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Israel-Wahl 2026: Jungwähler ohne Hoffnung auf Frieden

Welt

Manche Israelis hätten bestimmt ihre Gründe, immer noch an Frieden zu glauben, sagt Adar Levi. „Aber ich persönlich kann das nach allem, was hier passiert ist, kaum noch.“ Der junge Israeli spricht über ein Video, das vor wenigen Tagen im Internet viral gegangen ist. Es zeigt Hunderte junger Menschen auf einem Musikfestival. Sie tanzen und singen „Schir la-Schalom“ – das „Lied für den Frieden“, die alte Hymne der israelischen Friedensbewegung.

Das Handyvideo hat bei vielen Nostalgie hervorgerufen, denn das Lied wird nur noch selten gehört. „Schir la-Schalom“ steht für die Hoffnungen des Oslo-Friedensprozesses. Es nahm in gewisser Weise aber auch dessen Scheitern vorweg: Das Lied wurde 1995 auf der Großkundgebung in Tel Aviv gesungen, wenige Minuten bevor ein Friedensgegner dort den Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin ermordete.

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Viele fanden es bemerkenswert, zu sehen, dass gerade junge Israelis es jetzt so inbrünstig singen – Israelis, die lange nach jener Zeit geboren wurden und ganz andere Dinge erlebt haben, vor allem in der jüngsten Vergangenheit.

„Vielleicht sehen sie einfach etwas, was ich nicht sehe“

Auch der 18 Jahre alte Adar Levi gehört zu dieser Generation. Bei ihm hat das Video allerdings gemischte Gefühle ausgelöst. Grundsätzlich wäre er ja auch für Frieden, sagt er – „aber es ist einfach nicht möglich“. Die Palästinenser lehnten die Israelis aus ideologischen Gründen ab, das hätten die vergangenen Jahre bewiesen. Daher verstehe er auch nicht wirklich, wie die Leute auf dem Festival das Lied singen konnten.

Dann schränkt er aber ein: Wenn er mit den älteren Bewohnern des Kibbuz Nir Oz spreche, in dem er seit wenigen Wochen lebt, dann seien sie alle für Frieden – „und sie haben Schlimmes erlebt“. Nir Oz wurde am 7. Oktober 2023 schwer verwüstet, es gab zahlreiche Tote und Geiseln von dort. Die zurückgekehrten älteren Bewohner hätten also vermutlich Gründe dafür, ihre Hoffnungen nicht aufzugeben, sagt Levi. „Vielleicht sehen sie einfach etwas, was ich nicht sehe.“

Levi gehört zu der Altersgruppe, die manche die „Generation 7. Oktober“ nennen. Fachleute beschreiben sie als abgehärtet und nationalistisch, aber auch innerlich zerrissen und in Teilen traumatisiert. Teils seien diese jungen Israelis sehr engagiert, teils skeptisch gegenüber demokratischen Institutionen. In wenigen Tagen, am 27. Oktober, dürfen sie zum ersten Mal wählen. Wie blicken sie auf das Land und seine vielen Probleme? Welche Fragen beschäftigen sie?

640.000 Israelis dürfen zum ersten Mal wählen

Demographisch hat diese Gruppe einiges Gewicht, denn Israel ist ein junges Land. Etwa 640.000 Israelis sind im Alter von 18 bis 22 Jahren, das sind fast neun Prozent der Wahlberechtigten. Ihre Stimmen dürften je nach Wahlbeteiligung etwa zwölf der 120 Knessetsitze ausmachen.

Vor allem zwei Großereignisse hätten diese Altersgruppe geprägt, sagt Tammy Hoffman vom Israelischen Demokratieinstitut (IDI), einer Jerusalemer Denkfabrik: die Corona-Pandemie und der Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 samt dem darauffolgenden Gazakrieg. Viele von ihnen hätten in diesem Krieg selbst gekämpft, teilweise mehrere Jahre. „Sie leben nicht in einer Blase.“

Das Trauma des 7. Oktobers bringe Gefühle wie Angst, Instabilität oder Hass hervor, sagt Hoffman. Zudem sei die Generation der Erstwähler inmitten der innenpolitischen Polarisierung der vergangenen vier Jahre erwachsen geworden. „Sie sind sehr stark von den extremen Tendenzen geprägt, die sich in der Politik entwickelt haben“, sagt die Bildungsforscherin. Die Einstellungen gegenüber den Palästinensern haben sich dadurch noch mehr verhärtet, als es in der Gesellschaft ohnehin der Fall ist.

