Japan: Takaichis Balanceakt – Kein Schrein
Die japanische Ministerpräsidentin Sanae Takaichi hat beim Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs auf einen Besuch des umstrittenen Yasukuni-Schreins verzichtet. Sie erinnerte am Samstag an die Kriegstoten, ohne die Verbrechen japanischer Truppen zu erwähnen oder dafür um Entschuldigung zu bitten. Das Opfer der Getöteten sei „Grundlage für Japans heutigen Frieden und Wohlstand“, sagte sie. „Japan hat seit Kriegsende konsequent zum weltweiten Frieden und Wohlstand beigetragen. Wir werden niemals zulassen, dass sich die Tragödie des Krieges wiederholt.“ Verteidigungsminister Shinjiro Koizumi und Führungskräfte der Regierungspartei LDP beteten dagegen am Schrein, in dem auch an verurteilte Kriegsverbrecher gedacht wird. Parteisekretär Shunichi Suzuki sagte, er habe Geldspenden der Parteichefin Takaichi überbracht. Am 15. August 1945 hatte der damalige japanische Kaiser Hirohito die Kapitulation Japans angekündigt, die im September vollzogen wurde. Für Takaichi ist das Gedenken daran ein Balanceakt. Sie hat den Yasukuni-Schrein seit ihrem Amtsantritt nicht besucht, aber Opfergaben geschickt. Ein Besuch des Schreins hätte die diplomatischen Beziehungen zu China und Südkorea belastet, die damals ganz oder teilweise von japanischen Truppen besetzt waren. Gleichzeitig versucht Takaichi, angesichts sinkender Umfragewerte rechtsgerichtete Wähler nicht zu verprellen.