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Jähriger findet Kirchenasyl in Duisburg

Nation

Es ist Freitagnachmittag, als der Zug aus Berlin am Duisburger Hauptbahnhof einfährt. Darin sitzt der 15-jährige Ruhaim Rouf aus Leverkusen, der mit seinen Mitschülern von einer Klassenfahrt nach Hause fährt. Doch in Leverkusen kommt er nicht an. Am Duisburger Hauptbahnhof wird er von Reiner Siebert vom Evangelischen Kirchenkreis Duisburg abgeholt. Eigentlich sind sich die beiden völlig fremd. Doch der Duisburger gewährt dem Jugendlichen Kirchenasyl.

Die Umstände sind dramatisch. Nur wenige Stunden zuvor holen Mitarbeiter der Ausländerbehörden Ruhaims Eltern und vier seiner Geschwister ab, um sie nach Sri Lanka abzuschieben. Sein Vater und seine ältere Schwester werden noch am selben Tag ausgeflogen. Seine Mutter und drei jüngeren Geschwister sollen folgen.

Laut Medienberichten gehört Familie Rouf aus Leverkusen zur tamilisch-muslimischen Minderheit in Sri Lanka. 2018 flüchtet sie nach Deutschland. Ihr Asylantrag wird abgelehnt. Dabei gilt die Familie als gut integriert. Der Vater arbeitet in Vollzeit, die Kinder gehen zur Schule. Ruhaim engagiert sich in der Schülervertretung.

Dramatische Rettungsaktion am Duisburger Hauptbahnhof

Als Reiner Siebert vom Evangelischen Kirchenkreis Duisburg von der bevorstehenden Abschiebung erfährt, muss alles ganz schnell gehen. Kollegen aus Köln informieren ihn über die Situation. Sie befürchten, dass Ruhaim bei seiner Ankunft in Köln von den Behörden in Gewahrsam genommen und zum Flughafen nach Frankfurt gebracht wird.

Weil der Zug über Duisburg fährt, erklärt Reiner Siebert sich bereit, die Abholung zu organisieren. Zuvor nehmen die Helfer Kontakt zu Ruhaim und seinem Lehrer auf. In Duisburg wird der Jugendliche in einer Wohnung untergebracht, wo er erst einmal zur Ruhe kommen soll. Ein junger Mann kümmert sich um ihn, die beiden schauen gemeinsam Fernsehen. Gleichzeitig hält Ruhaim Kontakt zu seinen Eltern und Geschwistern.

Für den 15-Jährigen ist es eine kaum vorstellbare Belastung. Während sein Vater und seine ältere Schwester bereits in Sri Lanka sind, hängt die Zukunft seiner Mutter und der drei jüngeren Geschwister auch davon ab, dass er in Deutschland bleibt.

Glück im Unglück

Im Laufe des Tages kehrt Ruhaim wieder zu seiner Mutter und seinen drei Geschwistern nach Leverkusen zurück. "Der Ordnungsamtsleiter hat uns zugesichert, dass Ruhaim und seine Familie nicht abgeschoben wird, bis eine Entscheidung gefallen ist." Damit endet das Kirchenasyl für den 15-Jährigen. Ob seine Familie allerdings jemals wieder zusammen in Deutschland leben wird, bleibt ungewiss.

Was ist ein Kirchenasyl?

Kirchenasyl hat in Deutschland eine jahrzehntelange Tradition. Kirchengemeinden nehmen Menschen auf, denen eine Abschiebung droht und bei denen sie besondere humanitäre Härten befürchten. "Das Kirchenasyl ist kein rechtsfreier Raum", betont Sören Asmus, Pfarrer im Referat für interreligiösen und interkulturellen Dialog.

Zwischen den Kirchen und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gibt es seit Jahren eine Vereinbarung über den Umgang mit solchen Fällen. Die Kirchengemeinden informieren die zuständigen Behörden über die Aufnahme und legen dar, warum sie eine erneute Prüfung aus humanitären Gründen für notwendig halten. Das Ziel: Zeit gewinnen, damit die Behörden die besondere Situation der Betroffenen noch einmal prüfen können.

Michael Gödde ist Fachanwalt für Asylrecht.

Bildquelle: WDR/Laura Kasprowiak

Auch der Fachanwalt für Asylrecht Michael Gödde betont, dass Kirchenasyl keinen rechtsfreien Raum schafft. In der Regel respektieren die Behörden das sogenannte offene Kirchenasyl. Einen rechtlichen Anspruch auf Schutz vor einer Abschiebung begründet es allerdings nicht.

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