Irisgo bei DHDL: Andreas Herb schnappt sich den 007-Thermobecher-Deal
90 Sekunden reichten aus, um das Löwenrudel von ihrer Idee zu überzeugen: einem Thermobecher mit einem besonderen Iris-Mechanismus. Hinter dem Startup Irisgo stehen Manuel Laurice Borer (33) und Fabian Christmann (32) aus der Schweiz. Die beiden Männer und Freunde haben ihr Unternehmen 2020 gegründet und es nun bei „Die Höhle der Löwen“ vorgestellt.
Ihr Angebot: 500.000 Euro für zehn Prozent der Unternehmensanteile. Schon kurz nach dem Pitch zeigt sich: Gleich mehrere Investoren wollen sich den Deal sichern.
Ihre Inspiration: James Bond und ein K.-o.-Tropfen-Vorfall
Die Idee für Irisgo entstand nach einem Vorfall im Freundeskreis der beiden Gründer. Eine Bekannte von Fabian und Manuel bekam K.-o.-Tropfen in ihr Getränk verabreicht. Die beiden fragten sich daraufhin, wie sich ein Getränk vollständig verschließen lässt, ohne dabei das Trinkerlebnis zu beeinträchtigen.
Die entscheidende Idee kam bei einem Abendspaziergang. „Erinnerst du dich an das Intro der legendären James-Bond-Filme? So einen Verschluss benötigen wir“, soll einer der beiden gesagt haben.
Fabian und Manuel begannen daraufhin mit der Recherche. Sie kamen zu dem Schluss, dass sich ein Verschluss mit einer großen Öffnung besonders gut für Heißgetränke eignen könnte: Das Getränk lässt sich damit sicher transportieren, gleichzeitig bleibt genug Platz zum Trinken.
Ein entsprechendes Produkt, das beide Anforderungen miteinander verbindet, fanden sie nach eigenen Angaben auf dem Markt nicht. Also beschlossen sie, selbst eine Lösung zu entwickeln.
Was den Thermobecher besonders macht
Das Problem sehen die Gründer bei herkömmlichen Mehrweg- und Thermobechern vor allem in der kleinen Trinköffnung. Sie schränke das Trinkerlebnis ein und verhindere, dass sich das Aroma des Getränks vollständig entfalten könne. Gleichzeitig seien viele Thermobecher nach Angaben der Gründer nicht zuverlässig dicht und aufwendig zu reinigen.
Irisgo soll diese Probleme mit seinem Verschlusssystem lösen. Die große Trinköffnung soll ein intensiveres Aromaerlebnis ermöglichen, während der Becher ohne separaten Deckel auskommt. Dieser könne weder verloren gehen noch müsse er separat gereinigt werden. Auch das Irisgo-System selbst sei einfach zu reinigen, versprechen die Gründer.
So funktioniert die Technologie
Der Verschluss ist fest mit dem Becher verpresst. Dadurch sollen weder Flüssigkeit noch Rückstände in den Mechanismus gelangen. Eine Demontage ist laut den Gründern weder möglich noch notwendig.
Zum Schließen wird der obere Teil des Irisgo-Bechers im Uhrzeigersinn gedreht. Zum Öffnen dreht man ihn in die entgegengesetzte Richtung. Im geschlossenen Zustand soll der Becher auslaufsicher sein.
Ein Missverständnis zum Umsatz sorgt für Verwirrung
Bereits vier Millionen Euro Umsatz habe Irisgo erzielt – ohne Retail und allein über den Online-Vertrieb, erzählen die Gründer bei „Die Höhle der Löwen“. Das beeindruckt Frank Thelen zunächst: „Das ist wirklich stark.“
Doch dann stellt sich heraus: Die Löwen haben die Zahl falsch verstanden. Thelen und seine Mitstreiter waren davon ausgegangen, dass es sich um vier Millionen Euro Jahresumsatz handelt. Auf Nachfrage rechnen die Gründer vor: Tatsächlich kommt Irisgo über einen Zeitraum von rund vier Jahren auf etwa 3,6 Millionen Euro Umsatz.
