Israelischer Sicherheitsminister: Friedrich Merz verurteilt Aussagen von Itamar Ben-Gvir
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat Äußerungen des rechtsextremen israelischen Sicherheitsministers Itamar Ben-Gvir verurteilt. Das teilte Vizeregierungssprecher Sebastian Hille mit. Die »menschenverachtenden völkerrechtswidrigen Appelle« von Minister Ben-Gvir seien »nicht hinnehmbar«. Nach der Entscheidung des jüngsten EU-Gipfels, gezielte Maßnahmen gegen radikale Politiker vorzubereiten, werde dieses Thema beim nächsten informellen EU-Außenministertreffen Anfang September behandelt, sagte der Vizeregierungssprecher. Ben-Gvir hatte sich in einem Podcast für gezielte Tötungen von Palästinensern im Gazastreifen ausgesprochen – auch wenn diese keine unmittelbare Gefahr darstellten. Man solle dort jede Nacht 30 bis 40 Menschen töten. Außerdem sagte Ben-Gvir, es gebe im Gazastreifen Menschen, die es nicht verdienten zu leben und die »nicht einmal Menschen« seien. Zuletzt hatte Vizekanzler Lars Klingbeil die Prüfung von EU-Sanktionen gegen Ben-Gvir gefordert. Er stehe zur Solidarität mit Israel, aber nicht mit Ministern, die sich menschenverachtend äußerten, sagte der SPD-Politiker. Außenminister Johann Wadephul prüfe Sanktionen, sagte Klingbeil. »Da darf Deutschland bei aller Solidarität mit dem Staat Israel nicht schweigen.« EU berät über Sanktionen Auf EU-Ebene wird seit Jahren über Sanktionen gegen Gvir diskutiert, etwa beim EU-Gipfel vergangenen Juni. Eine solche Maßnahme hätte Einreisesperren und das Einfrieren von in Europa vorhandenem Vermögen zur Folge. Für diesen Schritt wäre allerdings eine einstimmige Entscheidung im Rat der EU-Länder nötig. Zuletzt sperrte sich vor allem Tschechien dagegen, Gvir auf die EU-Sanktionsliste zu setzen. Einzelne Mitgliedstaaten haben schon eigene Maßnahmen ergriffen. Irland, Frankreich, Spanien und Slowenien verhängten Einreiseverbote gegen Gvir. Die deutsche Bundesregierung hat dies bisher nicht getan. Für das Außenministertreffen Anfang September in Irland werde die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas neue »Vorschlage unterbreiten«, sagte Hille. Außerdem werde es um eine mögliche Reaktion auf die israelische Siedlungspolitik im Westjordanland gehen. »Israel muss als Besatzungsmacht Palästinenser menschenwürdig behandeln, ihr Eigentum schützen und öffentliche Verwaltung sowie humanitäre Versorgung sicherstellen«, sagte Hille.