frachtschiffe in der Straße von Hormus an. Amerikanische Kampfjets bombardierten unmittelbar darauf Ziele in Iran. Teheran revanchierte sich mit Attacken auf US-Kriegsschiffe. Als die USA Ende August Radaranlagen, Raketenwerfer und Militäranlagen im Süden Irans zerstörten, feuerte die Islamische Republik Raketen und Drohnen auf amerikanische Basen in Jordanien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait, Bahrain und Nordirak. Auch Öltanker im Persischen Golf wurden getroffen.
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Die kurze Phase der Hoffnung nach dem Mitte Juni unterzeichneten amerikanisch-iranischen Rahmenabkommen war damit passé. Die „New York Times“ berichtet unter Verweis auf hochrangige iranische Regierungsbeamte, dass XXL-Hardliner im Regime hinter den jüngsten Attacken auf US-Einheiten stünden. Treibende Kraft sei Hossein Taeb, seit Mitte August Führer der mächtigen Basidsch-Miliz, die für die blutige Niederschlagung von Aufständen im Land verantwortlich ist. Der 63-jährige Geistliche hatte 13 Jahre den Geheimdienst der Revolutionsgarden geleitet und gilt als graue Eminenz im iranischen Machtapparat.
Irans Bevölkerung muss gewaltige Opfer bringen
Die 1979 gegründeten Revolutionsgarden sind die Schutztruppe des Regimes nach innen und außen. Die rund 200.000 Mann starke Elite-Streitmacht verfügt über ihre eigene Armee, Luftwaffe und Marine sowie über einen eigenen Nachrichtendienst. Sie wird maßgeblich durch Generäle rund um den Gardenführer Ahmad Vahidi und den Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrats, Mohsen Rezaei, gesteuert. „Die Revolutionswächter haben das Rahmenabkommen mit den USA bewusst torpediert, indem sie Handelsschiffe in der Straße von Hormus beschossen haben – selbst in omanischen Gewässern, als die Verhandler versuchten, ein Abkommen mit Oman zum Abschluss zu bringen“, sagte Hans-Jakob Schindler, Chef der Berliner Denkfabrik Counter Extremism Project, unserer Redaktion. Dies belege, dass es den Garden primär nicht um Sanktionserleichterungen gehe. „Sie wollen einen diplomatischen und politischen Sieg gegen Amerika, indem sie Präsident Donald Trump die Zwischenwahlen zum Kongress verhageln. Sie streben das absolute Sieges-Narrativ an, wie 1979 bei der demütigenden Geiselnahme in der US-Botschaft unter Präsident Jimmy Carter“, so Schindler.
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Gegen diese kompromisslose Linie sind die verhandlungsbereiten Kräfte im Regime machtlos. „Es wäre besser, den Krieg heute zu beenden, solange wir noch mächtig sind und unsere Würde bewahren“, erklärte Präsident Massud Peseschkian kürzlich. Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf, der in der Vergangenheit die Gespräche mit den USA geleitet hatte, zog ein ernüchterndes Fazit: „Egal, wie groß unsere militärische Macht auch sein mag – wir werden nicht überleben, wenn die Menschen hungern und es keinen Finanzumsatz, kein Wirtschaftswachstum und keine nationale Produktion gibt.“ Der Großteil der iranischen Bevölkerung muss im Krieg gewaltige Opfer bringen. Viele sind arbeitslos. Experten schätzen die Inflationsrate auf über 100 Prozent. Der Ölexport ist aufgrund der amerikanischen Seeblockade und Sanktionen dramatisch eingebrochen.
Doch die Wirtschaftskrise im Land lässt die Garden kalt. Sie machen gegen Trump mobil und setzen auf reine Konfrontation. „Die Iraner können zerstörte Abschussvorrichtungen für Raketen, Marschflugkörper und Drohnen immer wieder reparieren. Darüber hinaus sind sie fähig, Waffen aus den tief in die Berge eingegrabenen Lagerstätten hervorzuholen. Diese sind selbst für die bunkerbrechenden Bomben der Amerikaner nicht erreichbar“, unterstreicht der Nahost-Analyst Schindler.
Die Garden wollen die Konfrontation
Was Trump zusätzlich unterschätzt: Hinter den Attacken auf amerikanische Ziele steht nicht immer eine bestimmte Person oder Gruppe, da die Revolutionsgarden auf eine stark dezentrale Verteidigung zurückgreifen. Nach dem Irak-Krieg der USA 2003 hat Iran die sogenannte Mosaik-Strategie eingeführt. Demnach sind die Garden in den 32 Militärdistrikten des Landes praktisch autonom in ihren Entscheidungen. Sie kontrollieren in ihrem Bereich alle Raketen und Drohnen und sind für die Sicherheit der Grenzprovinzen des Landes sowie der Straße von Hormus zuständig. Nach dem Zwölftagekrieg im Juni 2025 wurde diese Dezentralisierung noch einmal ausgebaut. Angriffe auf amerikanische Militärbasen sind nicht immer aus Teheran gesteuert, sie können auch aus der Provinz kommen.
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Das Regime ist dadurch schwerer auszurechnen. Seit der Tötung des Obersten Führers Ali Chamenei durch israelische Blue-Sparrow-Raketen am 28. Februar fehlt die entscheidende Instanz, die die verschiedenen Kräfte im Machtapparat ausbalancieren könnte. Ali Chameneis Sohn Modschtaba entkam dem Luftschlag laut US-Geheimdienstberichten nur schwer verletzt. Er wurde später zum Nachfolger ernannt und soll sich an einem geheimen Ort befinden. „Aber Modschtaba Chamenei ist in der Öffentlichkeit weder zu sehen noch zu hören. Er schreibt fleißig Briefe, die an die Revolutionsgarden gehen und von dort den Staatsmedien zugeleitet werden. Dies nährt den starken Verdacht, dass die Revolutionswächter die Briefe selbst schreiben“, betont der Extremismusforscher Schindler.
In Israel wird die Kriegsrhetorik in Teheran genau studiert. „Wir beobachten Anzeichen dafür, dass der enorme wirtschaftliche Druck, unter dem Iran steht, sowie die Angst vor einem Aufstand und dem Zusammenbruch des Regimes das Land zu verzweifelten Maßnahmen treiben könnten“, erklärte Israels Verteidigungsminister Israel Katz. Für den Fall eines Angriffs drohte Katz mit einer massiven Reaktion: „Wir würden die gesamte nationale militärische und zivile Infrastruktur in Iran treffen – auch die Energieinfrastruktur. Wir würden Iran tief in die Steinzeit und das Zeitalter der Finsternis zurückversetzen.“