Ist die Rekordrally in Gefahr?
Die Micron-Aktie zeigt sich den sechsten Tag in Folge schwach
Rekordzahlen von ASML und TSMC können den Speicherwert nicht stabilisieren
Eine Ankündigung des Rivalen CXMT nährt Zweifel an Microns Vorsprung
Die Aktie von Micron Technology findet keinen Boden: Am Mittwoch ging der Speicherchiphersteller den fünften Handelstag in Folge mit Verlusten aus dem Handel und auch im Handel am Donnerstag dürfte sich die Lage nicht beruhigen: Vorbörslich zeichnet sich an der NASDAQ ein Verlust von 4,5 Prozent auf 872,99 US-Dollar ab. Seit Beginn der Verlustserie am vergangenen Donnerstag trennen sich Anleger auf breiter Front von dem Investment. Bemerkenswert ist weniger die Tiefe des Rückgangs als sein Umfeld: Ausgerechnet in der Woche, in der die wichtigsten Zulieferer und Fertiger der Branche Rekordzahlen vorlegen, setzt sich die Abwärtsbewegung fort.
Chinesischer Rivale CXMT rückt in den Mittelpunkt
Im Zentrum der Verkäufe steht eine Nachricht aus Shanghai. Wie die South China Morning Post am Montag berichtet hatte, erklärte CXMT-Präsident Cao Kanyu auf einer Konferenz am Wochenende, der chinesische DRAM-Hersteller habe bei Serverspeichern auf Basis der dichteren Zellarchitektur 4F² entscheidende Fortschritte erzielt. Noch bis Jahresende will CXMT erste DDR5-Servermodule mit dieser Technik auf den Markt bringen. Der Branchenstandard arbeitet bislang mit der größeren 6F²-Zelle. Damit zielt der Rivale direkt auf das Servergeschäft, eine der wichtigsten Ertragsquellen von Micron. Konkrete Spezifikationen nannte CXMT allerdings nicht, und von Kundenauslieferungen ist bislang keine Rede.
Der Abverkauf reicht dabei über das DRAM-Geschäft hinaus. Auch Western Digital und Sandisk geben vorbörslich um jeweils mehr als vier Prozent auf rund 347 US-Dollar beziehungsweise rund 1.340 US-Dollar nach, obwohl beide keine DRAM-Chips fertigen und damit nicht direkt im Visier von CXMT stehen. Sandisk, 2025 von Western Digital abgespalten, konkurriert im NAND-Speicher unmittelbar mit Micron, das im vierten Geschäftsquartal gut ein Viertel seines Umsatzes mit NAND erzielte. Western Digital konzentriert sich seit der Trennung auf Festplatten. Dass auch diese Werte nachgeben, spricht dafür, dass Anleger nach der starken Rally den gesamten Speichersektor neu bewerten und nicht nur Microns DRAM-Sparte.
Rekorde bei ASML und TSMC verpuffen
Rückenwind aus der Branche war dabei durchaus vorhanden. ASML steigerte den Umsatz im dritten Quartal auf den Rekordwert von 11,7 Milliarden Euro, nach 9,3 Milliarden Euro im Vorquartal. Konzernchef Christophe Fouquet erwartet zudem, dass die geplanten Kapazitäten 2027 und 2028 die Nachfrage der Kunden nicht vollständig decken. Am Donnerstag legte TSMC nach: Der Nettogewinn kletterte im dritten Quartal um knapp 69 Prozent auf rund 763 Milliarden Taiwan-Dollar, der Umsatz übertraf mit rund 46,7 Milliarden US-Dollar die eigene Prognosespanne von 44,6 bis 45,8 Milliarden US-Dollar. Für das vierte Quartal peilt der Auftragsfertiger 52,3 bis 54,3 Milliarden US-Dollar an.
Wo die Micron-Aktie charttechnisch Halt braucht
Seit dem Rekordhoch von 1.255 im Sommer hat das Papier rund 27 Prozent verloren. Ob aus dem Rücksetzer eine längere Korrektur wird, dürfte sich in den kommenden Tagen entscheiden. Fundamental liefert der Konzern bislang wenig Angriffsfläche: Im vierten Geschäftsquartal, das am 3. September endete, stieg der Umsatz auf 54,2 Milliarden US-Dollar nach 11,3 Milliarden US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 stellt Micron 61,5 Milliarden US-Dollar plus oder minus 1,5 Milliarden US-Dollar in Aussicht, rechnet in diesem Zeitraum allerdings mit dem Tiefpunkt der Bruttomarge im laufenden Geschäftsjahr.
Der nächste belastbare Datenpunkt ist damit nicht der Chart, sondern CXMT selbst: Erst wenn die angekündigten 4F²-Module bis Jahresende tatsächlich bei Serverkunden landen, lässt sich beurteilen, ob der Druck auf Microns Preissetzungsmacht real ist oder die Aktie eine Ankündigung einpreist.
Claudia Stephan, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.