Jagd auf Nilgänse: In Darmstadt wird künftig scharf geschossen
In Darmstadt geht es den Nil- und Kanadagänsen künftig an den Kragen. Die Stadt hat die invasiven Arten im Naherholungsgebiet "Steinbrücker Teich" zum Abschuss freigegeben, wie sie am Mittwoch mitteilte. Drei bis vier Mal die Woche soll demnach in Zukunft auf die Tiere geschossen werden. Am Steinbrücker Teich hätten sich die Gänse derzeit "in großer Zahl" breit gemacht. Genaue Zahlen nennt die Stadt nicht. Kot, Schäden, aggressives Verhalten Die Spuren der Tiere am Teich sind in letzter Zeit nicht zu übersehen: Kot auf Spiel- und Liegewiesen, Schäden an Ufern und Grünanlagen, aufgerissene Abfälle oder aggressives Verhalten während der Brut- und Setzzeit seien die größten Probleme, heißt es in der Mitteilung. Besonders betroffen sei das Umfeld des Spielplatzes. Durch den Kot der Tiere könne die Fläche von Eltern und Kinder nur noch sehr eingeschränkt genutzt werden. Aktuell werde das Gebiet regelmäßig gereinigt, was die Situation aber immer nur kurzfristig bessere. Auch Maßnahmen zur Vergrämung der Gänse seien ohne Wirkung geblieben. Tierschutz vs. Lebensqualität Im Spannungsfeld zwischen Tierschutz und Lebensqualität der Menschen in Darmstadt habe die Stadt die Entscheidung getroffen, die Tiere zum Abschuss freizugeben, sagt Grünflächendezernent Michael Kolmer (Grüne): "Am Steinbrücker Teich geht es darum, die Kotbelastung für Familien dauerhaft zu reduzieren und den Tieren gleichzeitig ihren natürlichen Abstand zum Menschen zurückzugeben." Es sollen nicht alle Gänse getötet werden, die Zahl der Tiere soll aber spürbar sinken. "Unser Ziel ist kein wildtierfreies Darmstadt, sondern ein verantwortungsvolles Miteinander", so Kolmer. Die Jagdeinsätze, die vom Wildtierbeauftragten koordiniert werden, sollen nur außerhalb der Nutzungszeiten und unter "strengen Sicherheits- und Tierschutzauflagen" stattfinden. Betroffene Bereiche werden nach Angaben der Stadt vorher gesichert. Frankfurt setzt auf Sichtschutz-Maßnahmen Neben Darmstadt ist vor allem Frankfurt von der Nilgans-Problematik betroffen. Dort verschmutzen die Tiere Grünanlagen und Liegewiesen in Freibädern. Die Stadt Frankfurt verzichtet dabei auf die Jagd, diese sei in Parks und am Mainufer "aufgrund von gesetzlichen Bestimmungen nicht möglich", heißt es auf der Internetseite. Der Aufwand sei zu groß, so müssten bestimmte Flächen erst von der Polizei geräumt werden. Auf eingen Flächen setzt Frankfurt deswegen auf "Lenkungsmaßnahmen" wie etwa Hecken oder Zäune. Eine Maßnahme, die auch der Naturschutzbund NABU präferiert. Um es den Vögeln auf den Wiesen ein wenig unkomfortabler zu machen, empfehlen die Naturschützer verschiedene Sichtschutz-Arten wie eben Hecken, hochgewachsene Grasstreifen oder spezielle Zäune. Dadurch mache man den Lebensraum weniger attraktiv, da die Tiere so potenzielle Feinde so nicht mehr von weitem erkennen könnten. NABU lehnt Jagd ab Die Jagd auf Nilgänse zur Reduktion des Bestands lehnt der NABU grundsätzlich ab. "Die reguläre Jagd hat bei sich dynamisch ausbreitenden Neozoen kaum einen Effekt auf die weitere Bestandsentwicklung", heißt es auf der Internetseite der Naturschützer. Eine Bejagung der Gänse ließe sich nur begründen, wenn man sie essen möchte.