In Umfragen äußert sich all das so: Zumindest unter jüdischen Israelis – die knapp 80 Prozent der Bevölkerung ausmachen – sind die Erstwähler konservativer als der nationale Durchschnitt. Das Land ist in den vergangenen Jahrzehnten ohnehin politisch nach rechts gerückt. 2025 stuften sich fast 60 Prozent der für den „Israelischen Demokratieindex“ befragten jüdischen Israelis als rechts ein. Unter jüdischen Erstwählern bezeichneten sich aber sogar fast drei Viertel als rechts oder Mitte-rechts, heißt es in einer im September veröffentlichten Umfrage des Senders Kanal 12.

Gegenüber stehen immer noch am 7. Oktober zerstörte Häuser

So wie Levi lebt auch die 18 Jahre alte Agam Lev-Ram in Nir Oz. Seit ein paar Wochen absolvieren beide dort freiwillig ein Jahr in einer „Mechina“ – einer Ausbildungsinstitution, die junge jüdische Israelis auf den Militärdienst oder auf die Universität vorbereitet. Eine solche Mechina wurde im vergangenen Jahr in dem Kibbuz gegründet, damit wieder mehr junge Menschen dort leben. Schulabsolventen aus dem ganzen Land kommen nach Nir Oz.

Lev-Ram und Levi haben die Folgen des blutigen Überfalls vom 7. Oktober 2023 praktisch jeden Tag vor Augen. Direkt gegenüber den Unterrichts- und Wohnräumen stehen bis heute mehrere kleine, weitgehend verwüstete Häuser. Seit dem 7. Oktober sind sie praktisch unangetastet. Bis vor Kurzem war zudem eine Artillerieeinheit nahe dem Kibbuz stationiert, noch immer hört man gelegentlich Geschützfeuer. Die jungen Israelis in der Mechina sind ständig mit alldem konfrontiert; sie treffen auch Überlebende des Terrorangriffs und ehemalige Geiseln, die wieder dort leben.

Nach ihrer Meinung zu dem Video von dem Festival gefragt, antwortet Lev-Ram, auch sie wünsche sich Frieden „und dass es nicht ständig Kriege und Chaos im ganzen Land gäbe“. Aber letztlich sei das unmöglich, weil es auf der palästinensischen Seite niemanden gebe, mit dem man reden könne. „Egal, wie sehr wir versuchen, ihnen ein Zuhause zu geben und friedlich mit ihnen zusammenzuleben, das wird nicht gelingen, weil sie uns immer schaden wollen“, sagt sie.

Vage Friedenssehnsucht und große Resignation

Den 7. Oktober 2023 nehmen die gerade volljährig gewordenen Israelis als Wasserscheide in ihrem Leben wahr. „Die Person, die ich vorher war, ist nicht die gleiche wie die danach“, sagt Carmel Reshef, ein weiterer junger Israeli aus der Mechina. Zusammen mit Levi und Lev-Ram sitzt er abends nach dem Unterrichtsende in einem der Gemeinschaftsräume der Mechina und erzählt von seinen Erlebnissen. Seit jenem Tag gebe es „ein riesiges Loch“ in seinem Herzen. Adar Levi sagt, der Terrorangriff habe dazu geführt, dass er früh erwachsen geworden sei.

Den unmittelbarsten Bezug zum 7. Oktober hat Agam Lev-Ram. Ihr Vater war auf dem Supernova-Festival, auf dem etwa 380 Menschen getötet wurden. Er überlebte, aber „ich durchlebe das zu Hause immer noch“, sagt sie. Jener Tag habe sie gelehrt, das Leben aus einer anderen Perspektive zu betrachten: „Nicht alles ist schön, nicht alles ist immer gut. Es gibt manchmal Herausforderungen, denen man sich stellen muss, auch wenn man das eigentlich gar nicht will.“

Aus den Erzählungen der drei jungen Israelis spricht eine vage Friedenssehnsucht, aber auch große Resignation, was die konkrete Lage angeht. Über den Nahostkonflikt sprechen sie wie etwas, woran man ohnehin nichts ändern könne. Und es wirkt, als hätten sie ein pauschales Bild von den Palästinensern.

