DAX +1,62 % 25.590,77 Pkt 18:00:00 MDAX +2,07 % 30.495,47 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,79 % 6.164,69 Pkt 18:00:00 Dow Jones +0,34 % 52.393,71 Pkt 18:35:15 S&P 500 +1,30 % 7.722,45 Pkt 18:35:14 Nasdaq +2,02 % 26.479,76 Pkt 18:35:11 Nikkei +1,73 % 63.268,37 Pkt 07:45:03 Gold +0,90 % 4.074,60 USD 18:25:10 Silber +0,77 % 54,53 USD 18:25:02 Brent -5,33 % 109,64 USD 18:25:08 WTI -1,66 % 100,07 USD 18:25:15 Bitcoin +0,78 % 80.634,01 USD 18:35:10 EUR/USD -0,68 % 1,11420 USD 18:34:43 EUR/GBP -0,24 % 0,83650 GBP 18:35:15 EUR/CHF -0,17 % 0,92250 CHF 18:35:15 EUR/JPY -0,05 % 175,828 JPY 18:35:15

Ist unsere Persönlichkeit „genetisch festgelegt“? Die „Big Five“ im Erbgut

Wissenschaft

1260 – die Zahl ist selbst für die Big-Data-Forschung atemberaubend; und für die Psychologie erst einmal nichtssagend. 1260 einzelne Genvarianten im Menschen sollen daran beteiligt sein, welcher der fünf klassischen Persönlichkeitsmerkmale („Big Five“) wie stark bei jedem von ausgeprägt sind. Also: Wie kreativ und neugierig wir sind (Offenheit), wie zielstrebig und diszipliniert (Gewissenhaftigkeit), wie gesellig und gesprächig (Extraversion), wie empathisch und hilfsbereit (Verträglichkeit) und wie reizbar und emotional anfällig (Neurotizismus).

Die Summe von 1260 Genvarianten ist das Ergebnis einer der bislang umfangreichsten Erhebungen zu der alten und noch immer populären Frage, wie viel von unserer Persönlichkeit „genetisch festgelegt“ ist. Was ist vererbt, und was ist anerzogen – oder schlicht durch die Umstände des individuellen Reifungsprozesses erworben? Die An- und Abführungszeichen im „genetisch festgelegt“ ist deshalb entscheidend, weil eine solche Festlegung des Charakters oder Temperaments - ein Gen-Determinismus - allenfalls behauptet, aber nie nachgewiesen wurde.

F.A.Z.-Artikel häufiger in Ihren Suchergebnissen sehen

F.A.Z. bei Google bevorzugen

Metaanalyse mit Millionen Menschen

Und dabei wird es auch nach der neuen Meta-Analyse mit ausgewerteten Genomdaten von jeweils 600.000 bis 1,1 Millionen Menschen in 46 Kohorten bleiben. Ein weltweites Konsortium der psychologischen Forschung, an dem auch zahlreiche deutsche Fachleute beteiligt sind, veröffentlichte die Studie soeben in „Nature“. Spektakulär ist diese genetische Massenerhebung vor allem deshalb , weil zwei Drittel der 1260 übers Erbgut verteilte Genomvarianten vorher unbekannt waren. Rein quantitativ gibt es also mehr Gewissheit, dass das Erbmaterial reichlich beteiligt ist an der Ausprägung unserer individuellen Persönlichkeit.

Gleichzeitig aber bedeutet die größere Zahl an Genvarianten keineswegs, dass die Persönlichkeitsmerkmale stärker als gedacht vererbt sind - im Gegenteil: die Vererbung ist nur gewissermaßen stärker auf viel mehr Kandidatengene verteilt. Tatsächlich können die den einzelnen Merkmalen zugeordneten Genvarianten jeweils nur zu maximal neun bis dreizehn Prozent mit individuellen Verhaltensunterschieden in Zusammenhang gebracht werden. Einzelne Gene zeigen also nur einen geringen Effekt. Sie wirken auch keineswegs streng deterministisch, sprich: die Genvarianten sind nicht bestimmend, sondern erhöhen oder erniedrigen die Wahrscheinlichkeit für die eine oder andere Merkmalsausprägung. Dennoch bleibt es auch dabei: Das genetische Erbe ist alles andere als vernachlässigenswert, wenn es um die Persönlichkeitsausprägung jedes Einzelnen geht - was sich ohnedies mit den Alltagserfahrungen vieler Menschen deckt.

Wie groß die jeweiligen genetischen Anteile sind, hängt von der Zusammensetzung der Genvarianten in der jeweiligen Person ab. Frühere Familien- und Zwillingsstudien hatten bereits eine Bandbreite von insgesamt 40 bis 60 Prozent Erblichkeit angegeben, um zu beziffern, wie stark die Gene an der möglichen Bandbreite der Persönlichkeitsmerkmale insgesamt beteiligt sind. Der eigentliche Wert der neuen Metaanalyse ist wohl erst zu ermessen, wenn einige der durchaus überraschenden Zusammenhänge genauer aufgeklärt sind.

Besonders interessant sind dabei die krankhaften Abweichungen, psychiatrische Erkrankungen etwa. Der Nervenbotenstoff Serotonin wird seit langem mit vielen mentalen, dämpfenden Effekten in Verbindung gebracht – es gibt entsprechende Arzneien. Und familiäre Häufungen mit depressiven Störungen sind dokumentiert. Trotzdem sind in der neuen Persönlichkeitsstudie auch bei abertausenden Menschen mit Neurotizismus kaum Zusammenhänge zu Serotonin-Genvarianten identifiziert worden.

Und noch ein anderes Ergebnis dürfte viele überraschen: Genetische Ähnlichkeiten zwischen zwei Lebenspartnern sind auffallend selten. Gleiches und gleiches gesellt sich also vielleicht gern – über ihre „Persönlichkeitsgene“ sagt das allerdings nicht viel aus.

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren