Italien: Videos tödlicher Festnahme in Bologna lösen Massenproteste aus
Nach dem Tod eines 42-jährigen Mannes während einer Festnahme in Bologna ermittelt die italienische Justiz gegen die beteiligten Beamten. Die Staatsanwaltschaft teilte am Montag mit, die Umstände des Einsatzes und des Todesfalls aufklären zu wollen. Auch die Aufnahmen der Bodycams der beiden Polizisten wurden sichergestellt und sollen ausgewertet werden. Der Fall sorgt in Italien für breite öffentliche Diskussionen. In sozialen Netzwerken verbreiten sich seit Sonntag Videos, die den Einsatz zeigen. Darauf ist zu sehen, wie zwei Polizisten den Mann über mehrere Minuten in Bauchlage am Boden fixieren. Zunächst ruft er wiederholt um Hilfe, später bleibt er regungslos mit dem Gesicht auf dem Asphalt liegen, während ihm Hände und Füße gefesselt werden. Zwei Rettungskräfte stehen zunächst daneben, bevor sie den Mann schließlich auf den Rücken drehen und abtransportieren. Tausende Menschen versammelten sich in Bologna zu einer Protestkundgebung am Montagabend. Angehörige von Fakir forderten »Wahrheit und Gerechtigkeit«. Am Rande der Demonstration kam es zu Auseinandersetzungen zwischen einer Gruppe von Demonstrierenden und der Polizei. Nach Behördenangaben wurden unter anderem Böller auf Einsatzkräfte geworfen, die Polizei setzte Schlagstöcke und Tränengas ein. Die Regelung, von Kritikern als »Schutzschild« für Polizeibeamte bezeichnet, sieht vor, dass Einsatzkräfte bei möglicher Rechtfertigung ihres Handelns – etwa durch Notwehr oder rechtmäßige Dienstausübung – nicht mehr automatisch als Beschuldigte registriert werden. Stattdessen erfolgt zunächst eine vorläufige Eintragung, während die Ermittlungen weiterlaufen. Im Fall Fakir betrifft dies nach Angaben der Staatsanwaltschaft zwei Polizisten und vier Rettungskräfte.