Jähriger in Berlin verurteilt: Mario M. lebte 16 Monate in einem Hotel am BER – und prellte es um 107.000 Euro
Der Mann kann viel erzählen. Mit einem Talent zur Lüge. „Ich habe alle Register gezogen“, erinnert sich Mario M. an das nette Leben in einem Flughafenhotel am BER mit frisch bezogenen Betten und üppigem Frühstücksbuffet. „Man hat mir geglaubt“, lobt sich der Mann vor dem Amtsgericht Tiergarten. Nun soll er als Betrüger ins Gefängnis einchecken. Rund 16 Monate lang lebte Mario M. mit seiner Partnerin und den beiden damals noch minderjährigen Kindern der Frau im Hotel. Kosten von 107.000 Euro sammelten sich an. Doch M. zahlte keinen Cent. Mario M., ein Mann von 55 Jahren, atmet schwer, als er knapp zwei Jahre nach seiner heimlichen Abreise den Gerichtssaal betritt. Ein Lügengebäude hatte er errichtet. Beim Einchecken am 1. April 2023 tischte er die Geschichte einer schweren Erkrankung auf. Er habe Krebs und sei für eine Therapie an der Charité in Behandlung. Dazu sei er mit Partnerin und zwei Kindern angereist – „in einem Wohnwagen“. Doch seine mobile Unterkunft sei leider abgebrannt, er müsse nun anderweitig unterkommen. Die Kosten seien aber kein Problem – die übernehme der ADAC, denn bei dem Automobilclub sei das Fahrzeug versichert gewesen. Der Angeklagte habe „wahrheitswidrig bewusst und gewollt den unzutreffenden Eindruck vermittelt, zahlungswillig und zahlungsfähig zu sein“, heißt es in der Anklage. Der Verteidiger sagt für seinen Mandanten: „Er will die Vorwürfe nicht bestreiten.“ Er sei von Nordrhein-Westfalen in einer besonderen Situation gekommen – „die Frau wurde von ihrem Ex-Mann gestalkt“. Mario M. habe keinen Ausweg gesehen – „er weiß, dass er sich strafbar gemacht hat“. Der Angeklagte zeigt Reue Den Kopf leicht gesenkt, die Hände gefaltet. Mario M. zeigt Reue. Er ist einer, der wohl schnell merkt, wie er bei anderen Menschen einen Nerv treffen kann. „Damals habe ich es nicht besser gewusst. Ich dachte, ich könnte es regeln“, seufzt er. „Heute würde ich es anders machen.“ Im Hotel hätten sie sich allerdings nicht versteckt. „Wir waren beim Frühstück, hielten uns im Haus auf.“ Wenn nach der Kostenübernahme durch die Versicherung gefragt wurde, habe er fingierte E-Mails ans Hotel geschrieben. „Das machte es glaubwürdig – ich war in den Mails der ADAC.“ Eine Mitarbeiterin des Hotels sagt, im Fall einer solchen Kostenübernahme sei die Buchhaltung zuständig. „Es fiel lange nicht auf“, so die Zeugin. Der Gast habe vertröstet und erklärt, er werde die Sache mit dem Automobilclub klären. Am 10. August 2024 zogen M. und Begleitung aus – heimlich, still und leise. Aktuell leben sie in einem Wohnheim in Köpenick. Mario M. richtet sich ein Stück auf, als er über sein Leben spricht. Diplom-Pädagoge sei er „von Haus aus“, dann 16 Jahre lang Soldat der Bundeswehr gewesen. Einer, der gekämpft habe – „42 Monate in Afghanistan“. Das habe etwas mit ihm gemacht – „das ändert den Blickwinkel“. Mario M. ist bereits vorbestraft Erlebt oder erfunden? Im Prozess spielt dieser von ihm geschilderte Abschnitt seines Lebens keine weitere Rolle. Bei seinem Strafregister allerdings fällt auf: Seit 1998 gab es immer wieder Verfahren gegen Mario M., es ging vor allem um Betrügereien. Um die zehn Vorstrafen hat er sich bereits eingehandelt. Zuletzt erhielt er Ende 2024 eineinhalb Jahre Haft auf Bewährung. Von Juni 2022 bis Januar 2023 hatte er sich in Unterkünften in Berlin eingebucht, aber nicht bezahlt. Ein Schaden von 25.000 Euro entstand. Dieses Urteil sei nun in die aktuelle Entscheidung einzubeziehen, so das Gericht. Der Verteidiger sagt, sein Mandant sei nicht derjenige, „der sich auf Kosten anderer schwer bereichern will“. Seine Konten seien leer – „er wollte Ruhe vor dem Stalker“. Zudem habe M. bei seinem Auslandseinsatz als Soldat vermutlich psychischen Schaden genommen. „Ein Mensch, der ganz unten angekommen ist“, so der Anwalt. Er sei nicht zu vergleichen mit wahren Wirtschaftskriminellen. Der Staatsanwalt plädiert auf eine Gesamtstrafe von dreieinhalb Jahren Haft wegen besonders schweren Betruges. Der Verteidiger findet, dass zweieinhalb Jahre ausreichend seien. Das Amtsgericht folgt dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Mario M. habe eine „gewisse Unverfrorenheit“ an den Tag gelegt, seine Geschichten clever oder makaber wie eine Krebserkrankung erzählt. Er habe Kost und Logis für vier Personen erschlichen, dabei auch mit fingierten E-Mails agiert und das Hotel „bewusst in die Irre geführt“.