Doch die Bandbreite der politischen Haltungen in der Generation ist insgesamt groß. Es gibt Friedensaktivisten, aber auch viele, deren Ansichten sehr harsch sind. Der Fernsehmacher Lior Schleien diskutiert in Schulen regelmäßig mit jungen Israelis über Politik. Videos der Begegnungen zeigen, wie Schleien dort immer wieder mit rassistischen, suprematistischen und militanten Positionen konfrontiert wird – wie der, dass das gesamte Land den Juden gehöre und Palästinenser sich unterordnen müssten oder dass selbst Kinder im Gazastreifen nicht unschuldig seien.

Manche Israelis verehren Ben-Gvir wie einen Popstar

„Junge Israelis sind heute viel nationalistischer und weniger demokratisch als früher“, sagte Rami Hod, der Bildungsdirektor der liberal-zionistischen Berl-Katznelson-Stiftung, im Sommer auf einer Tagung. Er machte auch das Bildungssystem dafür verantwortlich. Liberale und säkulare Schulen erhielten immer weniger Unterstützung, während religiös-zionistische und ultraorthodoxe Einrichtungen von der Regierung stark gefördert würden.

Hod wies auf den großen Zuspruch hin, den der ultrarechte Politiker Itamar Ben-Gvir als Ergebnis solcher Entwicklungen unter jungen Israelis genieße. Vor vier Jahren stimmte ihm zufolge etwa ein Viertel der Erstwähler für das Wahlbündnis von Ben-Gvir und Bezalel Smotrich, einem weiteren radikalen religiös-zionistischen Siedler. Ben-Gvir mit seinen militanten antiarabischen Parolen wurde von manchen jungen Wählern wie ein Popstar verehrt. Smotrich und er erhielten in Benjamin Netanjahus Regierung Ministerposten und sind dort für einige extreme Maßnahmen verantwortlich.

Welch großes Talent der heute 50 Jahre alte Politiker für Populismus hat, zeigt sich bei einem Wahlkampfauftritt Mitte Oktober in Tel Aviv. Vor dem aufgekratzten, überwiegend jungen Publikum preist Ben-Gvir seine Erfolge als Minister für Nationale Sicherheit. Als er sich zum ersten Mal die Haftanstalten für Palästinenser angesehen habe, „haben sie dort Pingpong gespielt, und es gab einen großen Kühlschrank voll mit frischem Fleisch“, erzählt er. Er fragt ins Publikum: „Warum sollten sie dann nicht finden, dass es sich lohnt, Terrorist zu sein?“ Er habe daraufhin scharfe Maßnahmen verhängt, beispielsweise die Essensrationen drastisch gekürzt – „und vier Jahre später haben sie: nichts!“, ruft Ben-Gvir in den Saal. Das Publikum applaudiert laut.

„Nazis, die für einen weiteren 7. Oktober trainieren“

Er lobt auch seine Initiativen, mehr Waffen an jüdische Israelis auszugeben und mehr Häuser palästinensischer Israelis abreißen zu lassen. Ben-Gvir wirbt für die angeblich freiwillige „Auswanderung“ der Palästinenser aus dem Gazastreifen, aber auch aus dem Westjordanland. Denn dort, sagt er, gebe es „Nazis, die für einen weiteren 7. Oktober trainieren – sie werden Palästinensische Autonomiebehörde genannt“. Als er die Todesstrafe erwähnt, die in Israel kürzlich wiedereingeführt wurde, aber in der Praxis nur für Palästinenser gilt, kommen Rufe aus dem Publikum: Wann werde denn das erste Urteil vollstreckt?

