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Israels Großoffensive im Westjordanland: Netanjahu kündigt „sehr große Überraschung“ für die Palästinensische Autonomiebehörde an

Welt

Als Reaktion auf einen Angriff im Westjordanland mit zwei getöteten Soldaten hat Israel eigenen Angaben zufolge einen Anti-Terror-Einsatz im Raum Hebron gestartet. „Die Kräfte haben begonnen, das Gebiet gezielt, präzise und umfassend zu durchsuchen, um Terrorinfrastruktur und Waffen ausfindig zu machen und zu beseitigen“, hieß es am späten Abend in einer gemeinsamen auf der Plattform Telegram veröffentlichten Erklärung der israelischen Armee und des Inlandgeheimdiensts Schin Bet.

Der gemeinsame Einsatz von Armee, Geheimdienst, Grenzpolizei und Zivilverwaltung sei auf das Gebiet beschränkt, aus dem die Terroristen operierten, und werde voraussichtlich mehrere Tage dauern.

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu warnte: „Wir haben den Nahen Osten umgestaltet“, sagte Netanjahu am Freitag in einem Interview mit dem israelischen Sender i24News. „Es gibt auch eine sehr große Überraschung für die Palästinensische Autonomiebehörde.“

Tote bei Angriff mit Schusswaffen nahe Hebron

Der israelische Regierungschef wich einer direkten Antwort aus, als er gefragt wurde, ob er die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) zerschlagen werde. Er sagte jedoch, er setze auf „List und Überraschung“.

Am Freitagmorgen hatte es einen Angriff mit Schusswaffen in der Nähe von Hebron im Westjordanland gegeben. Dabei wurden laut Angaben des israelischen Militärs zwei Soldaten getötet und drei weitere verletzt. Die beiden mutmaßlich palästinensischen Täter aus Hebron wurden getötet. Die Sicherheitskräfte hätten dadurch einen „schweren Anschlag“ verhindert, sagte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.

Auf der Plattform X teilte er mit, er habe Militär und Sicherheitskräfte angewiesen, die Stadt Hebron sofort abzuriegeln und zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen, um Terroranschläge aus dem Westjordanland zu verhindern.

Am Dienstag findet in Israel die Parlamentswahl statt. Der Konflikt mit den Palästinensern ist ein wichtiges Wahlkampfthema. Rechte Politiker versuchen, bei ihrer Wählerschaft zu punkten, indem sie ein hartes Vorgehen gegen palästinensische Gewalt versprechen. Die zunehmenden Angriffe radikaler israelischer Siedler auf Palästinenser im Westjordanland thematisieren sie dagegen kaum.

Israels Armee kündigt Abriss illegaler Bauwerke an

Die Armee teilte am Abend weiter mit, zusätzlich würden Maßnahmen ergriffen, um die Sicherheitslage in dem Gebiet zu verbessern. Dazu gehörten der Abriss illegaler Bauwerke, die am Ort des Zwischenfalls eine mögliche Sicherheitsbedrohung darstellen könnten. Die Sicherheitskräfte führten derzeit in Dutzenden Orten im Westjordanland Anti-Terror-Einsätze durch.

Seit Beginn des Einsatzes könnten Bewohnerinnen und Bewohner des betroffenen Gebiets über drei ausgewiesene Ausgänge nach Befragung das Gebiet verlassen, hieß es weiter. Zu den Anti-Terror-Maßnahmen zähle auch die Abriegelung der Gebiete Hebron und Halhul sowie die Einrichtung von Straßensperren.

Palästinenser fordern internationale Hilfe

Die PA rief die internationale Gemeinschaft am Samstag auf, wegen des Vorgehens israelischer Sicherheitskräfte einzugreifen. Nach Angaben der Autonomiebehörde stellen die Maßnahmen im Raum Hebron eine Kollektivstrafe dar. Diese Eskalation werde niemandem Sicherheit oder Frieden bringen, sondern nur weitere Spannungen schüren, hieß es.

UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich unterdessen „zutiefst besorgt“ über die Abriegelung von Hebron sowie über Berichte von Hausabrissen und möglichen Vertreibungen, wie sein Sprecher in New York mitteilte. „Diese Absperrungen schränken die Bewegungsfreiheit der Palästinenser, ihren Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen und ihre Lebensgrundlage erheblich ein“, sagte der Sprecher.

Lage im Westjordanland hat sich verschärft

Die Lage im besetzten Westjordanland hat sich seit dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 in Israel und dem dadurch ausgelösten Gaza-Krieg noch einmal verschärft. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden im Westjordanland seitdem mehr als 1100 Palästinenser bei israelischen Militäreinsätzen, bewaffneten Auseinandersetzungen und eigenen Anschlägen getötet.

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