Für Janna Ensthaler ist das eine deutlich andere Ausgangslage. „Das ist dann doch eine niedrigere Wachstumskurve, als ich erhofft habe“, sagt sie. Auch Thelen sieht die Entwicklung kritisch: „Das Wachstum ist schwach für die Bewertung, die ihr aufruft.“
Die Gründer wollen den Vertrieb auf den stationären Handel ausweiten – mit Unterstützung eines Löwen. Für Janna Ensthaler reicht das Potenzial jedoch nicht aus, um die aufgerufene Bewertung zu rechtfertigen. „Da gibt’s noch so viel zu tun“, sagt sie. „Deshalb habe ich mit der Bewertung ein Problem. Ich bin raus.“
Auch Ralf Dümmel ist von der Idee angetan. „Ich finde die Idee Hammer“, sagt er. Bei der Bewertung kommt er jedoch zum gleichen Schluss wie Ensthaler: „Aber ich finde die Firmenbewertung zu groß.“ Auch Dümmel steigt aus.
Zwei Angebote für das Schweizer Gründer-Duo
Trotz der Kritik an der Bewertung bleiben drei Löwen interessiert. Getränke-Unternehmer Andreas Herb zeigt sich besonders angetan: „Ich finde, das ist Porsche-Design. Die Qualität – mega!“ Für ihn liegt das größte Potenzial von Irisgo im stationären Handel. Herb macht den Gründern deshalb ein alternatives Angebot: 250.000 Euro will er als klassisches Beteiligungskapital investieren. Weitere 250.000 Euro sollen über eine umsatzabhängige Vereinbarung ins Unternehmen fließen.
Wie das funktionieren soll, erklärt Herb an einem Beispiel: „Nehmen wir an, wir machen einen Euro per Cup – und ich kriege einen Euro pro Cup bei den nächsten 250.000 zurück.“ Bei den zehn Prozent Unternehmensanteilen bleibt er. „Und ganz viel Begeisterung und Liebe obendrauf.“
Unterdessen schmieden Frank Thelen und Judith Williams gemeinsam ein Gegenangebot. Thelen ist vom Produkt überzeugt: „Eure James-Bond-Mechanik – das ist ein saustarkes Produkt.“ Bei der Marke sieht er allerdings noch Nachholbedarf: „Ich glaube, an der Marke muss gearbeitet werden.“ Und genau dabei wollen Thelen und Williams helfen. Ihr Angebot: 500.000 Euro für 20 Prozent der Unternehmensanteile.
Manuel Laurice Borer und Fabian Christmann entscheiden sich schließlich für Andreas Herb. Beim Handschlag mit den Gründern sagt Herb: „Ihr seid Ehrenmänner!“
So ging es nach der Show weiter
Doch wie ging es nach der Sendung weiter? Gründerszene hat bei Andreas Herb nachgefragt. „500.000 Euro für Irisgo – mein bislang größter Deal als Löwe ist zustande gekommen. Darüber freue ich mich ganz besonders, denn die Gespräche nach der Aufzeichnung haben meinen ersten Eindruck von den Gründern und dem Unternehmen noch einmal bestätigt“, sagt Herb.
Die Arbeit sei schon angelaufen. „Wir sind inzwischen bereits voll in der operativen Zusammenarbeit und arbeiten gemeinsam daran, Irisgo zunächst in der DACH-Region stark zu positionieren und anschließend weitere internationale Märkte zu erschließen“, sagt der Investor.
Von den beiden Gründern zeigt sich Herb ebenfalls beeindruckt. „Mich haben bei Irisgo nicht nur die Idee und das starke Patent überzeugt, sondern vor allem die beiden Gründer. Das sind zwei echte Macher, die sehr professionell auftreten, ihr Produkt bis ins Detail kennen und eine klare Vorstellung davon haben, wo sie hinwollen.“ Auch der Pitch selbst habe ihn begeistert, es war „einer der stärksten und professionellsten Pitches, die ich bislang in der Höhle erlebt habe.“
Seine Mission sei es nun „aus einem hervorragenden Produkt gemeinsam mit den Gründern ein erfolgreiches Unternehmen und eine international relevante Marke zu entwickeln.“ Er freue sich, „dass wir zusammengekommen sind und jetzt gemeinsam richtig loslegen können.“