Ben-Gvirs Partei werden etwa sieben Knessetsitze vorhergesagt. Er hat es Umfragen zufolge geschafft, seine Wählerbasis über militante Siedler hinaus auszudehnen: Auch manche Israelis aus den Städten haben demnach inzwischen Sympathie für die „Jüdische Kraft“. Eine Umfrage der Hebräischen Universität Jerusalem hat außerdem ergeben, dass Ben-Gvirs Anhänger jünger sind als der Durchschnittswähler. Bei dieser Wahl könnten bis zu einem Drittel der Stimmen für Ben-Gvir von Erstwählern kommen.

Die jungen Israelis in Nir Oz können Ben-Gvirs Parolen nicht allzu viel abgewinnen. Ebenso wenig wie der Friedensgedanke für ihre Wahlentscheidung eine Rolle spielt, tun das seine gewalttätigen Phantasien, sagen sie. Generell würden die ihnen wichtigen Themen von den großen Parteien eher vernachlässigt. Die drei nennen die wirtschaftliche und soziale Lage als eine der drängendsten Fragen, vor allem die hohen Lebenshaltungskosten. „Wir sind jung – wir wollen etwas werden, uns vielleicht irgendwann ein Haus kaufen“, sagt Agam Lev-Ram. Die Parteien widmeten sich diesem Thema aber nicht ernsthaft, kritisiert Carmel Reshef. „Sie haben das zu einem Wir-kümmern-uns-später-darum-Problem erklärt.“

Auch mit dem politischen Diskurs sind sie nicht zufrieden. Der Wahlkampf bestehe vor allem darin, dass die Parteien schlecht übereinander reden, anstatt eigene Ideen zu präsentieren, kritisieren sie. Über solche Dinge diskutierten die jungen Israelis in der Mechina viel und intensiv. Dabei werde es manchmal auch sehr emotional, erzählen sie. „Die Wahl ist entscheidend, und das ist allen bewusst“, sagt Levi.

Politikverdrossenheit mobilisiert Israels junge Wähler

Umfragen deuten auf eine verbreitete Unzufriedenheit junger Wähler mit den politischen Verhältnissen hin. Dennoch zeigt sich ein bemerkenswertes Phänomen. In vielen anderen westlichen Ländern gingen junge Menschen aus Protest nicht zur Wahl, weil sie kein Vertrauen in die Politik hätten, erläutert die Bildungsforscherin Tammy Hoffman. In Israel sei es anders: Bei einer Studie zu Erstwählern, die das IDI im Frühsommer durchführte, hätten sehr viele Befragte gesagt, dass die Wahl für sie von großer Bedeutung sei. Rund 90 Prozent gaben an, sie würden sicher oder wahrscheinlich wählen. „Das Misstrauen gegenüber Institutionen und Politikern schlägt sich hier in einer Mobilisierung der Wähler nieder“, sagt Hoffman.

Das gelte für die gesamte Gesellschaft, hebt sie hervor – auch für palästinensische Israelis. Die Wahlbeteiligung dieser Gruppe, die rund ein Fünftel der Bevölkerung ausmacht, könnte bei der Wahl am Dienstag ein entscheidender Faktor sein. Traditionell ist sie geringer als die der jüdischen Israelis: 2022 lag die nationale Wahlbeteiligung bei fast 71 Prozent, unter palästinensischen und drusischen Israelis betrug sie aber nur rund 53 Prozent. Dieses Mal sagen Demoskopen eine deutlich höhere Beteiligung dieser Bevölkerungsgruppe voraus, manche prognostizieren 66 bis 68 Prozent.

Das Wort Palästina führt zu kontroversen Diskussionen

Hoffman hält es für ermutigend, dass gerade auch viele junge palästinensische Israelis dieses Mal wählen wollten. Das sei keine Selbstverständlichkeit angesichts der innenpolitischen Entwicklung. „Wir haben eine Regierung, die in den vergangenen vier Jahren viele sehr rassistische und abwertende Vorstellungen über arabische Bürger in Israel legitimiert hat“, sagt sie.

Dazu zählt auch Yara Arar. Sie sagt, sie könne förmlich spüren, wie das gesellschaftliche Klima immer angespannter werde und wie Anfeindungen gegenüber palästinensischen Israelis wie ihr zunähmen. Die 20 Jahre alte Studentin sitzt in einem Café auf dem Campus der Universität in Tel Aviv und erzählt von dem Fall einer Drusin, die im Sommer in einem Bus von jungen jüdischen Israelis attackiert wurde – weil sie am Telefon Arabisch gesprochen hatte. Auch ihr selbst begegneten Leute mit Misstrauen und Ablehnung, vor allem weil sie ein Kopftuch trage, sagt Arar und beteuert: „Ich lasse mich dadurch aber nicht irritieren.“

Bevor sie von ihrem Heimatort Dschaldschulia zum Studieren nach Tel Aviv ging, hatte die junge Israelin nicht viel Kontakt mit Juden. Seit einem Jahr studiert sie in der Stadt Medienwissenschaft und Anthropologie. „Im ersten Jahr habe ich mich in Kursen noch als Palästinenserin vorgestellt“, sagt sie. „Inzwischen stelle ich mich lieber gar nicht vor.“ Sobald das Wort Palästina falle, würden selbst beiläufige Unterhaltungen zu kontroversen Diskussionen. Gleichzeitig habe sie jüdische Studenten kennengelernt, deren Meinungen sie „wirklich überrascht“ hätten – im positiven Sinn. „Aber die Mehrheit hat mich leider nicht überrascht“, fügt sie hinzu.

Eine Anstecknadel mit einem goldenen Galgen

Auch Yara Arar gehört der „Generation 7. Oktober“ an, aber auf eine andere Art und Weise. Nach dem Terrorangriff gab es Einschränkungen der Meinungsfreiheit, die vor allem palästinensische Bürger trafen; so durften sie anfangs nicht gegen den Gazakrieg demonstrieren, und die Sicherheitsbehörden überwachten, was sie in sozialen Medien äußerten. Bis heute sind die Grenzen des Diskurses enger gezogen als für jüdische Israelis. Das gegenseitige Misstrauen hat zugenommen.

Das heißt nicht, dass es gar keine Freiheiten gäbe. Arar hat zu Jahresbeginn begonnen, Videos in den sozialen Medien zu veröffentlichen – darin spricht sie etwa über die Studienbedingungen, die Probleme palästinensischer Israelis im Irankrieg oder die Erfahrungen einer Muslimin mit Kopftuch in Israel. Die Videos sind oft kritisch. „Unter jungen palästinensischen Studenten und in der ganzen Gemeinschaft bin ich dadurch zu einer öffentlichen Figur geworden“, sagt Arar. Wenn man mit ihr über den Campus geht, wird sie immer wieder von Studenten gegrüßt.

Im Juli wurde sie zu einem Podcast des Nachrichten-Portals „Walla“ eingeladen, es ging um Erstwähler. Dort diskutierte sie mit zwei anderen jungen Israelis – eine davon eine Unterstützerin Ben-Gvirs. Die trug im Studio einen kleinen goldenen Galgen als Anstecker, wie Ben-Gvir es im Rahmen seiner Todesstrafen-Kampagne tat. Als Arar vom Moderator nach der Anstecknadel und der Todesstrafe gefragt wurde und sagte, sie finde beides problematisch, empörte die Ben-Gvir-Anhängerin sich lautstark. Eine Aufnahme des Moments ging viral. Arar findet die Szene bis heute bizarr. Man könnte doch meinen, die Todesstrafe abzulehnen, sei normal, sagt sie. Die Kommentare unter dem Video seien aber „wirklich schlimm“ gewesen. „Manche warfen mir vor, selbst eine Terroristin zu sein“, sagt sie.

Ihre Reaktion darauf war, sich noch stärker politisch zu engagieren. Zurzeit setzt sie sich vor allem dafür ein, palästinensische Israelis zum Wählen zu bewegen. Zwar glaube sie nicht, dass die Wahl die Verhältnisse auf den Kopf stellen werde, sagt Arar. Aber auch kleinere Veränderungen würden schon helfen. „Vor vier Jahren haben viele die Wahl boykottiert, und wir haben ja gesehen, wozu das geführt hat.“ Beispielsweise zu einem Polizeiminister Ben-Gvir und einer eskalierenden Gewaltkriminalität in palästinensisch-israelischen Orten, gegen die er nichts unternehme. Das sei eine Realität, die man dringend wieder ändern müsse.

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